Renovabis schaut auf die Papstreise nach Ungarn

"Er löst ein Versprechen ein"

Papst Franziskus reist für drei Tage nach Ungarn. Was sind die Ziele der apostolischen Reise? Der Hauptgeschäftsführer des Osteuropa-Hilfswerks Renovabis, Thomas Schwartz, erwartet das Kirchenoberhaupt als Mutmacher vor Ort.

Papst Franziskus und ungarische Bischöfe (Archiv) / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus und ungarische Bischöfe (Archiv) / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

DOMRADIO.DE: Am Freitag dieser Woche bricht Franziskus zu seiner apostolischen Reise nach Ungarn auf. Welche Bedeutung hat die Reise des Papstes ins mitteleuropäische Land an der Donau?

Thomas Schwartz, Hauptgeschäftsführer von Renovabis / © Dieter Mayr (KNA)
Thomas Schwartz, Hauptgeschäftsführer von Renovabis / © Dieter Mayr ( KNA )

Dr. Thomas Schwartz (Pfarrer und Hauptgeschäftsführer von Renovabis): Zunächst einmal löst er ein Versprechen ein, das er 2021 bei seinem ganz kurzen Besuch in Ungarn gegeben hat. Er hat da versprochen, dass er wiederkomme. Das will er nun einhalten.

Er kommt jetzt für drei Tage und will sicherlich in diesem Land, das auch eine im besten oder im eigensten Sinne des Wortes ganz eigenartige Position innerhalb Europas hat und teilweise auch randständig ist, Akzente setzen. Das wird ganz wichtig sein.

DOMRADIO.DE: Laut Kardinal Peter Erdö, dem Erzbischof von Budapest, werden sie jetzt "gemeinsam die Einheit unserer Kirche und die Gegenwart Jesu wieder mit besonderer Kraft erleben können". Was ist inhaltlich zu erwarten, wenn Papst Franziskus unter dem Motto "Christus ist unsere Zukunft" nach Ungarn reist?

Thomas Schwartz (Pfarrer und Hauptgeschäftsführer von Renovabis)

"Es ist sicherlich eine Situation des Mutmachens."

Schwartz: Ich denke, zunächst einmal wird er Mut machen wollen. Denn auch Ungarn, das hat der Vorsitzende der Bischofskonferenz unlängst in einem Interview zugegeben, steht vor großen Säkularisierungs - Herausforderungen ähnlich wie andere Länder in Europa, die die Kirche dort auch sehr treffen werden. Man wird bei der nächsten Volkszählung bemerken, dass die Kirche nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung abbilden und vertreten wird.

Von daher ist es sicherlich eine Situation des Mutmachens, speziell wenn er sich mit vielen Jugendlichen im Stadion trifft, um zu sagen, dass man nicht die Mehrheit sein müsse, um Sauerteig für die Gesellschaft bedeuten zu können. Man müsse nicht die Macht besitzen, um Einfluss zu haben.

Ich glaube, diese Position, die viele Themen abgleichen wird, die in der öffentlichen Diskussion Ungarns eher wenig zutage treten, ist sicherlich ein mutmachender Punkt, den sich der Papst nicht anzusprechen verbitten lässt. Man denke in diesem Zusammenhang an die Situation der Flüchtlinge innerhalb Ungarns oder an die Politik Ungarns gegenüber Flüchtlingen, die nicht nur aus der Ukraine kommen.

DOMRADIO.DE: Papst Franziskus setzt seitdem er Oberhaupt der katholischen Kirche ist klare Zeichen für flüchtende Menschen. Er ruft dazu auf, Migration auch als Potenzial, als Chance zu sehen und prangert immer wieder die europäische Flüchtlingspolitik an. Ganz andere Ansichten hat bekanntermaßen Ministerpräsident Viktor Orban. Er spricht sich gegen die Aufnahme von Geflüchteten in seinem Land aus und für Zäune. Könnte Franziskus in Konflikt mit ihm geraten?

Empfang von Papst Franziskus durch Viktor Orban, Ministerpräsident von Ungarn, in Budapest (Ungarn) am 12. September 2021. / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Empfang von Papst Franziskus durch Viktor Orban, Ministerpräsident von Ungarn, in Budapest (Ungarn) am 12. September 2021. / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Schwartz: Ob das während dieses Besuchs der Fall sein wird, glaube ich zunächst einmal nicht. Aber wir wissen schon aus der Vergangenheit, dass es bei der ersten Flüchtlingskrise 2015 durchaus sehr kritische Wortmeldungen seitens der ungarischen Regierung gegenüber der Diplomatie und der Politik des Heiligen Stuhls und namentlich Papst Franziskus gegeben hat.

Ich denke, man wird diese negativen Wortmeldungen während des Besuchs einfach unterlassen. Das gehört sich auch bei einem Staatsbesuch und einem pastoralen Besuch einfach nicht, dass man sich da gegenseitige Vorhaltungen macht.

Aber sicherlich wird Franziskus die Stimme dort erheben, wo es die ungarische Kirche aus welchen Gründen auch immer, denn sie hat ja auch gewisse finanzielle Abhängigkeiten gegenüber dem Staat, bislang unterlassen hat, manche Finger in die Wunden der Glaubwürdigkeit zu legen.

Es geht nicht nur um Flüchtlingspolitik. Es geht auch darum, dass beispielsweise eine ganze Menge von Menschen innerhalb Ungarns marginalisiert sind. Wir als Renovabis helfen beispielsweise sehr viel Roma-Kindern und Jugendlichen. Auch die Roma haben in diesem Land gewisse Schwierigkeiten.

DOMRADIO.DE: Der Papst hat am Sonntag schon auf dem Petersplatz angekündigt, dass sein Besuch unter dem eisigen, unter dem kalten Wind des Krieges steht. Es ist möglich, dass auch russisch-orthodoxe Kirchenvertreter anwesend sein werden. Daraus könnten sich Impulse für einen Friedensprozess ergeben, die bei diesem Papstbesuch angestoßen werden. Das diplomatische Ziel wäre der Frieden im Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Ist das realistisch?

Thomas Schwartz (Pfarrer und Hauptgeschäftsführer von Renovabis)

"Nicht der Krieg, sondern nur ein Frieden kann heilig genannt werden."

Schwartz: Alles, was dem Frieden dient, sollte realistisch sein. Ob das Gespräch zwischen Religionsvertretern über den Frieden tatsächlich dazu führen kann, dass irgendwann eine Verhandlungslösung für diesen schrecklichen Krieg, den Russland ohne Not gegen die Ukraine führt, gefunden wird, vermag ich nicht zu sagen.

Aber es muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass nicht der Krieg, sondern nur ein Frieden heilig genannt werden kann. Das ist das, was Papst Franziskus bei jeder Gelegenheit nicht unterlässt, noch mal zu sagen. Das hat nichts mit mangelnder Empathie für die Opfer zu tun. Ich glaube, es ist das Gegenteil. Wenn einer an den Menschen und an diesen Schicksalen leidet, dann ist es der Heilige Vater.

Das Interview führte Katharina Geiger.

Reise von Papst Franziskus nach Ungarn

Freitag, 28. April 2023

10:00 Landung auf dem Internationalen Flughafen Budapest und offizielle Begrüßung

11:00 Willkommenszeremonie auf dem Platz vor dem Palais Sándor

11:30 Höflichkeitsbesuch bei der Staatspräsidentin im Palais Sándor

11:55 Treffen mit dem Premierminister

Kettenbrücke in Budapest / © Apostolis Giontzis (shutterstock)
Kettenbrücke in Budapest / © Apostolis Giontzis ( shutterstock )
Quelle:
DR