Kirche mahnt zu mehr Elan beim Klimaschutz

Sorge um das "gemeinsame Haus"

Nach Glasgow ist vor Sharm El-Sheikh: Ende 2022 trifft sich die Staatengemeinschaft zur Weltklimakonferenz in Ägypten. Die Ergebnisse des soeben beendeten Treffens in Schottland sorgen bei vielen eher für Ernüchterung.

Symbolbild Klimawandel / © palidachan (shutterstock)

1,5 Grad - diese Zahl schwebt über allen Verhandlungen zum Klimaschutz. Vor sechs Jahren beschloss die Staatengemeinschaft in Paris, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf 2, möglichst aber 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Seither ringen die Verantwortlichen darum, wie sich dieses Ziel in Verbindung mit einer deutlichen Reduktion beim Ausstoß von Treibhausgasen erreichen lässt.

Unterdessen verdichten sich die Anzeichen, dass der Klimawandel längst eingesetzt hat. Entsprechend häufen sich die Stimmen, die auf mehr Tempo beim Klimaschutz drängen. Dazu zählen auch Vertreter der Kirchen. Zusammen mit anderen Religionsführern hatte Papst Franziskus im Vorfeld der Weltklimakonferenz in Glasgow auf rasche Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel gedrängt. Am Sonntag, einen Tag nach dem Ende des Treffens, erneuerte der Papst beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz diese Forderung. Er fügte hinzu, jeder Einzelne sei dazu aufgefordert, sich um den Klimaschutz und das "gemeinsame Haus" zu kümmern - insbesondere mit Blick auf die Armen und Bedürftigsten.

Ergebnisse von Glasgow wenig greifbar

Die Ergebnisse von Glasgow bleiben unterdessen nach der Ansicht vieler Beobachter wenig greifbar. Zwar bekennt sich der Abschluss-Text ausdrücklich zum 1,5-Grad-Ziel. Zudem werden die Staaten aufgefordert, den Ausstieg aus der besonders klimaschädlichen Kohlenutzung einzuleiten. Aber die bislang vorliegenden nationalen Selbstverpflichtungen begrenzen den Anstieg der Durchschnittstemperatur lediglich auf um die 2 Grad, wie Klimaexperte Johannes Cullmann der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte.

Der 1,5 Grad-Slogan sei politisch motiviert und "eigentlich Augenwischerei", so der Direktor für wasserbezogene Klimafragen bei der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf diesen Wert lasse sich nicht mehr einhalten, "wir sind schon viel zu weit gegangen". Auch das Hilfswerk Misereor zeigte sich in einer ersten Bilanz ernüchtert. "Es gab politische Durchbrüche, die jedoch für die von der Klimakrise am meisten betroffenen Menschen im globalen Süden nicht ausreichend sind, um Zukunftsperspektiven zu erhalten", meinte Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel.

Was auf dem Spiel steht, veranschaulichte Kardinal Soane Patita Paini Mafi aus Tonga. "Ich spreche aus dem Herzen Ozeaniens, aus einem Land, das bereits von Dürren, dem Anstieg des Meeresspiegels und dem Versiegen des Wassers betroffen ist", erklärte Mafi. Vor allem die reichsten, mächtigsten und umweltschädlichsten Länder trügen dafür eine besondere Verantwortung und müssten sich rasch auf Gegenmaßnahmen verständigen. Konkret nannte Mafi die Notwendigkeit zur Bereitstellung neuer Mittel für die Klimafinanzierung und die Erfüllung früherer Zusagen. Dabei geht es beispielsweise um Projekte, die Entwicklungsländern bei der Anpassung und Eindämmung des Klimawandels helfen.

Vatikan mit eigener Delegation vertreten

Der Vatikan war mit einer eigenen Delegation in Glasgow zugegen - trotzdem hätte die Kirche mehr Präsenz zeigen können, fand Sophie Utner von der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) Deutschland. Mit seiner 2015 erschienen Umweltenzyklika "Laudato si" habe der Papst zweifellos punkten können. Allerdings werde die Kirche aus Sicht der KLJB ihrer Schöpfungsbewahrung nicht gerecht: "Da muss noch viel mehr passieren", so Utner.

Auf ein ganz anderes Manko machte Misereor-Klimaexpertin Anika Schroeder aufmerksam. "Insgesamt kann man sagen, dass es extrem chaotisch und undurchsichtig war und die Zugänge für die Zivilgesellschaft sehr schwierig waren", kritisierte sie die Veranstaltungsregie in Glasgow gegenüber DOMRADIO.DE.

Bis zur nächsten Weltklimakonferenz in einem Jahr in Sharm El-Sheikh müssen die Länder eine Menge an Hausaufgaben erledigen. Zusammen mit zwölf anderen Nichtregierungsorganisationen - darunter Brot für die Welt, Greenpeace und KLJB - nahm Misereor die künftige Bundesregierung in die Pflicht. SPD, FDP und Grüne hätten "den klaren Auftrag, im neuen Koalitionsvertrag unter anderem bessere nationale Klimaziele, einen Kohleausstieg bis 2030, einen Ausstieg aus klimaschädlichen Subventionen, einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien, eine Verdopplung der Klimafinanzierung und den Ausbau internationaler Klimapartnerschaften zu verankern".

Autor/in:
Joachim Heinz
Quelle:
KNA