Beethovens Sinfonie Nummer 6 "Pastorale"

Sie macht den Komponisten zum Botschafter für den Klimaschutz

Beethovens "Pastorale" widerspricht dem Bild des ewig grantelnden einsamen Genies. Heute wird der Komponist wegen seiner Sinfonie Nummer 6 sogar als Botschafter für den Klimaschutz verehrt.

Büste aus Bronze von Ludwig van Beethoven im Garten in Beethovens Geburtshaus / © Jörg Loeffke (KNA)
Büste aus Bronze von Ludwig van Beethoven im Garten in Beethovens Geburtshaus / © Jörg Loeffke ( KNA )

Die Sinfonie Nummer 6 in F-Dur opus 68 "Pastorale" ist Ludwig van Beethovens einzige Sinfonie mit fünf Sätzen. Zudem hat der Komponist jedem Satz eine programmatische Überschrift vorangestellt: "Erwachen heiterer Empfindungen bey der Ankunft auf dem Lande", "Szene am Bach", "Lustiges Zusammensein der Landleute", "Gewitter, Sturm", "Hirtengesang. Frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm". Frühe Skizzen zu seiner F-Dur-Sinfonie sind für Sommer 1807 belegt, die Hauptarbeitsphase erfolgte im März 1808. Das Besondere: Parallel arbeitete Beethoven an der Fünften, der sehr unheiteren "Schicksalssinfonie", die im Frühjahr 1808 als opus 67 fertiggestellt wurde. Im August folgte die "Pastorale" als opus 68.

Die Uraufführung am 22. Dezember 1808 im Theater an der Wien geriet allerdings eher zu einem Misserfolg. Bei dem Konzert übernahm Beethoven selbst das Dirigat und den Klavierpart. Doch das Programm war unter anderen mit den Sinfonien Nummer 5 und 6, dem Klavierkonzert Nummer 4, Teilen der Messe opus 86 sowie der Chorfantasie opus 80 - der "kleinen Schwester der Neunten" - übervoll. Rund vier Stunden lang harrte das überforderte Publikum im kalten Theater. Zudem berichteten Zeitzeugen von deutlichen Schnitzern, die möglicherweise auf das angespannte Verhältnis zwischen Orchester und Dirigent zurückzuführen waren.

Unbekannte Seite Beethovens

Im Mai 1809 erschien die Originalausgabe der "Pastorale" bei Breitkopf und Härtel in Leipzig. Die Aufführungsdauer beträgt etwa 43 Minuten. Die Handschrift wird im Beethoven-Haus in Bonn aufbewahrt. Laut dem Musikwissenschaftler Walter Riezler sind die Fünfte und die Sechste von "größter Gegensätzlichkeit": Wie Beethoven niemals eine konzentriertere, "geballtere" Musik geschrieben habe als die Fünfte, gebe es von ihm keine gelöstere, von Spannungen und Ballungen freiere als die sechste Sinfonie. Der musikalischen "Romantik" - vor allem Franz Schuberts - sei der Meister nie mehr so nahe gekommen wie in der "Pastorale". Doch in der Klarheit und sinfonischen Abgerundetheit der Form gehöre das Werk eben doch in die Welt der Klassik.

Dennoch zeigt ihn die Sechste von einer unbekannten Seite. Schon mit ihren Satz-Überschriften kommt sie als für die Zeit untypische "Programmsinfonie" daher. Wobei die Musik Empfindungen ausdrückt, die sich auch ohne Kenntnis der Motti einstellen würden. "Sie ist von einer wahrhaft übermenschlichen Erfülltheit und Harmonie, von einer konfliktlosen, in sich ruhenden Glückseligkeit, die nur der 'Natur' draußen eigen ist", so Riezler.

Natur als Quelle der Inspiration

Wer diese Musik hört, sieht förmlich die Hirten, die eine freundliche Weise auf ihren Flöten spielen. Man hört Nachtigall, Kuckuck und Wachtel am Ende des zweiten Satzes gemeinsam singen. Am Schluss des Gewitters enden Regen, Blitz und Donner. Die Wolken verziehen sich, so dass man "die gute Luft riecht", wie der Komponist Hans Pfitzner (1869-1949) bei seiner Interpretation der Überschriften festhielt.

Beethoven, der zwischen Rhein und Siebengebirge aufgewachsen ist, suchte auch in seiner Wiener Zeit ab 1792 die Nähe zur Natur. Seine täglichen Spaziergänge waren ihm Mußezeit und Quelle der Inspiration. Viele Gemälde zeigen ihn in der Natur, allen voran Joseph Stielers berühmtes Porträt, das Beethoven mit Sturmfrisur, rotem Schal und wildem Blick beim Komponieren der Missa solemnis festhält. Beethovens Naturliebe trug fast religiöse Züge, wie eine Notiz von 1815 zeigt: "Allmächtiger im Walde! Ich bin selig, glücklich im Wald; jeder Baum spricht durch dich. O Gott! welche Herrlichkeit! In einer solchen Waldgegend, in den Höhen ist Ruhe, Ruhe, ihm zu dienen."

Autor/in:
Sabine Kleyboldt
Quelle:
KNA