Kein Lebenszeichen von verschleppten Bischöfen in Syrien

Sorge nimmt zu

Die Gesellschaft für bedrohte Völker erinnert an die Entführung von zwei Bischöfen vor acht Jahren in Nordsyrien. Nach so langer Zeit ohne Lebenszeichen schwinde die Hoffnung, erklärte Nahost-Experte Kamal Sido an diesem Montag.

Blick von der maronitischen Kathedrale von Aleppo in Syrien / © Jean-Matthieu Gautier (KNA)
Blick von der maronitischen Kathedrale von Aleppo in Syrien / © Jean-Matthieu Gautier ( KNA )

Doch am Donnerstag, dem Jahrestag der Entführung, "werden die Kirchenglocken in Aleppo läuten und an den Erzbischof der syrisch-orthodoxen Kirche, Mor Gregorius Yohanna Ibrahim, sowie den Erzbischof der griechisch-orthodoxen Kirche, Boulos Yazigi, erinnern".

Von Unbekannten entführt

Die beiden Geistlichen waren am 22. April 2013 auf der Fahrt von der syrisch-türkischen Grenze in Richtung Aleppo von Unbekannten entführt worden. Beide Bischöfe hatten ihren Sitz in Aleppo und setzten sich in Syrien für Dialog und Frieden zwischen den Religionsgemeinschaften ein. 2014 waren sie auf Vorschlag der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) mit dem Weimarer Menschenrechtspreis ausgezeichnet worden.

Dass alle Bemühungen, mehr über den Verbleib der beiden zu erfahren, bis heute vergebens waren, sei für "viele Angehörige der christlichen, aber auch anderer religiöser Minderheiten eine äußerst bedrohliche Warnung", so Sido weiter: "Inzwischen sind die meisten geflüchtet, so dass es in vielen Teilen Syriens keine religiöse Vielfalt mehr gibt."

Die jüdische Minderheit sei bereits in den 1950er Jahren geflohen, und der "aggressive Islamismus in den von der Türkei besetzten Gebieten vertreibt heute Christen, Yeziden, Drusen, Ismailiten und andere religiöse Minderheiten". Dort werde die Demografie gewaltsam verändert, denn alle Nicht-Muslime und viele Kurden müssten vor schweren Menschenrechtsverletzungen fliehen. In den Häusern Vertriebener würden meist Familien radikaler Islamisten untergebracht, so die GfbV weiter.

Christliche Bevölkerung rückläufig

Das Assad-Regime behellige die altansässigen christlichen Gemeinschaften nach wie vor nicht. Doch gegenüber neuen Kirchen, insbesondere evangelikalen Gemeinden, herrsche Misstrauen, sagte Sido. Der sunnitisch-arabischen Bevölkerung seien Menschen suspekt, die vom Islam zum Christentum konvertieren.

Um 1900 seien noch gut 25 Prozent der Menschen im heutigen Syrien Christen gewesen. Heute liege ihr Anteil bei etwa 3 Prozent. Allein seit 2011 sei die christliche Bevölkerung von 1,4 Millionen Angehörigen auf geschätzte 500.000 bis 700.000 zurückgegangen. In Syrien leben heute insgesamt etwa 19 Millionen Menschen.

Quelle:
KNA
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