Schalker Fans dürfen weiterhin Mohammed besingen - Gutachter bescheinigt Harmlosigkeit

Die Hymne bleibt

Der Fußballbundesligist FC Schalke 04 hält an seiner Vereinshymne fest. Eine Änderung stehe nicht zur Diskussion, sagte eine Sprecherin des Vereins dem epd am Donnerstag in Gelsenkirchen. Der vom Verein beauftragte Islamwissenschaftler Bülent Ucar habe in seinem Gutachten keine "islamfeindliche Gesinnung" feststellen können.

 (DR)

Es gehöre eine gehörige Portion Humorlosigkeit dazu, die Vereinshymne als Herabwürdigung Mohammeds zu verstehen, erklärte der Wissenschaftler der Universität Osnabrück in seiner Stellungnahme. Die Formulierung «Mohammed war ein Prophet / Der vom Fußballspielen nichts versteht» sei zwar etwas salopp, könne aber bei einem Sportereignis durchaus vertreten werden, so Ucar. Ein Fußballbeispiel sei keine Einführung in die Benimmregeln des Islam. «Etwas mehr Humor und Entspannung täte alle Seiten gut.»Da es im 7. Jahrhundert «schlicht keinen Fußball gegeben» habe und Mohammed nur ein Mensch gewesen sei, der nicht die Zukunft gucken konnte, habe er damit auch kein Fußballexperte sein können, stellt Ucar fest. Er freue sich, dass Schalke in seinem Vereinslied Mohammed als Propheten bestätige und rate allen Fans «weiterhin zu Toleranz und Respekt im Umgang miteinander». Der Clubvorstand von Schalke 04 habe sich in einer Erklärung ihm gegenüber von einer Herabwürdigung des Islam distanziert.Bei einigen Muslimen seien vermutlich aufgrund anderer gesellschaftlicher und weltpolitischer Entwicklungen, sowie durch bestimmte Meldungen in den Medien «Sensibilitäten» entstanden, schreibt Ucar in seinem sechsseitigen Gutachten. Er stimmte damit dem Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, zu. Dieser hatte betont, dass nach dem dem Mord an der Ägypterin Marwa El Sherbini am 1. Juli in Dresden die Nerven bei vielen Muslimen blank lägen.Auch der Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, rief dazu auf, die zum Teil heftige Kritik von Muslimen an der Schalke-Hymne nicht überzubewerten. «Ich gehe davon aus, dass man die Hymne nicht ändern muss, eine Verhöhnung des Propheten kann ich persönlich jedenfalls nicht erkennen», sagte Özdemir der Zeitung. «Man sollte nicht aus jeder Diskussion gleich eine Grundsatzfrage über das Zusammenleben der Kulturen machen.»Ähnlich hatten sich auch mehrere Fußballspieler geäußert. «Wir leben hier in Deutschland, die Mehrheit der Türken ist gut integriert. Die sollten das Lied genauso annehmen wie die Deutschen bisher, ohne gleich einen bösen religiösen Hintergrund zu sehen», sagte Selim Teber, türkischstämmiger Mittelfeldspieler bei Eintracht Frankfurt, der «Frankfurter Rundschau». Und Schalke-Torhüter Manuel Neuer rief laut «Westdeutscher Allgemeiner Zeitung» dazu auf, die Diskussion nicht zu ernst zu nehmen: «Der Text ist ja auf keinen Fall böse gemeint.»In den vergangenen Tagen hatte der Schalker Verein Protest-E-Mails von wütenden Muslimen enthalten. Sie kritisierten die dritte Strophe des Vereinsliedes, in der es heißt: «Mohammed war ein Prophet / Der vom Fußballspielen nichts versteht / Doch aus all der schönen Farbenpracht / Hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht.»Die umstrittene Hymne «Blau und Weiß wie lieb' ich dich» geht auf das 1797 verfasste Jägerlied «Lob der grünen Farbe zurück» zurück. In seiner ersten Fassung aus dem Jahr 1924 enthielt das Lied noch keine Mohammed-Passage. Erst 1959 dichtete der Musiker Hans J. König eine neue Version, an der er sich 1963 die Rechte sicherte. Das Lied wird kurz vor Anpfiff bei jedem Heimspiel des Bundesligisten von den Fans gesungen.