Netzgemeinde "da_zwischen" für den Smart Hero Award nominiert

Spiritualität im digitalen Raum

Die Netzgemeinde "da_zwischen" ist für den "Smart Hero Award" nominiert und tritt in der Kategorie "Soziales Handeln" an. Die christliche Community, die das Smartphone als Kirchenraum nutzt, macht Spiritualität im Alltag erfahrbar.

Digitale Medien und Kirche / © Kingfajr (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Was ist dieser Smart Hero Award genau für ein Preis?

Tobias Wiegelmann (Referent für Katechese und lebensbegleitende Pastoral und Diakon im Erzbistum Köln): Der Smart-Hero Award ist von der Stiftung "Digitale Chancen" ins Leben gerufen worden, auch Facebook steckt mit drin. Es geht um Projekte explizit aus den sozialen Medien, die für einen guten Zweck unterwegs sind, also die wirklich Social Media für gute Zwecke nutzen, Gemeinschaft gemeinnützig orientiert sind.

DOMRADIO.DE: Wie funktioniert das Ganze? Was macht Sie als Gemeinde aus? Was feiern Sie als Online-Gemeinde zusammen?

Wiegelmann: "da_zwischen" ist tatsächlich eine Online-Gemeinde. Mir ist wichtig zu betonen, wir sind schon ökumenisch ausgerichtet, haben ökumenische Partnerinnen und Partner an Bord. Wir feiern im Grunde unseren Glauben, das kann man so sagen. Das Grundkonzept ist, dass wir montags und freitags einen Impuls über die klassischen Messenger senden. Montags gibt es einen Impuls, der so ein bisschen zum Nachdenken über den Glauben anregt. Freitags sammeln wir das zusammen. Wir haben in der Coronazeit Gottesdienstformate entwickelt, das heißt, wir feiern Gottesdienste am Smartphone.

DOMRADIO.DE: Aber mit der Eucharistie ist das doch dann schwierig, oder?

Wiegelmann: Das ist richtig, aber die Eucharistie ist ja nicht die einzige Gottesdienstform. Deswegen sagen wir auch sehr bewusst, unser Gottesdienstformat heißt: wir feiern den Sonntag. Von Samstagsabend bis Sonntagabend ist der Gottesdienst online abrufbar. Das funktioniert tatsächlich sehr wortbasiert, wie es in den Messengerdiensten so möglich ist: mit Wortbild, Audioimpulsen, manchmal mit Liedern. Da regen wir die Nutzerinnen und Nutzer an, sich selber einzubringen, zu antworten. Es ist im Grunde dialogisch.

DOMRADIO.DE: Es ist also keine so eine klassische Eins-zu-eins-Übertragung eines Gottesdienstes, oder?

Wiegelmann: Wir übertragen keine Gottesdienste, die irgendwo gefeiert sind, sondern es ist im Grunde ein Dialog, der im Messenger stattfindet.

DOMRADIO.DE: Wie sieht es denn mit anderen Sakramenten aus? Kann ich auch über "da_zwischen" beichten?

Wiegelmann: Nein. Das geht natürlich nicht, denn das Beichtgeheimnis und die Beichte an sich, geht ja nicht einmal über Telefon oder über Video. Das haben wir ja alle auch wieder gelernt während Corona. Sakramente haben ja ganz gut auch etwas mit spüren zu tun. Dieses Erleben, das Spüren, ist über den Messenger noch nicht abbildbar.

DOMRADIO.DE: Das Besondere ist ja, dass es keine "One-Way"-Geschichte ist, sondern wenn zur Gemeinde gehört, kann da auch mitmachen. Was kriegen Sie an Rückmeldungen von den anderen Gemeindemitgliedern?

Wiegelmann: Tatsächlich ist es so, dass wir jede Woche wieder überrascht sind, was so zurückkommt. Ich habe ja gesagt, der Montagsimpuls ist immer so eine Frage, eine Anregung. Es ist ein bisschen auch so eine Blindbox. Wir wissen noch gar nicht so sehr, was freitags dabei rauskommt, wenn wir montags unsere Impulse starten. Ich spreche mal für mich, aber ich glaube, die Kolleginnen und Kollegen würden das ähnlich formulieren, wir sind selber immer wieder berührt von dem, was zurückkommt, von den Nutzerinnen und Nutzern. Die gestalten wirklich mit.

DOMRADIO.DE: Wer macht dann mit? Ist es jetzt klassischerweise, wie man sich das vorstellen würde, die ganz, ganz junge Generation oder geht das quer durch alle Generationen?

Wiegelmann: Es geht quer durch alle Generationen, über Konfessionen hinweg. Wir haben Nutzerinnen und Nutzer, die sagen tatsächlich, ich bin aus der Kirche ausgetreten, aber das hier ist ein Ort, wo ich noch was für meinen Glauben hole, hier mache ich mit. Das spricht mich an. Das ist wirklich ein ganz, ganz buntes Publikum.

DOMRADIO.DE: Wie kann man denn mitmachen? Kann man da jederzeit dazukommen?

Wiegelmann: Selbstverständlich. Auf der Homepage gibt es eine Checkbox, da kann man sich registrieren für einen Messenger seiner Wahl oder ihrer Wahl und kann sich anmelden. Wenn man schon mal da ist, kann man auch direkt mit abstimmen für den Smart Hero Award.

DOMRADIO.DE: Das ist also ein Publikumspreis?

Wiegelmann: Es gibt zwei. Es gibt eine Jury und es gibt den Publikumspreis, der kann über das Internet gewählt werden. Wir freuen uns natürlich, wenn wir bei beiden Preisen irgendwie nach vorne mitkommen.

DOMRADIO.DE: Zumal die Dotierung nicht so schlecht ist.

Wiegelmann: Genau. Es gibt ein bisschen Geld dafür und das ist tatsächlich auch so ausgelegt, dass es gemeinnützig verwendet werden kann. Aber das ist eigentlich nicht das Ziel. Für uns war jetzt nochmal schön zu sehen, dass wir aus über 300 Teilnehmenden als kirchliches Projekt ausgewählt wurden. Wenn Kirche sich irgendwie in Social Media zeigen kann, dann ist das ja auch immer eine gute Sache an sich, unabhängig vom Geld.

DOMRADIO.DE: Dann wünsche ich Ihnen, dass Sie diesen Award holen. Sie müssen sich ihn dann allerdings mit anderen Bistümern teilen, oder?

Wiegelmann: Genau, wir sind die Diözesen Speyer, Freiburg, Köln und Würzburg. Wir teilen den insofern, als dass wir es in die Netzgemeinde und in unsere Nutzerinnen und Nutzer investieren.

Das Interview führte Martin Mölder.

Diakon Tobias Wiegelmann / © Julia Rosner (Kirchenzeitung Koeln)
Frau mit einem Smartphone / © Maria Savenko (shutterstock)
Frau mit einem Smartphone / © Maria Savenko ( shutterstock )
Quelle:
DR