In der Slowakei ist eine politische Debatte über Inhalt und Rolle des Konkordats mit dem Heiligen Stuhl entbrannt. Zentrale Akteure bezogen zum 25. Jahrestag des Staat-Kirche-Abkommens Stellung; die Slowakische Bischofskonferenz antwortete auf fundamentale Kritik der Oppositionspartei Progressive Slowakei (PS).
Die Bischofskonferenz erklärte, das Konkordat als völkerrechtliches Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Slowakei schaffe keine Privilegien, sondern "einen rechtlichen Rahmen und klare Regeln für die Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche". Der Vertrag ermögliche der Kirche, "frei ihre Mission im Dienst des Gemeinwohls, nicht nur für die Gläubigen, sondern für alle Bürger" zu erfüllen, etwa in den Bereichen Bildung, soziale Solidarität und Gesundheit. Zugleich unterstrichen die Bischöfe, dass ein demokratischer Staat die spirituelle und religiöse Dimension des gesellschaftlichen Lebens berücksichtigen solle.
"Neutralität des Staates gefährdet"
Die Bischöfe reagierten damit auf Kritik der oppositionellen PS. Die Partei hält das Konkordat für überholt, da es nur einer Religionsgemeinschaft, nämlich der katholischen Kirche, Vorteile verschaffe und die Neutralität des Staates gefährde. "Ein internationales Abkommen mit einer einzelnen Kirche entspricht nicht den Prinzipien eines säkularen und demokratischen Staates", erklärte die PS und forderte eine Diskussion über die Rechtfertigung des Konkordats.
Die Christdemokraten der KDH wiesen die PS-Forderungen entschieden zurück. Nach Ansicht der mit elf Parlamentssitzen vertretenen Kleinpartei dient das Konkordat allen christlichen Kirchen und anerkannten Religionsgemeinschaften. Der KDH-Vorsitzende Milan Majersky betonte, Verträge dieser Art sicherten allen registrierten Kirchen gleichwertige Rechte zu und begründeten keine privilegierte Stellung einzelner Religionsgemeinschaften. Seine Partei werde nicht mit politischen Kräften zusammenarbeiten, die das Konkordat in Frage stellen, so Majersky.
Katholische Hochburg in Mittel-Osteuropa
Die Slowakei zählt zu den katholischen Hochburgen in Mittel-Osteuropa. Von den knapp 5,5 Millionen Einwohnern sind rund drei Viertel katholisch getauft. Mit dem lateinischen und dem byzantinischen Ritus ist die katholische Kirche im Land in zwei Riten präsent. 69 Prozent der Slowaken bekennen sich zur katholischen, 4 Prozent zur mit Rom verbundenen griechisch-katholischen Kirche. Rund 15 Prozent der Slowaken gehören protestantischen Kirchen an, darunter viele Angehörige der ungarischsprachigen Minderheit.
In kommunistischer Zeit war die Unterdrückung der Kirche in der Tschechoslowakei besonders brutal und effizient. Zahlreiche Bischöfe, Priester und Ordensleute wurden inhaftiert und gefoltert. Nach der Wende und der friedlichen Teilung der Tschechoslowakei 1993 hat sich die katholische Kirche in der Slowakei gesellschaftlich zunächst deutlich erholt, steht aber unter starkem Modernisierungsdruck.
Zwischen der Slowakei und dem Heiligen Stuhl bestehen seit 2001 völkerrechtliche Verträge über die Mitwirkung der Kirche in der Gesellschaft, auch in der Militärseelsorge. Die Kirche betreibt rund 150 Schulen, darunter zwei Hochschulen.