Aus Sicht des österreichischen Schauspielers Erwin Steinhauer (74) bewegt sich in der Kirche etwas. "Es wird offener, es wird liberaler, es werden diese alten Grundsätze diskutiert und neu betrachtet", sagte der aus Wien stammende Kabarettist mit katholischem Hintergrund dem Bayerischen Rundfunk (BR) in der Hörfunk-Sendung "Radiospitzen".
Derzeit sei zu beobachten, dass sich eine neue Generation junger Menschen wieder mehr für den Glauben interessiere, so Steinhauer: "Vielleicht hat es auch mit der schrecklichen Weltlage zu tun, denn das Einzige, was uns nicht enttäuschen kann, ist halt der Glaube."
Steinhauer spielt in der zweiten Staffel der BR-Fernsehserie "Himmel, Herrgott, Sakrament" um den unkonventionellen Pfarrer Hans Reiser (Stephan Zinner) erneut dessen Chef, Kardinal Georg Brunnenmayr. Der Titel für die Reihe stammt von dem gleichnamigen Buch des Münchner Priesters Rainer Maria Schießler.
Altardienst in Wiener Pfarrkirche
Der Schauspieler war in seiner Jugend in Wien nach eigenem Bekunden lange als Ministrant im Einsatz. Dort habe er die ersten Jazzmessen erlebt und auch den Betrieb in der Kirche kennengelernt. Hinzu komme, dass er im Laufe seiner 51-jährigen Bühnen- und Filmlaufbahn schon etliche Pfarrer und Bischöfe gespielt habe.
Das Buch der von dem bayerischen Regisseur Franz Xaver Bogner verantworteten Serie habe ihn schon in der ersten Staffel fasziniert, erklärte Steinhauer. So habe der Kardinal von Pfarrer Reiser gehört, der im bayerischen Umland Menschen in die Kirche bringe. Deswegen hole er diesen jungen, innovativen Geistlichen nach München, um dort wieder mehr Publikumszuspruch zu haben. Denn wenn die Kirche unter etwas leide, dann sei es der Publikumsschwund, gab der Schauspieler zu bedenken.
Dann aber prallen plötzlich zwei Generationen und Sichtweisen aufeinander, wenn es in der Serie um die Beziehung des Pfarrers zu einer alleinerziehenden Mutter geht, wie Steinhauer sagte. Dem Kardinal sei das nicht wirklich recht. Der Schauspieler zeigte sich jedoch überzeugt, dass sich der Zölibat zunehmend lockere und sich mit der Zeit auflöse. Er gehe davon aus, dass ein großer Teil der katholischen Pfarrer weltweit in Beziehungen lebe, auch wenn sie den Zölibat, also die Ehelosigkeit und sexuelle Enthaltsamkeit, gelobt hätten.