Religionsbeauftragter will Jesiden den Rücken stärken

Frank Schwabe reist in den Irak

Der Religions-und Weltanschauungsbeauftragte der Bundesregierung will Jesiden im Irak den Rücken stärken. Er wolle sich vor allem ein Bild vom Wiederaufbau in deren Hauptsiedlungsgebiet in der Region um die Stadt Sindschar machen.

Die Verbrechen gegen die jesidische Religionsgemeinschaft sind in Deutschland als Völkermord anerkannt worden. / © Ismael Adnan (dpa)
Die Verbrechen gegen die jesidische Religionsgemeinschaft sind in Deutschland als Völkermord anerkannt worden. / © Ismael Adnan ( dpa )

Das erklärte Schwabe an diesem Sonntag in Berlin vor Beginn seiner Reise in den Irak. Jesiden sind eine religiöse Minderheit unter den Kurden. Die im Norden des Landes gelegene Region Sindschar ist nach der Schreckensherrschaft des "Islamischen Staates" (IS) immer noch von Flucht, Vertreibung und Zerstörung betroffen.

Rund 210.000 Jesidinnen und Jesiden leben als Binnenvertriebene im Irak, rund die Hälfte in Flüchtlingslagern. Im Januar hatte der Bundestag die Gräueltaten des IS gegen die Jesiden als Völkermord anerkannt. Damit verbunden ist der Auftrag an die Bundesregierung, den Wiederaufbau des Sindschars zu unterstützen.

Belange von religiösen Minderheiten

Schwabe will laut eigenem Bekunden auch die Belange von anderen religiösen Minderheiten und ausgegrenzten Gesellschaftsgruppen in den Blick nehmen. So seien insbesondere Frauen und Mädchen nach wie vor zahlreichen Diskriminierungen ausgesetzt, die ihre gleichberechtigte Teilnahme am politischen, sozialen und wirtschaftlichen Leben behinderten. Viele Aktivistinnen vor Ort berichteten von einer Verschlechterung der Lage.

Der SPD-Politiker betonte: "Ich habe keine vorgefertigten Antworten für das Land und die Bevölkerung im Gepäck, sondern komme mit vielen Fragen, die ich gerne mit Vertreterinnen und Vertretern der Regierung, sowie religiösen und zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren diskutieren will."

Jesiden

Jesiden sind eine religiöse Minderheit unter den Kurden. Weltweit hat die monotheistische Religionsgemeinschaft mehrere hunderttausend Mitglieder. Erstmals erwähnt werden die Jesiden in nahöstlichen Quellen aus dem 12. Jahrhundert. Ihr Name geht vermutlich auf den frühislamischen Kalifen Yazid I. ibn Muawiya (680-683) zurück.

Irak, Lalish: Eine Frau entzündet ein Feuer im Shekadi-Schrein während der Feierlichkeiten des Sommer-Arbaeen-Eids / © Ismael Adnan (dpa)
Irak, Lalish: Eine Frau entzündet ein Feuer im Shekadi-Schrein während der Feierlichkeiten des Sommer-Arbaeen-Eids / © Ismael Adnan ( dpa )
Quelle:
KNA