Stadtjugendseelsorger Christian Jasper bilanziert seine Bonner Zeit

Junge Menschen und die Frage nach Gott

Fünfeinhalb Jahre prägte Stadtjugendseelsorger Christian Jasper die katholische Jugendarbeit in Bonn, entwickelte neue Formate und baute das Jugendpastorale Zentrum EKKO mit auf. Nun wechselt er nach Düsseldorf und blickt zurück.

Autor/in:
Tobias Fricke
Bonner Münster / © Goals Media (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Sie sind Kaplan in der Münsterpfarrei und waren fünfeinhalb Jahre lang als Stadtjugendseelsorger in Bonn tätig. Welche Momente haben Sie persönlich am meisten geprägt? 

Kaplan Dr. Christian Jasper / © Vera Drewke (privat)
Kaplan Dr. Christian Jasper / © Vera Drewke ( privat )

Dr. Christian Jasper (Bonner Stadtjugendseelsorger): Das war eine ganz spannende und ereignisreiche Zeit in der Bonner Innenstadt. Ich habe viel erlebt. Zum Beispiel die Wiedereröffnung des Bonner Münsters und die Neubegründung des Jugendpastoralzentrums EKKO. Ich konnte auch wunderbare Fahrten miterleben, zum Beispiel den Weltjugendtag in Portugal, Taizé oder eine Fahrt mit jungen Menschen in die Alpen zum Bergpilgern. Das waren wirklich viele Highlights.

Es gab aber auch Herausforderungen. Ich habe hier den Tod von Stadtdechant Wolfgang Picken miterlebt. Dann die darauffolgende einjährige Vakanz und anschließend die Einführung von Markus Hofmann als neuem Münsterpfarrer und Stadtdechanten. Insofern habe ich viel mitbekommen und auch viel gelernt.

DOMRADIO.DE: In dieser Zeit haben Sie auch am Aufbau des Jugendpastoralen Zentrums EKKO mitgewirkt. Was war Ihnen dabei besonders wichtig und was macht dieses Projekt aus Ihrer Sicht nachhaltig? 

Jasper: Die Jugendpastoral gibt es schon lange in Bonn. Früher hieß sie Campanile. Damals gab es auch eine eigene Jugendkirche. Das hatte sicherlich seinen Charme. Jedoch war man gefühlt in einem Hinterhof am Rande der Innenstadt. Deswegen haben wir uns bewusst entschieden, in die Mitte der Stadt Bonn direkt an das Bonner Münster zu ziehen. 

Es war sehr spannend, ein derartiges Zentrum mit aufzubauen. Wir haben dafür auch einen Markenbildungsprozess gestartet und uns gefragt: Wie soll das Ganze heißen? Wofür soll es stehen? Uns war es wichtig, das EKKO als Ort zu etablieren, an dem man als junger Mensch Gleichaltrige treffen kann und wo man auch bewusst über Gott ins Gespräch kommen kann. Orte ohne klares Profil gibt es viele. Gerade in einer Zeit des gesellschaftlichen Wandels, in der Säkularisierung eine große Rolle spielt, gibt es jedoch auch Menschen, die sich ganz bewusst und ausdrücklich die Frage nach Gott stellen. All diese Menschen sollen bei uns am EKKO einen guten Platz finden. 

DOMRADIO.DE: Die vergangenen Jahre waren durch mehrere Krisen geprägt, unter anderem die Corona-Pandemie. Was haben Sie über Jugendliche und Kirche in dieser Zeit neu gelernt? 

Christian Jasper

"Aber es war eine schöne und ermutigende Erfahrung in den vergangenen Jahren zu merken, dass es noch junge Menschen gibt, die nach Gott fragen."

Jasper: Das Thema Einsamkeit ist in aller Munde und betrifft natürlich auch viele junge Leute. Manches, was in der Pandemie weggefallen ist, ist bis heute noch nicht vollständig wieder aufgebaut worden. Die Generation, die während der Pandemie erwachsen geworden ist, hat teilweise Erfahrungen nicht gemacht, die früher ganz selbstverständlich waren, in den vielen Lockdowns aber nicht möglich waren. Bei manchen merkt man, dass es noch etwas nachzuholen gibt. 

Gleichzeitig erlebe ich junge Menschen als sehr interessiert und motiviert. In den letzten Jahren beobachten wir eine deutlich steigende Zahl von Anfragen junger Menschen, die sich erst im Erwachsenenalter taufen oder firmen lassen möchten. Die Taufe im Kindesalter ist in unserer Zeit immer weniger selbstverständlich, daher kommt jetzt ein Schub an jungen Menschen, denen der Glaube doch etwas bedeutet. Wie wir diese jungen Menschen gut begleiten können, dafür hat die Kirche nicht immer die richtigen Antworten. 

Aber es war eine schöne und ermutigende Erfahrung in den vergangenen Jahren, zu merken, dass es noch junge Menschen gibt, die nach Gott fragen.

Christian Jasper

"Gleichzeitig nehme ich die Motivation mit, dass es sich lohnt, neu anzufangen."

DOMRADIO.DE: Sie wechseln nun von Bonn nach Düsseldorf. Was werden Sie besonders vermissen und was nehmen Sie innerlich mit? 

Jasper: Es sind viele gute Beziehungen zu jungen Menschen gewachsen, die ich in den vergangenen Jahren begleiten durfte. Diese werde ich vermissen. Mit dem Bonner Münster gibt es hier einen tollen Ort mitten in der Innenstadt, der sich zu einem Magneten und geistlichen Zentrum entwickelt hat. Auch das werde ich vermissen. 

Gleichzeitig nehme ich die Motivation mit, dass es sich lohnt, neu anzufangen. Als ich damals nach Bonn kam, war die Münsterkirche wegen der Sanierung geschlossen, zudem herrschte der Corona-Lockdown. Dadurch war es gewissermaßen ein Start bei Null. Danach ist in relativ kurzer Zeit sehr viel gewachsen. Diese Motivation, dass es sich immer wieder lohnt, neu auszusäen, um es mit dem Evangelium zu sagen, und dann auf eine Ernte hoffen zu dürfen, nehme ich mit.

DOMRADIO.DE: In Düsseldorf bleiben Sie der Jugendpastoral treu. Worauf freuen Sie sich besonders? 

Jasper: Ich freue mich darauf, Menschen in Düsseldorf wiederzutreffen, die ich bereits bei meiner ersten Kaplan-Stelle dort kennengelernt habe. Ich freue mich darauf, die vielen motivierten Menschen kennenzulernen, die dort bereits Jugendseelsorge betreiben, im Jugendpastoralen Zentrum Botschaft, beim BDKJ und in den Schulen. Und ich freue mich auch darauf, mich dort überraschen zu lassen, was die Jugendseelsorge in Düsseldorf braucht, um sich weiterentwickeln zu können.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Jugendseelsorge im Erzbistum Köln

Die Angebote von Jugendseelsorge und Jugendarbeit sind so vielfältig wie die Interessen und Bedürfnisse der jungen Menschen zwischen sechs und 27 Jahren, gleich welcher Herkunft und Religion. Im Erzbistum Köln finden Jugendseelsorge, kirchliche Jugendarbeit und Jugendhilfe vor allem vor Ort statt: in den Kirchengemeinden, jugendpastoralen Zentren und Jugendkirchen, in den Jugendverbänden, in den Jugendzentren der offenen Kinder- und Jugendarbeit, in den Einrichtungen und Projekten der Jugendsozialarbeit oder in den Jugendbildungsstätten.

Seelsorge im Jugendbereich / © Freedom Studio (shutterstock)
Seelsorge im Jugendbereich / © Freedom Studio ( shutterstock )
Quelle:
DR

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