Stanislav Pribyl wird neuer Erzbischof von Prag

Auftrag in einem der säkularsten Länder Europas

Mit Stanislav Pribyl bekommt Tschechien einen neuen Primas, der als pragmatischer Seelsorger mit ausgeprägtem sozialem Fokus und ausgleichendem Stil gilt. Er soll der Kirche in einer skeptischen Gesellschaft eine Stimme geben.

Karlsbrücke in Prag im Schnee / © Cavan-Images (shutterstock)
Karlsbrücke in Prag im Schnee / © Cavan-Images ( shutterstock )

Stanislav Pribyl (54) ist der neue Erzbischof von Prag und damit katholischer Primas von Böhmen. In einem der säkularsten Länder Europas steht der neue Erzbischof, bislang Bischof von Litomerice (Leitmeritz), vor der Aufgabe, der katholischen Kirche in der tschechischen Gesellschaft eine Stimme zu geben. Dass dies ein herausforderndes Unterfangen ist, hat nicht zuletzt historische Gründe.

Erzbischof Stanislav Pribyl / © Šulová Kateøina/CTK (dpa)
Erzbischof Stanislav Pribyl / © Šulová Kateøina/CTK ( dpa )

Tschechien blickt auf eine konfliktreiche Religionsgeschichte zurück. Der Katholizismus wird historisch mit Fremdherrschaft, Zwang und Machtmissbrauch assoziiert. Über ein halbes Jahrhundert kommunistischer Herrschaft marginalisierte das religiöse Leben zusätzlich. Heute bekennt sich nur eine Minderheit der Bevölkerung aktiv zum Christentum. Entsprechend gering ist die gesellschaftliche Akzeptanz von Kirchenleitung.

Ausgeprägter sozialer Fokus

Pribyl, der dem Orden der Redemptoristen angehört, gilt als pragmatischer Seelsorger mit ausgeprägtem sozialem Fokus. Seine Nähe zur Caritas-Arbeit – von 2004 bis 2008 war er Caritas-Präsident im Erzbistum Prag – und sein Engagement für sozial Benachteiligte haben ihm auch außerhalb der Kirchenstrukturen Anerkennung eingetragen. Beobachter sehen darin einen bewussten Stil: weniger moralische Belehrung, mehr praktische Hilfe.

Blick auf die Stadt Prag und Moldau mit Karlsbrücke / © zedspider (shutterstock)
Blick auf die Stadt Prag und Moldau mit Karlsbrücke / © zedspider ( shutterstock )

In gesellschaftlichen Debatten dürfte Pribyl eher als moderierende Stimme auftreten denn als polarisierender Akteur. Themen wie soziale Ungleichheit, Ausgrenzung oder Verantwortung gegenüber Schwächeren bieten Anknüpfungspunkte, an denen Kirche Gehör findet, ohne ihre begrenzte gesellschaftliche Verankerung zu ignorieren. Religiöse Forderungen im engeren Sinn treten dabei in den Hintergrund zugunsten ethischer Argumente, die auch für Nichtgläubige anschlussfähig sind.

Weg von institutionellem Selbstanspruch

Symbolisch steht Pribyl für einen möglichen Kurswechsel der katholischen Kirche in Tschechien: weg von institutionellem Selbstanspruch, hin zu einer dienenden Rolle in der Zivilgesellschaft. Der neue Erzbischof wird weniger als Machtfigur wahrgenommen, sondern als Vertreter einer Kirche, die um ihre gesellschaftliche Relevanz ringt.

1996 wurde Pribyl zum Priester geweiht. Neben Doktortiteln in Theologie und Kunstgeschichte hat er auch einen Master-Abschluss in Ökonomie und Management. Im November 2023 ernannte ihn Papst Franziskus zum Leiter des Bistums Leitmeritz in Nordböhmen. Seit April 2025 ist er Vize-Vorsitzender der Tschechischen Bischofskonferenz, deren Generalsekretär er zuvor war.

Kirche in Tschechien

In der Tschechischen Republik bekennt sich nur noch eine Minderheit der Bevölkerung zu einer Religionsgemeinschaft. 2018 bezeichnete sich laut Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Stem noch jeder vierte tschechische Bürger als gläubig, jeder dritte dagegen als Atheist. Zu den Gläubigen rechneten sich demnach häufiger Frauen, Personen über 45 Jahre sowie Bürger kleinerer Gemeinden.

Altstädter Ring in Prag / © dimbar76 (shutterstock)
Quelle:
KNA