Laut Studie mehr Altersarmut in den kommenden 20 Jahren

"Reformkonzepte reichen nicht"

In den kommenden 20 Jahren steigt die Altersarmut in Deutschland laut einer Studie trotz Reformbemühungen weiter an. Auch bei einer positiven Entwicklung der Wirtschaft drohe jeder Fünfte im Jahr 2039, im Alter arm zu sein.

Altersarmut / © Karl-Josef Hildenbrand (dpa)
Altersarmut / © Karl-Josef Hildenbrand ( dpa )

Das geht aus einer am Donnerstag in Gütersloh veröffentlichen Untersuchung der Bertelsmann Stiftung hervor. Das Armutsrisiko sei für Geringqualifizierte und Alleinstehende besonders hoch. Aktuell diskutierte Reformmodelle wie eine Grundrente seien "nicht ausreichend zielgenau".

Das Armutsrisiko werde von etwa 16,8 auf 21,6 Prozent steigen, hieß es. Als armutsgefährdet gelten Personen, deren monatliches Nettoeinkommen unter 905 Euro liegt. Neben beschäftigungspolitischen Maßnahmen sind laut Studienleiter Christof Schiller auch zielgenaue Reformen des Rentensystems notwendig, um den Anstieg der Altersarmut zu bremsen.

Ostdeutsche Rentner besonders betroffen

Der Anteil der Rentner, die zusätzlich zur Rente staatliche Unterstützung bekommen, steigt nach der Bertelsmann-Studie bis 2039 von derzeit etwa neun Prozent auf rund zwölf Prozent an. Dabei liege die Grundsicherungsschwelle für einen Ein-Personen-Haushalt bei etwa 777 Euro.

Geringqualifizierte oder Alleinstehende seien im Vergleich zum Durchschnitt doppelt so häufig von Grundsicherung abhängig. Besonders stark steige das Armutsrisiko für ostdeutsche Rentner. Die Grundsicherungsquote liege in Ostdeutschland derzeit mit etwa 6,5 Prozent zwar unter dem Anteil im Westen mit rund zehn Prozent, verdoppele sich aber bis 2039 auf etwa 12 Prozent.

Grundrente reicht nicht aus

Die Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung - wofür sich Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) einsetzt - reicht der Studie zufolge ebenso wenig aus wie die mit einer solchen Prüfung. Rentenreformen müssten mehr auf die Ursachen von Altersarmut abzielen. «Um die Zielgenauigkeit zu stärken, könnte die Heil'sche Reform um eine einfache Einkommensprüfung und eine etwas flexiblere Auslegung der Versicherungszeiten ergänzt werden», erklärte Schiller.

Entscheidend sei, Kosten zu sparen. "Mit dem Renteneintritt der sogenannten Baby-Boomer werden die öffentlichen Kassen in Deutschland in den nächsten 20 Jahren auf eine große Belastungsprobe gestellt."

Die Studie "Anstieg der Altersarmut in Deutschland: Wie wirken verschiedene Rentenreformen?" basiert auf einer Simulation der Alterseinkommen 2015 bis 2050, wie es hieß. Die Daten wurden vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin erhoben. 30.000 Bürger in fast 12.000 haushalten wurden dazu befragt.

Quelle:
KNA