Schuster ruft zu Diskurs über muslimischen Judenhass auf

"Großteil der Muslime nicht antisemitisch"

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, ruft zu einem offenen Diskurs ohne Scheuklappen über muslimischen Antisemitismus auf. Dies müsse "ohne Demagogie oder Angst vor Vereinnahmung" geschehen.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland / © Christophe Gateau (dpa)
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland / © Christophe Gateau ( dpa )

Das sagte Schuster in einem Interview "Jüdischen Allgemeinen" für deren Ausgabe am Donnerstag. Wenn es um Antisemitismus in der muslimischen Gemeinschaft in Deutschland gehe, herrschten einige Berührungsängste. "Dabei ist es eine Pflicht liberaler und demokratischer Parteien, auch das Problem des muslimisch geprägten Antisemitismus in unserer Gesellschaft zu benennen und zu bekämpfen, zum Beispiel durch gezielte Bildungsangebote", sagte Schuster.

Zugleich betonte er: "Wichtig ist mir aber, dass hierbei keine fremdenfeindlichen und antimuslimischen Narrative bedient werden." Ansonsten überlasse man diesen Denkmustern die Hoheit im Diskurs, obwohl der Großteil der Muslime nicht antisemitisch sei. In dem Zusammenhang nannte er die AfD: Der Partei werde ein Freiraum gelassen, den sie mit "spalterischer Rhetorik und Verschwörungsideologien" fülle.

AfD-Anhänger lehnen Juden stärker ab

Schuster äußerte sich anlässlich einer kürzlich veröffentlichten Befragung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Demnach zeigen Musliminnen und Muslime teilweise höhere Zustimmungswerte zu antisemitischen Äußerungen: So stimmten 16 Prozent der Muslime der Aussage zu, dass Israel als Staat nicht mehr existieren sollte, gegenüber vier Prozent aus der Gesamtbevölkerung. Darüber hinaus wiesen im Parteienvergleich Anhänger der AfD mit sechs Prozent tendenziell die höchste Zustimmung zu antisemitischen Äußerungen auf.

Schuster sagte, das Ergebnis hinsichtlich Menschen muslimischen Glaubens überrasche ihn nicht - er wolle aber differenzieren: "Verbale und körperliche Übergriffe gegen Juden im öffentlichen Raum kommen meiner Wahrnehmung nach großenteils aus dem muslimisch geprägten Milieu." Das habe teils schwerwiegende Folgen für Betroffene. "Wenn es aber um schwere Gewalt und Terror geht, ist der Rechtsextremismus eine größere Gefahr."

"Nicht zwangsläufig antisemitisch"

Auf muslimischer Seite handele es sich um ein lautstarkes radikales Milieu, dass oftmals auch auf Jugendliche großen Einfluss habe, sagte Schuster und betonte zugleich, dass viele Akteure der muslimischen Gemeinschaft sehr engagiert im Kampf gegen Antisemitismus seien. "Weder der Islam noch die muslimische Kultur ist zwangsläufig antisemitisch."

Religion ist oft nicht Grund für Antisemitismus

Antisemitismus unter Musliminnen und Muslimen in Deutschland ist einer Untersuchung zufolge häufig eher eine Folge konservativ-autoritärer Einstellungen als der Religion an sich. Auch gebe es Hinweise, dass regionale beziehungsweise nationale Diskurse einen stärkeren Einfluss auf negative Einstellungen gegenüber Jüdinnen und Juden hätten als religiöse Zugehörigkeit. So zeigten zum Beispiel auch Menschen christlichen Glaubens entsprechende Ressentiments.

Antisemitismus: Juden in Deutschland sehen wachsende Bedrohung / © Arne Dedert (dpa)
Antisemitismus: Juden in Deutschland sehen wachsende Bedrohung / © Arne Dedert ( dpa )
Quelle:
KNA
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