Ostern, Songkran und Ramadan in Zeiten von Corona

Religionen besinnen sich auf ihren Markenkern

Ostern 2020 wird im Gedächtnis bleiben: Ob in westlichen Ländern, Pakistan oder Indonesien – wegen des Coronavirus blieben die Menschen zuhause. Ähnlich ungewöhnlich werden das buddhistische Neujahrsfest und der Ramadan.

Religiöse Symbole / © Ifenoumen (shutterstock)

Für Sebastian Shaw bot das Osterfest 2020 "eine andere Art von Glück". Wie viele Priester rund um Globus feierte der katholische Erzbischof der pakistanischen Metropole Lahore den Ostergottesdienst zwar allein, ließ aber die Gemeinde per Internet-Livestream teilhaben. "Die Pandemie hatte Auswirkungen auf unsere Gebetsdienste - aber Gott hat uns gerettet", sagte Shaw und fügte hinzu: "Es ist unsere Pflicht, Hoffnung und Glück zu verbreiten."

Thailändisches Neujahrsfest Songkran

Auch die Zeremonien zum thailändischen Neujahrsfest Songkran in dieser Woche, wie Opfergaben und das Reinigen der Buddha-Statuen mit geweihtem Wasser in den Tempeln des Landes, fallen in diesem Jahr flach. Die traditionelle Ehrerweisung gegenüber älteren Familienmitgliedern durch die jüngeren muss vielfach über Videotelefonie und die Sozialen Netzwerke laufen.

"Anders als die Ausländer mit ihrem Silvesterfeuerwerk feiern wir unser Neujahrsfest mit Wasser. Die Jüngeren erweisen durch Benetzen der Hände der Eltern und Großeltern mit parfümiertem Wasser ihren Respekt. Die Alten ihrerseits wünschen den Jungen viel Glück und Wohlstand", erklärt Khun Tasara Taksinapan das Fest.

Wirtschaftlicher Schaden

Der 38-jährige PR-Tourismusexperte und gläubige Buddhist hat sich intensiv mit der Rolle des Wassers im auch Wasserfest genannten Songkran beschäftigt. "Aus dem Wasser stammt unser Grundnahrungsmittel, der Reis. Freunde begrüßen sich mit dem schlichten Satz 'Hast du schon Reis gegessen?'. Das Wasser, das uns den Reis bringt, ist durch unsere Religion geheiligt."

In den Touristenzentren Pattaya, Phuket und auf Bangkoks Feiermeilen Silom-Straße und Khao-San-Straße ist Songkran aber auch mit ausschweifenden Partys und Wasserschlachten zu einem Touristen-Event ausgeartet. All das wurde jedoch im Zuge der Corona-Maßnahmen verboten. Aus religiöser Sicht mögen das viele Thais begrüßen - aus wirtschaftlicher nicht. Der Tourismus, der rund ein Fünftel des Volkseinkommens ausmacht, ist völlig zum Erliegen gekommen. Millionen Thais haben ihre Jobs verloren.

Corona-Restriktionen als Chance

Dass Muslime in den mehrheitlich islamischen Ländern Indonesien und Malaysia wegen Kontaktsperren, geschlossenen Moscheen und Restaurants sowie dem Verbot der Ramadan-Basare mit ihren üppigen Essensständen auf Traditionen verzichten müssen - dem können manche Islamgelehrte gar einen theologischen Mehrwert abgewinnen. Die meisten Muslime fasten zwar tagsüber, wie es der Koran lehrt. Das Fastenbrechen nach Sonnenuntergang ist aber zu einem Fest der Völlerei geworden, wie Weihnachten oder Ostern in der christlichen Welt.

"Zu oft liegt der Fokus des Ramadan auf diesen gesellschaftlichen Ritualen", sagt Nawab Osman, Experte für islamische Gesellschaften in Südostasien, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Im Ramadan geht es aber um Einfachheit und das Erleben von Herausforderungen, denen sich weniger gut situierte Menschen täglich stellen müssen."

Azis Anwar Fachrudin, Dozent am Zentrum für religiöse und kulturübergreifende Studien an der Gadjah-Mada-Universität im indonesischen Yogyakarta, betont im KNA-Gespräch, die wahre Bedeutung des Ramadan liege in der Selbstbeherrschung. Die Corona-Restriktionen sieht er als Chance, "im religiösen Diskurs der Muslime darüber nachzudenken, welche Aspekte der Religion von grundlegender Bedeutung und welche verhandelbar sind". Diese Besinnung auf den "Markenkern" dürfte auch für Buddhismus und Christentum gelten.

Autor/in:
Michael Lenz
Quelle:
KNA
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