Stabwechsel in Taize markiert auch einen Generationenwechsel

Anfangszeit der Gemeinschaft endet

Der scheidende und der künftige Leiter sehen die ökumenische Gemeinschaft von Taize in einem strukturellen Übergang. Vielleicht ende nun die Anfangszeit von Taize. Viele Brüder hätten Frere Roger nicht mehr selbst kennenlernen können.

1989 wurde der Karlspreis an den Gründer der Communauté von Taizé, Frère Roger, verliehen in "Dankbarkeit für sein Vorbild des Vertrauens, der Versöhnung und der Gemeinschaft als notwendigem Fundament der gesamten Europäischen Einigung".  (KNA)
1989 wurde der Karlspreis an den Gründer der Communauté von Taizé, Frère Roger, verliehen in "Dankbarkeit für sein Vorbild des Vertrauens, der Versöhnung und der Gemeinschaft als notwendigem Fundament der gesamten Europäischen Einigung". / ( KNA )

"Vielleicht sind wir bis jetzt immer noch in der Anfangszeit unserer Communaute gewesen", sagte der deutsche Katholik und Prior Frere Alois (Löser, 69) im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). 

Nun aber brauche es für die Kontinuität der Gemeinschaft festere Strukturen als zuvor: "mehr Beteiligung aller Brüder an der Entscheidungsfindung, auch in materiellen und pastoralen Fragen", so der scheidende Prior.

Viele haben Frere Roger nicht mehr kennenlernen dürfen

Sein Nachfolger, der britische Anglikaner Frere Matthew (Andrew Thorpe, 58), betonte, mehr als ein Dutzend der rund 90 Taize-Brüder hätten inzwischen den gestorbenen Gründer Frere Roger (1920-2005) gar nicht mehr selbst erlebt. 

Frère Roger bei einem Treffen mit Papst Johannes Paul II. (KNA)
Frère Roger bei einem Treffen mit Papst Johannes Paul II. / ( KNA )

Es gelte, die persönlichen Bindungen untereinander künftig durch einfache Strukturen und gemeinsamere Entscheidungen zu verstärken. Dafür sei viel Zuhören erforderlich.

Frere Matthew dankte seinem Vorgänger für alles, was er in seinen 18 Jahren als Prior für die Gemeinschaft getan habe. 

In Taize ist man glücklich mit der derzeitigen Situation

Frere Alois habe sie durch eine schwierige Zeit und auf neue Wege des Austauschs geführt, sagte er mit Blick auf die Corona-Pandemie.

Frère Alois Löser, scheidender Prior der Communauté von Taizé (KNA)
Frère Alois Löser, scheidender Prior der Communauté von Taizé / ( KNA )

Der neue Prior hatte kürzlich das Thema "Schwestern in der Brüdergemeinschaft von Taize" angesprochen. Dazu präzisierte Frere Matthew im KNA-Interview, für diese Frage brauche es wohl noch eine Zeit des Reifens. 

Man sei eigentlich glücklich mit der derzeitigen Situation in Taize. Es gebe seit über 50 Jahren eine Zusammenarbeit mit den Schwestern von Saint-Andre. 

Auch Frauen leben und helfen in Taize

Zudem lebten junge Frauen als Freiwillige, polnische Ursulinen und andere Schwesterngemeinschaften in Taize, die bei der Begleitung der Gäste helfen.

Junge Menschen beim europäischen Jugendtreffen der Gemeinschaft von Taize / © Heiner Beisert (KNA)
Junge Menschen beim europäischen Jugendtreffen der Gemeinschaft von Taize / © Heiner Beisert ( KNA )

"Manchmal kommt die Frage: 'Kann ich als Frau nicht auch Schwester von Taize werden?' - Mit dieser Frage müssen wir uns natürlich auseinandersetzen", so Frere Matthew. 

Eine Entscheidung darüber liege nicht beim Prior, sondern bei der gesamten Gemeinschaft. "Wir müssen weiter darüber sprechen und eines Tages eine Entscheidung treffen, falls jemand kommt und uns die Frage mit großem Ernst stellt."

Ein Symbol der Ökumene

Taize ist ein Symbol der ökumenischen Bewegung. Der Ort im südlichen Burgund ist Sitz einer christlichen Gemeinschaft und wurde zum Treffpunkt für Jugendliche aus aller Welt. 

Der Bruderschaft gehören rund 90 Männer aus etwa 30 Ländern an, die aus protestantischen Kirchen und der katholischen Kirche stammen. Von ihnen lebt etwa ein Viertel in kleinen Gemeinschaften in Asien, Afrika und Südamerika. 

Diese Brüder teilen ihr Leben mit Straßenkindern, Gefangenen, Sterbenden und Einsamen. Zum Ersten Advent (2./3. Dezember) findet die Stabübergabe der beiden Prioren statt.

Eine Chronologie zum Stabwechsel in Taize

Seit Jahrzehnten zieht Taize in Burgund Zehntausende junger Christen aus aller Welt an. Zum Ersten Advent (2./3. Dezember), dem Beginn des neuen Kirchenjahres, gibt der Prior der ökumenischen Gemeinschaft, Frere Alois (69), die Leitung an den Anglikaner Frere Matthew (58) ab. Zu diesem Anlass zeichnet die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) die zentralen Stationen der Entwicklung von Taize nach:

12. Mai 1915: Geburt von Roger Louis Schutz-Marsauche als neuntes Kind der Familie im Dorf Provence im Schweizer Jura.

Ortsschild der französischen Gemeinde Taizé. / © Elena Hong (DR)
Ortsschild der französischen Gemeinde Taizé. / © Elena Hong ( DR )
Quelle:
KNA