Nach der mutmaßlichen Amokfahrt eines Mannes in der Leipziger Innenstadt haben Sachsens Bischöfe den Opfern und deren Angehörigen ihr Mitgefühl ausgedrückt. "In diesen schweren Stunden bin ich in Gedanken und im Gebet bei den Toten, den Verletzten und allen, die dieses Geschehen miterleben mussten", erklärte Dresdens katholischer Bischof Heinrich Timmerevers am Montagabend.
"Den Angehörigen und Freunden der Opfer wünsche ich Trost und Beistand", fügte der Bischof hinzu. "Allen Einsatzkräften sowie den Helferinnen und Helfern in den Kliniken danke ich für ihren Dienst und bitte für sie um Kraft."
Er stehe auch mit den Seelsorgerinnen und Seelsorgern vor Ort in Kontakt, ergänzte Timmerevers. Der "schreckliche Vorfall" mache ihn tief betroffen und fassungslos. Noch sei vieles unklar, doch in den kommenden Stunden und Tagen könnten "die Behörden hoffentlich weiter aufklären, was geschehen ist und welche Hintergründe es gibt".
Bilz: Als Gesellschaft zusammenstehen
Auch der evangelische Landesbischof Tobias Bilz äußerte sich bestürzt. "Mein tiefes Mitgefühl gilt den Opfern, ihren Familien und allen, die durch dieses Ereignis aus ihrem Alltag gerissen wurden", erklärte er am Montagabend. "Solche Taten treffen uns ins Mark."
Bilz appellierte an die Menschen, sich den eigenen Ängsten um das Sicherheitsgefühl nicht auszuliefern. "Als Gesellschaft stehen wir zusammen - und wir sehen: In Momenten größten Leids wächst oft eine besondere Kraft der Solidarität."
In den Leipziger Innenstadtkirchen Sankt Nikolai und Sankt Thomas könnten Menschen der Opfer gedenken, beide Kirchen seien geöffnet, so der Superintendent der evangelisch-lutherischen Kirche. Zudem ist am Dienstag um 17.00 Uhr eine ökumenische Gedenknacht in der Nikolaikirche geplant.
Journalist sieht Kirchen als Orte der Hilfe
Der katholische Kirchenredakteur Daniel Heinze von Radio PSR, das sich in unmittelbarer Nähe des Tatorts befindet, zeigte sich gegenüber DOMRADIO.DE bestürzt. Als Augenzeuge des Anschlags sei er auch am Tag nach der Tat "noch sehr aufgewühlt".
Leipzig sei sicherlich noch lange mit dieser Tat beschäftigt, so Heinze am Dienstagmorgen. Er hoffe, dass in den kommenden Tagen Trost, Empathie und Mitgefühl die Menschen tragen.
Heinze betonte, dass die Kirchen nun das täten, "was man von den Kirchen im besten Sinne erwarten kann": Mitgefühl mit den Opfern, Unverständnis und Ratlosigkeit zeigen sowie bei den Menschen präsent sein". So war die Nikolaikirche den ganzen Abend geöffnet und bot Menschen einen Ort der Zuflucht und des Durchatmens.
Angesichts der Amokfahrt in der Leipziger Fußgängerzone laden die christlichen Gemeinden der Stadt an diesem Dienstag zu einer ökumenischen Gedenkandacht ein. Die Veranstaltung findet um 17:00 Uhr in der Nikolaikirche statt und ist für alle Menschen offen.
Hintergründe noch unklar
Nach bisherigen Informationen von Polizei und Behörden war am Montag ein 33-jähriger Deutscher mit einem Auto durch eine Fußgängerzone in der Leipziger Innenstadt gefahren und hatte dabei zwei Menschen getötet und mehrere verletzt, mindestens drei davon schwer. Der Täter sei festgenommen worden, die Staatsanwaltschaft gehe von einer Amokfahrt eines Einzeltäters aus, hieß es. Der Mann soll am Dienstag einem Haftrichter vorgeführt werden.