Seelsorger kritisiert Mitgliedschaft von AfD-Politiker in Verbindung

"Das geht nicht zusammen"

Die Kölner Studentenverbindung Rheno-Baltia hält trotz massiver Kritik an der Mitgliedschaft eines AfD-Bundestagsabgeordneten fest. Der bestellte Seelsorger Peter Schallenberg hält das für unvereinbar mit dem christlichen Menschenbild.

Autor/in:
Johannes Schröer
Archivbild: Ein Mitglied der Katholischen Deutschen Studentenverbindung Rheno-Baltia zu Köln in Uniform im Jahr 2017 (KNA)
Archivbild: Ein Mitglied der Katholischen Deutschen Studentenverbindung Rheno-Baltia zu Köln in Uniform im Jahr 2017 / ( KNA )

DOMRADIO.DE: Ein AfD-Bundestagsabgeordneter als Mitglied in einer katholischen Studentenverbindung: Geht das zusammen?

Peter Schallenberg, Moraltheologe an der Theologischen Fakultät Paderborn / © KSZ (KNA)
Peter Schallenberg, Moraltheologe an der Theologischen Fakultät Paderborn / © KSZ ( KNA )

Prof. Dr. Peter Schallenberg (Moraltheologe an der Theologischen Fakultät der Universität in Paderborn sowie Seelsorger des Cartellverbands der katholischen deutschen Studentenverbindungen / CV): Das geht aus Sicht des Bundesverbandes, des Cartellverbandes, nicht zusammen. Die rechtliche Situation ist jedoch so, dass die einzelnen Studentenverbindungen, die CV-Verbindungen, rechtlich eigenständig sind. 

Es sind eigene Körperschaften, eigene Institute, die zu einem Dachverband zusammengeschlossen sind. Der Dachverband hat eine sehr eindeutige Position, verfügt jedoch über kein Durchgriffsrecht. Es handelt sich dabei lediglich um einen Wunsch beziehungsweise eine Bitte, mehr ist rechtlich nicht möglich. 

DOMRADIO.DE: Wie stehen Sie als sogenannter bestellter Seelsorger, also als eine von einer Religionsgemeinschaft beauftragte Person, die geistliche Begleitung, Unterstützung in Krisen und seelsorgliche Gespräche bietet, dazu?

Schallenberg: Ich bin der Meinung, dass ein Mitglied einer CV-Verbindung nicht für die AfD aktiv tätig sein kann. Es geht hier nicht um Meinungsäußerung oder politische Äußerungen im privaten Raum. Es geht schon gar nicht um Wahlverhalten, was ohnehin geheim ist. Es geht um eine öffentliche Tätigkeit. 

Wir sind uns mit der Deutschen Bischofskonferenz einig. Die hat dementsprechend vor einigen Monaten ein Papier über die Unvereinbarkeit von öffentlichen katholischen Ämtern und öffentlicher Tätigkeit für die AfD veröffentlicht. Das basiert schlicht und einfach auf der Tatsache, dass wir linksextreme wie auch rechtsextreme Positionen ablehnen. 

In diesem Fall halten wir einen großen Teil der Programmpunkte der AfD für nicht vereinbar mit dem christlichen Menschenbild und mit der katholischen Auffassung von Sozialethik und Ethik überhaupt.

Peter Schallenberg

"Wir lehnen aus christlicher Sicht und vom katholischen Standpunkt aus eine ethnische oder gar völkische Diskriminierung entschieden ab."

DOMRADIO.DE: Das richtet sich größtenteils gegen den von der AfD verkündeten völkischen Nationalismus, oder?

Schallenberg: Es richtet sich wesentlich gegen diese Position, die in letzter Zeit in einzelnen Stellungnahmen bekräftigt und unterstrichen worden ist. Wir lehnen aus christlicher Sicht und vom katholischen Standpunkt aus eine ethnische oder gar völkische Diskriminierung entschieden ab.

DOMRADIO.DE: Der Cartellverband ist der einzig größere katholische Verband, der sich nicht als Gesamtverband von der AfD abgrenzt. Warum macht er das nicht?

Schallenberg: Das ist bisher der Tatsache geschuldet, dass die einzelnen Verbindungen eigenständig sind und es Bedenken gibt, dass wir als Dachverband durchregieren wollten. 

Ich persönlich halte das aber für eine Leerstelle. Ich wäre der Auffassung, dass sie als Dachverband noch einmal deutlich machen, dass wir es für wünschenswert halten, dass die einzelnen Verbindungen sich hier klar positionieren. 

Ich bin gerne bereit, mich dafür einzusetzen. Ich bin als Leiter des Seelsorgeamtes nur einer von mehreren im Vorstand des Dachverbands. Ich halte die Erklärung der Bischofskonferenz für sehr hilfreich. 

Ich bin dezidiert der Meinung, dass wir im Einklang mit dieser erklären müssten, dass die öffentlich geäußerten Positionen der AfD von einzelnen Mitgliedern wie auch von Einzelprogrammen her nicht mit dem christlichen Menschenbild und unserem Verständnis von sozialer Politik vereinbar sind.

DOMRADIO.DE: Die Rheno-Baltia-Verbindung hat sich bislang noch nicht gegenüber den Vorwürfen geäußert. Wie geht das weiter?

Schallenberg: Mehr kann ich dazu auch nicht sagen. Wir suchen das Gespräch. Das ist die Aufgabe des Vorsitzenden des Bundes, wie auch meine Aufgabe in Bezug auf das Prinzip Religio. Die Verbindung weiß das, sie weiß auch um den Standpunkt des Dachverbandes. 

Peter Schallenberg

"Andere Verbindungen haben sich dezidierter und entschiedener dazu geäußert."

Andere Verbindungen haben sich dezidierter und entschiedener dazu geäußert. Es gibt keine Möglichkeit des Durchgriffsrechts und der Anweisung. Die Verbindungen sind eigenständig. Ich würde mir wünschen, dass die Verbindung sich dazu öffentlich äußert. 

Bisher habe ich gehört, dass die Verbindung sagt, dass der Bundesbruder sich gegenüber der Verbindung nichts zu Schulden hat kommen lassen. Deswegen ist ein Ausschluss schwierig oder juristisch anfechtbar. Doch er lässt sich etwas zu Schulden kommen, wenn er Positionen im politischen Raum vertritt, die mit den Positionen der katholischen Kirche nicht vereinbar sind. 

So würde ich aus rein seelsorgerlicher Perspektive argumentieren. Aber wenn man aus Angst vor juristischen Niederlagen meint, da nicht dementsprechend agieren zu können, muss ich das zunächst hinnehmen.

Das Interview führte Johannes Schröer.

Völkischer Nationalismus und Christentum sind laut Bischofskonferenz unvereinbar

Rechtsextreme und rechtspopulistische Parteien, die gegen Migranten, Muslime oder Juden hetzen, sind nach Auffassung der katholischen Bischöfe für Christen nicht wählbar. Das geht aus einer am Donnerstag in Augsburg veröffentlichten Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz hervor. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) dokumentiert zentrale Passagen des Textes, der auch im Hinblick auf die anstehenden Wahlen im Jahr 2024 formuliert ist.

Hinweisschild zu einem Wahllokal / © Matthias Bein (dpa)
Hinweisschild zu einem Wahllokal / © Matthias Bein ( dpa )
Quelle:
DR

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