UN beschließen Weltklimakonferenz

Enttäuschung für Entwicklungsländer 

Der UN-Klimagipfel COP26 ist nach zwei Wochen im schottischen Glasgow am Samstagabend zuende gegangen. Umweltschützer und Hilfsorganisationen üben teils scharfe Kritik am neu verabschiedeten Glasgower Klimapakt.

Symboldbild Klimawandel Klimakrise Klimaschutz Umweltschutz Erde Uhr 5 vor 12 / © Proxima Studio / xtock (shutterstock)
Symboldbild Klimawandel Klimakrise Klimaschutz Umweltschutz Erde Uhr 5 vor 12 / © Proxima Studio / xtock ( shutterstock )

Der beendete UN-Klimagipfel COP26 im schottischen Glasgow hat zu teils scharfer Kritik von Zivilorganisationen geführt. Ihnen gehen die im Abschlussdokument aufgeführten Maßnahmen nicht weit genug. Auch die Politik sieht Probleme, vereinzelt aber auch Fortschritte. Papst Franziskus rief alle politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen dazu auf, mutig die Beschlüsse umzusetzen. Zugleich forderte er jeden Einzelnen auf, sich um den Klimaschutz und das "gemeinsame Haus" zu kümmern.

Für Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) war Glasgow nach eigenen Angaben "ein letztes Aufbäumen der alten, fossilen Energiewelt". Auch sie habe sich "klarere Aussagen zum Kohleausstieg gewünscht", sehe aber auch, dass etwa Indien mit seinen Versprechen bereits "über eine Schwelle gegangen ist, die dieses Land noch nie zuvor überschritten hat". Schulze erklärte: "Das politische Signal des Gipfels bleibt, dass der weltweite Kohleausstieg eingeleitet und unumkehrbar ist."

Entwicklungsminister: Ergebnisse "absolut unzureichend"

Hingegen bezeichnete Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) die Ergebnisse des Gipfels als "absolut unzureichend". "Wir brauchen mehr Tempo. Viele Entwicklungsländer haben keine Zeit mehr zu verlieren", sagte Müller den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Glasgow habe zwar einige Initiativen eingeleitet, zum Schutz ärmerer Länder vor den Klimafolgen jedoch keine befriedigende Antwort gegeben.

Die internationale Klimafinanzierung aus versprochenen Mitteln der Industrieländer von 100 Milliarden US-Dollar werde erst 2023 erreicht. Das sei zu langsam und zu wenig, kritisierte der Minister. "Die Entwicklungsländer brauchen Verlässlichkeit, um die Folgen des Klimawandels bewältigen zu können und erwarten eine Unterstützung in Billionenhöhe." Die Vertragspartner in Glasgow hatten sich aber lediglich auf eine Verdopplung der jährlichen Finanzhilfen von 20 auf rund 40 Milliarden US-Dollar bis 2025 geeinigt.

Diese Finanzierungszusagen blieben weit hinter dem Bedarf für die Bewältigung der Krise zurück, mahnte der Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Christian Reuter. Die humanitäre Hilfe könne mit der Zunahme klimabedingter Ereignisse nicht Schritt halten. "Wir müssen dafür sorgen, dass lokale Strukturen und Akteure angesichts steigender Risiken gestärkt werden. Dafür müssen mehr Ressourcen bereitgestellt werden."

Misereor-Geschäftsführer: Vereinbarungen genügen nicht

Der Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor, Pirmin Spiegel, erklärte, die Vereinbarungen genügten nicht, um das Ziel zur Begrenzung der Erderhitzung auf 1,5 Grad Celsius noch einzuhalten. Zudem gebe es keine Aussicht auf ausreichende Unterstützung bei der Bewältigung der Folgen für ärmere Länder. Spiegel appellierte an die kommende Bundesregierung, "einen fairen Beitrag" zur Einhaltung der Temperaturgrenze zu leisten.

Ähnlich äußerten sich auch die Hilfswerke Brot für die Welt und World Vision. Für die Länder des Südens ende die Konferenz "mit einer herben Enttäuschung", erklärte die Referentin für internationale Klimapolitik bei Brot für die Welt, Annika Rach. Deutschland habe etwa wichtige Soforthilfezahlungen für arme Länder blockiert anstatt sich solidarisch zu zeigen. World Vision fordert einen eigenständigen Finanzierungstopf, der je nach Not und Bedarf aufgefüllt werde.

COP26-Präsident: ein "zerbrechlicher Sieg"

Der Klimagipfel hatte am 31. Oktober begonnen und endete am Samstagabend mit der Verabschiedung des Glasgower Klimapaktes, der erstmals ein Ende aller fossilen Brennstoffe in Aussicht stellt. So sollen alle Staaten die Nutzung von Kohle zumindest reduzieren sowie überflüssige Subventionen für fossile Brennstoffe wie Kohle, Gas und Öl abgebaut werden. Es sei ein "zerbrechlicher Sieg", sagte auch COP26-Präsident Alok Sharma. Der Erfolg werde nicht daran gemessen, ob alle 200 Staaten das Abschlussdokument unterschrieben hätten, sondern ob sie die "Verpflichtungen erfüllen und liefern".

Entwicklungsminister Gerd Müller / © Wolfgang Kumm (dpa)
Entwicklungsminister Gerd Müller / © Wolfgang Kumm ( dpa )
Pirmin Spiegel / © Julia Steinbrecht (KNA)
Pirmin Spiegel / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Papst Franziskus / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )
Autor/in:
Johannes Senk
Quelle:
KNA