Immer mehr Priester, Ordensleute und kirchliche Persönlichkeiten treten nicht nur im Namen der Kirche auf, sondern als eigenständige Influencer. Das führe dazu, dass sie einen persönlichen "Promi-Status" in sozialen Medien erhalten, was zwar positive aber auch negative Folgen habe, sagte die Schweizer Religionssoziologin Isabelle Jonveaux gegenüber "cath.ch" am Donnerstag.
Die Präsenz in den sozialen Medien ermögliche es religiösen Persönlichkeiten, junge Menschen direkt anzusprechen und Orientierung zu bieten. Vor allem dort, wo klassische Kirchenstrukturen kaum noch Wirkung haben. "Heute spricht man die Sprache der Influencer, um die Jugendlichen zu erreichen", stellte Jonveaux fest. Kurze Videos, Reels oder Shorts erlaubten es, Inhalte der Kirche einem Publikum näher zu bringen, das sonst kaum Berührungspunkte mit Religion habe.
"Keine einfachen Antworten"
Unterdessen warnte die an der Universität Fribourg lehrende Jonveaux vor Risiken dieser Entwicklung. "Die Religion, insbesondere das Christentum, gibt keine einfachen Antworten. Der Diskurs ist nuanciert und erfordert persönliches Engagement, das in diesen kurzen Formaten nicht vermittelt werden kann", sagte sie.
Zudem stellte Jonveaux die Frage nach Vereinbarkeit digitaler Präsenz und einem Leben in Stille, Gemeinschaft und Gebet. "Die Frage ist, woher die Botschaft kommt, die diese Influencer in den sozialen Netzwerken verbreiten. Kommt sie aus dem Herzen ihres religiösen Lebens?"