Sozialethiker fordert zeitige Regelung zur Suizidbeihilfe

Angst vor Desensibilisierung

Die Suizidbeihilfe sollte nach Worten des Berliner Sozialethikers Andreas Lob-Hüdepohl zeitig vom Gesetzgeber geregelt werden. Die aktuelle Situation könnte sonst zu einer Normalisierung geschäftsmäßiger Suizidangebote führen.

Tabletten auf einem Tisch / © Dimitriy_Kul (shutterstock)
Tabletten auf einem Tisch / © Dimitriy_Kul ( shutterstock )

Seine große Befürchtung sei, dass es unter Umständen nicht zu einer neuen gesetzlichen Regelung kommen könnte und die aktuelle Situation bestehen bleibe, sagte der Theologe am Montag - online zugeschaltet - bei einer Veranstaltung des Caritasverbandes im Bistum Trier. Lob-Hüdepohl warnte vor einer Normalisierung geschäftsmäßiger Suizidangebote. Es bestehe die Gefahr, dass man sich als Gesellschaft daran gewöhne, dass Menschen Suizidangebote in Anspruch nähmen. Das könne zu Gleichgültigkeit und zu einer Desensibilisierung gegenüber Suizidwilligen führen. Auch könne in der Folge die Bereitschaft abnehmen, Angebote und Strukturen zur Suizid-Prävention zu schaffen.

Andreas Lob-Hüdepohl, Professor für Theologische Ethik / © Julia Steinbrecht (KNA)
Andreas Lob-Hüdepohl, Professor für Theologische Ethik / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Eine weitere Gefahr sieht der Theologe in einer möglichen "Heroisierung des freiverantwortlichen Suizids". Außerdem mahnte der Sozialethiker, die Selbstbestimmung aller faktisch Betroffenen in den Blick zu nehmen. Betroffen seien nicht nur die sterbewillige Person, sondern unter anderem auch Einrichtungen, weitere Bewohner und Mitarbeitende. Ein Suizidangebot in einer Einrichtung dürfe sich nicht verselbstständigen und dazu führen, dass Menschen sich gedrängt fühlten, sich aus dem Leben zu befördern, so Lob-Hüdepohl.

Kultur der Achtsamkeit für Sterbende

Er sprach bei einer Veranstaltung des Diözesancaritasverbands zur Hospiz- und Palliativkultur in katholischen Einrichtungen und Diensten des Gesundheits- und Sozialwesens im Bistum Trier. Die Einrichtungen wollen eine Kultur der Achtsamkeit für Sterbende und ihre Angehörigen etablieren und haben dazu am Montag eine Broschüre mit Leitlinien und Empfehlungen vorgestellt. Darin heißt es, dass jeder als Experte für das eigene Leben ernst genommen werden solle.

Einige Einrichtungen setzten die Empfehlungen bereits um. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann sagte, die Kirche sei nicht nur gefordert, mahnend in Politik und Gesellschaft den Zeigefinger zu heben und sich gegen Sterbehilfe auszusprechen. Es gelte auch, niemanden allein zu lassen und deutlich zu machen, was "jemand, der zu uns kommt, an positiver Lebenshilfe erwarten kann".

Hilfe bei Suizidgedanken

Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie – auch anonym – mit anderen Menschen über Ihre Gedanken sprechen können.

Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Symbolbild Telefonseelsorge / © Gajus (shutterstock)
Quelle:
KNA