Spaniens Kirche besorgt über Forderung nach "Recht auf Abtreibung"

"Ausdruck der Schwächung der Demokratie"

Die sozialistische Regierung Spaniens ringt um Reformen der Abtreibungsgesetzgebung. Diese soll liberaler werden. Die katholischen Bischöfe sind besorgt. Es dürfe kein Recht auf die Beendigung eines Menschenlebens geben.

Symbolbild Frau mit einem Schwangerschaftstest / © Dean Drobot (shutterstock)
Symbolbild Frau mit einem Schwangerschaftstest / © Dean Drobot ( shutterstock )

Die katholische spanische Bischofskonferenz zeigt sich besorgt über die von der sozialistischen Regierung geplante Abtreibungsreform. Es gebe den Trend, Abtreibung zu einem Recht zu erheben, sogar mit Verfassungsrang oder in Grundrechte-Charten, erklärten die Bischöfe am Montag zum "Tag des Lebens" am 25. März.

Der spanische Ministerpräsident, Pedro Sanchez, spricht im Abgeordnetenhaus. Im Mittelpunkt der Sitzung standen die Korruptionsvorwürfe gegen die Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE) des Regierungschefs. / © Jesús Hellín (dpa)
Der spanische Ministerpräsident, Pedro Sanchez, spricht im Abgeordnetenhaus. Im Mittelpunkt der Sitzung standen die Korruptionsvorwürfe gegen die Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE) des Regierungschefs. / © Jesús Hellín ( dpa )
Der spanische Ministerpräsident, Pedro Sánchez, spricht im Abgeordnetenhaus (Archivbild)

Spaniens sozialistischer Regierungschef Pedro Sánchez hatte vor einigen Monaten im Ministerrat eine Reform des Artikels 43 verabschiedet, die einen Anspruch auf Abtreibung als "Recht auf Gesundheitsschutz" anerkennt. Über den Gesetzentwurf wird derzeit im Parlament beraten.

Abtreibung als Grundrecht?

Zunächst wollte Sánchez Abtreibung als ein Grundrecht in der spanischen Verfassung verankern. Das hätte jedoch eine Mehrheit in beiden Kammern erfordert; im Senat hat aber die konservative Volkspartei, die diese Reform strikt ablehnt, eine absolute Mehrheit.

Auch die nun angestrebte vereinfachte Reform des Artikels 43 wird nicht leicht im Parlament durchzusetzen sein, da die Sozialisten nur einer Minderheitsregierung vorstehen.

Nach Auffassung der spanischen Bischofskonferenz kann Abtreibung "niemals ein Recht darstellen, da es kein Recht gibt, ein menschliches Leben zu beenden". In ihrer Botschaft betonen sie, dass der Schutz des Lebens nicht nur eine Glaubensfrage, sondern auch eine Frage der Vernunft und Wissenschaft sei. Weiter heißt es: "Die Biologie bestätigt einhellig, dass vom Moment der Befruchtung an ein lebender und eigenständiger menschlicher Organismus existiert."

Erklärung der spanischen Bischofskonferenz

"Diese moralische Widersprüchlichkeit ist ein Symptom für die Schwächung unserer Demokratie, die offenbar nicht in der Lage ist, die Schwächsten aller Lebewesen zu schützen: das ungeborene Leben."

Bereits in seiner Eröffnungsansprache bei der jüngsten Vollversammlung kritisierte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Luis Argüello, es könne im selben Krankenhaus vorkommen, dass eine Gruppe von Ärzten entschlossen sei, einen fünfeinhalb Monate alten Fötus zu retten, während eine andere Gruppe von Ärzten im Nebenzimmer einen gleichaltrigen Fötus absichtlich töte. Und wörtlich: "Wir leben in einer Gesellschaft, die unter einem schwerwiegenden biopolitischen Paradoxon leidet."

In der Erklärung der Bischöfe heißt es: "Diese moralische Widersprüchlichkeit ist ein Symptom für die Schwächung unserer Demokratie, die offenbar nicht in der Lage ist, die Schwächsten aller Lebewesen zu schützen: das ungeborene Leben."

Aktuell ist in Spanien Abtreibung bis zur 14. Woche ohne Angabe von Gründen möglich. Es gibt zudem Ausnahmen bis zur 22. Woche, wenn die Gesundheit der Frau gefährdet ist oder der Fötus schwere Fehlbildungen aufweist. Eine jüngste Reform senkte das Mindestalter für eine Abtreibung ohne elterliche Zustimmung auf 16 Jahre und schaffte die vorgeschriebene Bedenkzeit ab.

Kirche in Spanien

Kirche in Spanien hat zwei Gesichter: Zum einen ist Spanien ein traditionell katholisches Königreich - etwa ab 380 war das Christentum im Römischen Reich endgültig Staatsreligion, also auch in der Provinz Hispanien - in dem die Osterprozessionen jedes Jahr tagelang inbrünstig und mit eindrucksvollen Kutten zelebriert werden; wo jede Stadt und Gemeinde einen eigenen Feiertag hat, der dem Stadtheiligen gewidmet ist und imposante Kathedralen zum Weltkulturerbe zählen; ein Land, in dem die katholische Vereinigung Opus Dei gegründet wurde und mit eigenen Universitäten und mächtigen Mitgliedern i

Eine spanische Flagge hängt an einer alten Kirche in Cáceres (shutterstock)
Eine spanische Flagge hängt an einer alten Kirche in Cáceres / ( shutterstock )
Quelle:
KNA