Rita Süssmuth zu Denkmal-Initiative für polnische NS-Opfer

"An unvorstellbares Leid erinnern"

2019 jährt sich der Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen zum 80. Mal. In die polnischen Opfer soll ein eigenes Denkmal in Berlin erinnern. Dafür setzt sich eine Initiative ein, der auch die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth angehört.

Rita Süssmuth (dpa)
Rita Süssmuth / ( dpa )

Katholische Nachrichten-Agentur (KNA): Frau Süssmuth, warum engagieren Sie sich bei dem Denkmal-Projekt?

Rita Süssmuth (CDU-Politikerin und frühere Bundestagspräsidentin): Es soll daran erinnern und nicht vergessen werden, welch unvorstellbares Leid das nationalsozialistische Deutschland mit seinem Vernichtungskampf im Zweiten Weltkrieg den Polen zugefügt hat.

Katholische Nachrichten-Agentur (KNA): Wie konkret sind die Pläne?

Süssmuth: Wir haben im vergangenen Jahr begonnen, die Initiative öffentlich zu starten. Zunächst haben wir sie an den Bundestag herangetragen, um dort die Bereitschaft zu fördern, das Projekt zu fördern. Unterstützer haben wir in allen Parteien. 

KNA: Wie wird das Vorhaben in Deutschland generell aufgenommen?

Süssmuth: Es gibt viele, die dafür sind, aber auch Stimmen, die dagegen sind, weil sie meinen, dass es kein besonderes Denkmal für Polen geben sollte. Die Initiatoren sehen das anders, begründet in dem totalen Vernichtungskampf gegenüber Polen.

KNA: Gibt es auch Reaktionen aus Polen?

Süssmuth: Insgesamt ist die Initiative in Polen auf ein sehr positives Echo gestoßen. Es gibt aber auch ganz Verbissene, die sagen, dass die Deutschen mit einem solchen Denkmal den aktuellen Forderungen nach Kriegsreparationen ausweichen wollen.

KNA: Welche Aufgaben stehen nun an?

Süssmuth: Noch ungelöst ist die Frage, wie der anderen mittel- und osteuropäischen Opfer der Nazis gedacht werden soll. Ich halte es für nicht sinnvoll, jetzt eine Serie von Denkmälern aufzustellen.

KNA: Im Gespräch ist, das Denkmal für Polen auf dem Askanischen Platz in Berlin-Kreuzberg aufzustellen. Das wäre vor dem geplanten Dokumentationszentrum über Flucht und Vertreibung. Ist das der Grund für die Wahl des Standortes?

Süssmuth: Ich bestehe nicht auf diesem Standort. Wir müssen mit einem solchen Ort nicht gleich die nächste Diskussion über den Zusammenhang von Nazi-Verbrechen und Vertreibung der Deutschen provozieren. Beides hat das Recht auf ein mahnendes Gedenken. Wir müssen das aber nicht am selben Platz diskutieren, das wäre eine Überforderung. Zuerst sollten wir das Denkmal als solches verwirklichen und dann erst den Standort festlegen.

Autor/in:
Gregor Krumpholz
Quelle:
KNA