Caritas zieht Konsequenzen nach Vorwürfen gegen Psychiater

"Sehr erschrocken"

Nach dem Bekanntwerden von Vorwürfen gegen den Bonner Kinderpsychiater Michael Winterhoff zieht der Caritasverband für das Erzbistum Köln Konsequenzen. Recherchen hatten gefährliche Behandlungsmethoden aufgedeckt.

Hinweisschild der Caritas / © Michael Althaus (KNA)
Hinweisschild der Caritas / © Michael Althaus ( KNA )

Er sei "sehr erschrocken", wie unkritisch Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe die psychiatrische Diagnostik und Therapie von Winterhoff übernommen hätten, sagte der Leiter der Abteilung Jugend und Familie des Diözesan-Caritasverbandes, Christof Kriege, dem Portal tagesschau.de. Auch sei er bestürzt, dass Jugendämter und Familiengerichte die Gutachter-Empfehlungen eins zu eins übernommen hätten.

Nur ein Träger arbeitet mit Winterhoff zusammen

Wie ein Sprecher des Verbands am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) bestätigte, hat die Kölner Caritas ihre 60 Mitgliedsorganisationen, die als Träger in der Kinder- und Jugendhilfe aktiv sind, aufgefordert, die Zusammenarbeit mit Winterhoff kritisch zu überprüfen. Nach bisherigen Erkenntnissen arbeite lediglich ein Träger mit Winterhoff zusammen: der "Kleine Muck" aus Bonn. Der Verein betreibt mehrere Einrichtungen und wurde von Winterhoff mitgegründet.

Bis heute nehme Winterhoff dort ein Vorstandsamt wahr und sei - im Team - für die Behandlung der Kinder zuständig, so der Sprecher. Dem Träger sei dringend nahegelegt worden, die Zusammenarbeit mit Winterhoff gegebenenfalls zu beenden.

Winterhoff kündigt juristische Schritte an

Am Dienstag waren Recherchen von WDR und "Süddeutscher Zeitung" über die Behandlungsmethoden des bekannten Kinderpsychiaters veröffentlicht worden, der zahlreiche Bücher verfasst hat und wiederholt in Talkshows zu Gast war. Ehemalige Patienten werfen ihm demnach vor, ihnen über Jahre ruhigstellende Medikamente verschrieben zu haben, die gefährliche Nebenwirkungen hervorrufen können. Winterhoff wies die Vorwürfe zurück und kündigte an, juristisch gegen die Berichterstattung vorzugehen.

Quelle:
KNA
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