Simrock-Nachlass mit Objekt eines Kölner Dom-Förderers bei Auktion

Boisserée-Schreibtisch zu verkaufen

Diese Möbel atmen Geschichte. Der Nachlass von Klaus Simrock wird in einer Auktion verkauft. Im Museum konnte die Sammlung nicht bleiben. Unter den Objekten findet sich auch der Schreibtisch eines bekannten Förderers des Kölner Doms.

Autor/in:
Anita Hirschbeck
Symbolbild Auktion / © Andrey_Popov (shutterstock)

Angenehm schlicht sieht er aus, der Schreibtisch des bekannten Kölner-Dom-Förderers Sulpiz Boisserée. 1,60 Meter breit, Nussbaum furniert, sieben Schubfächer, gerade Linien, kein Tam-Tam. 

Hier schrieb der Kölner Intellektuelle im 19. Jahrhundert seine berühmten Briefe an Johann Wolfgang von Goethe. Hier studierte er vielleicht sogar die mittelalterlichen Baupläne zur Vollendung des Kölner Doms. Nun kommt das Möbel unter den Hammer. Am 7. Februar versteigert das Bonner Auktionshaus Plückbaum zwölf Objekte aus dem Nachlass des Dichters Karl Simrock, dessen Erben Eigentümer des Schreibtischs sind.

Der Auktionskatalog zur Sammlung liest sich wie das Who-is-Who der Rheinromantik. Angefangen mit Karl Simrock (1802-1876), der das Nibelungenlied aus dem Mittelhochdeutschen übersetzte. Dies tat er vermutlich an einem Sekretär, der ebenfalls Teil der Versteigerung ist. Sein Vater Nikolaus - Hofmusiker, Verleger und Mitglied des Illuminatenordens - ist auf einem Ölgemälde in der Sammlung dargestellt. Bekannt war die Familie mit dem Komponisten und Beethoven-Schüler Ferdinand Ries (1784-1838), der den Simrocks ein Hammerklavier vermachte, das nun unter den Hammer kommt.

Laura Weber und Anna Katharina Kreyenborg vor Simrock-Gemälde / © Anita Hirschbeck (KNA)
Laura Weber und Anna Katharina Kreyenborg vor Simrock-Gemälde / © Anita Hirschbeck ( KNA )

Und schließlich Sulpiz Boisserée (1783-1854). Ohne den umtriebigen Kunstsammler wäre der Kölner Dom wohl nie vollendet worden. Er fand einen Teil des mittelalterlichen Fassadenplans in Paris und mobilisierte erfolgreich die nötigen Unterstützer für das Riesenvorhaben. Am Ende seines Lebens wohnte er in Bonn und freundete sich mit Karl Simrock an. Boisserées Witwe vermachte diesem den Schreibtisch ihres Mannes.

Objekte mussten raus aus dem Museum

So viel Geschichte gehört eigentlich ins Museum - und da waren die Objekte auch. Doch dann verlor das Bonner Stadtmuseum sein Zuhause, weil das Gebäude abgerissen wird. Die Leihgaben gingen zurück an die Simrock-Erben. Die entschieden sich, die Sammlung versteigern zu lassen.

"Das hier ist schon etwas ganz Außergewöhnliches", sagt Plückbaum-Geschäftsführerin Anna Katharina Kreyenborg. Sie steht zwischen Ölgemälde und Schreibtisch im Eingangsbereich des traditionsreichen Auktionshauses. Bis 5. Februar können Interessierte die Objekte besichtigen. Am Auktionstag selbst wird die Sammlung zunächst als Ganzes zu einem Mindestpreis von 13.560 Euro aufgerufen. Sollte es keine Gebote geben, werden die Objekte einzeln versteigert. Der Boisserée-Schreibtisch startet bei 2.400 Euro.

"Eine Art Kulturerbe"

"Es ist uns ein großes Anliegen, dass dieser Nachlass zusammenbleibt", sagt Kreyenborg. "Das ist eine Art Kulturerbe, das wir hier versteigern dürfen." Zum Kundenkreis des Auktionshauses gehören auch ausländische Bieter, wie die Geschäftsführerin erzählt. Aber: "Die Sammlung wäre im Ausland nicht so interessant wie für die Region." Daher tippt sie auf einen Käufer oder eine Käuferin aus der Gegend.

Schreibtisch des Kölner-Dom-Förderers Sulpiz Boisserée / © Anita Hirschbeck (KNA)
Schreibtisch des Kölner-Dom-Förderers Sulpiz Boisserée / © Anita Hirschbeck ( KNA )

Es gebe auch schon Interessenten. "Bei diesen Stücken ist gerade die Provenienz spannend", sagt die Auktionatorin. Generell erziele der Möbelmarkt derzeit keine guten Ergebnisse. Oder anders gesagt: "Es ist eine optimale Zeit, sich schöne, alte Möbel anzuschaffen. Die Preise sind sehr attraktiv." Vor allem jüngere Käuferinnen und Käufer fehlten. Die hätten oft weniger Kenntnisse und Interesse an alten Möbeln.

Junge Kunden scheuen Auktionshäuser

"Und dann ist da eine ganz große Scheu, in ein Auktionshaus zu gehen", ergänzt Plückbaum-Gemälde-Expertin Laura Weber. "Gerade junge Käufer denken, sie brauchen viel Geld oder sie werden kritisch angeschaut." Dabei starteten die Versteigerungen teils bei 200 Euro und das Haus biete auch zeitgenössische Kunst und Möbel an. Bei den Vorbesichtigungen erhielten Interessierte zudem eine Beratung von Fachleuten - "wie in einem gut funktionierenden Geschäft".

Eine Tasche voll Bargeld ist auch nicht nötig. Das Auktionshaus akzeptiert Kartenzahlung, schon allein wegen des Geldwäschegesetzes. Oder man bietet online und zahlt dann per Rechnung - für ein Stück Rheinromantik im eigenen Zuhause.

Quelle:
KNA