Stadt Monheim will an Kooperation mit Ditib festhalten

"Religionsausübung nicht in Hinterhöfe verbannen"

Die rheinische Stadt Monheim will an ihrer Kooperation mit dem umstrittenen deutsch-türkischen Moscheeverband Ditib festhalten. Der richtige Umgang liege in "einer stärkeren Einbindung, nicht in einer Ausgrenzung", so der Bürgermeister der Stadt. 

Ditib-Zentralmoschee Köln / © Cornelis Gollhardt (KNA)
Ditib-Zentralmoschee Köln / © Cornelis Gollhardt ( KNA )

Der Bürgermeister der rheinischen Stadt Monheim Zimmermann bekräftigte seine Forderung, den Moscheeverband Ditib als Körperschaft des öffentlichen Rechts anzuerkennen. Dies mache es möglich, die Ditib von der Türkei durch "die Erhebung kirchensteuerähnlicher Mittel" finanziell unabhängig zu machen. Bei einer Aufkündigung der Zusammenarbeit bestehe die Gefahr, die Bindung der Ditib an die Türkei "noch zu verstärken", sagte Daniel Zimmermann (PETO) am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). 

Landtagsfraktionen plädieren für Beobachtung von Ditib

Nachdem Ditib-Imane in Verdacht geraten waren, türkische Regimegegner der Gülen-Bewegung in deutschen Moscheen ausgespäht zu haben, hatte die nordrhein-westfälische Landesregierung Ende 2016 ihre Kooperation mit dem Verband eingestellt. Dies gilt etwa beim muslimischen Religionsunterricht und der Gefängnisseelsorge.

In der Folgezeit wurde der Ditib vorgeworfen, in Kindercomics den Märtyrertod zu verherrlichen und mit der radikalen Muslimbruderschaft zusammenzuarbeiten. Alle Landtagsfraktionen plädieren für eine Beobachtung des Verbandes durch den Verfassungsschutz.

Zimmermann wies darauf hin, dass die Mehrheit der 600 Ditib-Mitglieder in Monheim die deutsche Staatsbürgerschaft habe und dort aufgewachsen sei. "Da ist es einfach ungerecht, die Religionsausübung dieser Menschen in die Hinterhöfe zu verbannen", so der Bürgermeister. Auf Beschluss des Kommunalparlaments hin hatte die Stadt dem örtlichen Ditib-Verein sowie einer weiteren islamischen Gemeinde 2016 Geld für den Bau ihrer Moscheen zur Verfügung gestellt.

"Dämonisierung der Ditib ist nicht die richtige Reaktion"

Der mehr als 40 Seiten umfassende Notarvertrag zwischen der Ditib und der Stadt Monheim regele "ganz klar", dass alle Aktivitäten der örtlichen Moscheegemeinde im Einklang mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen müssten, betonte Zimmermann. Jede Zuwiderhandlung könne abgemahnt werden. "Im schlimmsten Fall würde sogar der Entzug des Grundstücks drohen", betonte Zimmermann.

Eine "Dämonisierung" der Ditib mit bundesweit rund 900 Gemeinden sei "sicher nicht die richtige Reaktion" auf tatsächlich kritikwürdige Vorgänge, sagte der Bürgermeister. "Dadurch spielt man der AfD und anderen Ausgrenzern in die Hände." Deshalb setze er weiterhin auf Dialog mit dem Moscheeverband. Dies habe sich in seiner Stadt als erfolgreich erwiesen.

Der Bürgermeister von Monheim, Daniel Zimmermann / © Oliver Berg (dpa)
Der Bürgermeister von Monheim, Daniel Zimmermann / © Oliver Berg ( dpa )
Quelle:
KNA
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