Reaktionen auf Rücktrittsankündigung von Nikolaus Schneider

Bedauern und Respekt

Nikolaus Schneider, EKD-Ratsvorsitzender, möchte sich um seine an Krebs erkrankte Frau kümmern. Deshalb legt er sein Amt vorzeitig zum 10. November nieder. Ein Überblick der Reaktionen auf Schneiders Entscheidung.

Das Ehepaar Anne und Nikolaus Schneider (epd)
Das Ehepaar Anne und Nikolaus Schneider / ( epd )

Die Spitzen der EKD reagierten mit Bedauern und Respekt auf den angkündigten Rücktritt des Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider. Der stellvertretende Ratsvorsitzende, Landesbischof Jochen Bohl, dankte Schneider zugleich für seine Bereitschaft, gemeinsam in den kommenden Monaten einen geordneten Wechsel im Amt des Ratsvorsitzenden vorzubereiten. Bohl kündigte an, dass Mitglieder des Rates ab sofort Termine des Ratsvorsitzenden zur Entlastung von Schneider übernehmen werden. Die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer, erklärte: "Unsere Gedanken und Gebete begleiten Anne und Nikolaus Schneider in der kommenden Zeit."

Mit Bedauern, Verständnis und Dank hat Präses Manfred Rekowski auf die Rücktrittsankündigung reagiert: "Ich bedaure es, dass Nikolaus Schneider vor Ablauf der Wahlperiode aus dem Amt ausscheidet", sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland am Mittag in Düsseldorf: "Aber ich finde es völlig richtig und nachvollziehbar, dass für ihn nun die intensive Begleitung seiner an Krebs erkrankten Frau Anne Priorität hat. Unsere guten Wünsche und unsere Gebete begleiten Anne und Nikolaus Schneider und deren Familie in dieser Zeit der medizinischen Behandlung. Wir bitten Gott um seine spürbare Nähe, sein ermutigendes Geleit in schweren Zeiten und seinen Segen für sie. Ich wünsche den beiden von Herzen, dass sie erfahren: 'Es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind.' (Jesaja 8,23)"

Präses Rekowski dankte seinem rheinischen Amtsvorgänger dafür, dass dieser sich  nach dem plötzlichen Rücktritt von Margot Käßmann hatte in die Pflicht nehmen und zum EKD-Ratsvorsitzender hatte wählen lassen: "Nikolaus Schneider hat das Amt in schwierigen Zeiten übernommen. Aber er hat mit seiner ausgleichenden und den Menschen zugewandten Art dazu beigetragen, dass die damals verunsicherte Evangelische Kirche in Deutschland wieder in ruhigeres Fahrwasser gekommen ist. Das ist sein Verdienst. Dass er nun trotz der enormen Herausforderung, die vor seiner Frau und ihm liegt, nicht ad hoc zurücktritt, sondern noch bis zur Synode im November für die EKD einsteht, macht einen geordneten Übergang möglich. Auch das verdient unseren Dank und unseren Respekt."

Die westfälische Präses Annette Kurschus hat Respekt und Verständnis für den angekündigten Rücktritt des EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider geäußert. Schneider sei ein Mensch von bodenständiger Frömmigkeit, unbestechlicher Echtheit und ehrlicher Herzenswärme, sagte die westfälische Präses am Montag in Bielefeld dem Evangelischen Pressedienst (epd). Darin sei er sich in seinen verantwortungsvollen kirchlichen Ämtern immer treu geblieben und bleibe sich auch jetzt treu in der Entscheidung zum vorzeitigen Rücktritt. Dass er seiner erkrankten Frau auf einer schweren Wegstrecke in besonderer Weise zur Seite stehen wolle, verstehe sie gut.

"Ich wünsche Anne und Nikolaus Schneider, dass sie in dieser Situation die Nähe Gottes erfahren. Und daraus Kraft schöpfen für alles, was vor ihnen liegt", erklärte Kurschus. Schneider sei für Westfalen jahrelang als Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland ein guter und verlässlicher Nachbar und Partner gewesen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärte: "Die Ankündigung des Rücktritts des EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider macht mich sehr betroffen. Die kommenden Monate sind sehr schwer, und da wollen Nikolaus und Anne Schneider Zeit füreinander haben. Davor habe ich großen Respekt. Mit Nikolaus und Anne Schneider bin ich seit vielen Jahren herzlich verbunden. Beide schätze ich als aufmerksame Gesprächspartner und treue Wegbegleiter.

Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz bin ich dankbar für die bisherige Zusammenarbeit mit dem Ratsvorsitzenden der EKD. Es ist gut, dass wir noch einige Monate haben, in denen wir weiter ökumenische Fragen erörtern können. Nikolaus Schneider ist ein verlässlicher Brückenbauer in der Ökumene. Ich bin dem Ratsvorsitzenden für das vertrauensvolle Verhältnis dankbar. Mein Gebet wird ihn und seine Familie, vor allem seine Frau, begleiten."

Mit Betroffenheit und großem Respekt hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, die Rücktrittsankündigung aufgenommen. "Wir haben über viele Jahre sehr vertrauensvoll mit Nikolaus Schneider zusammengearbeitet. Dafür möchten wir ihm herzlich danken. Er war für uns stets ein aufrichtiger Partner im ökumenischen Dialog, nicht zuletzt bei der Vorbereitung und Durchführung des 2. Ökumenischen Kirchentags in München 2010. Er war für uns aber auch ein wichtiger Partner im Gespräch der Christen mit Gesellschaft und Politik, gerade in so wichtigen Fragen wie dem Schutz der Menschenwürde und der sozialen Gerechtigkeit", so Alois Glück. "Wir wünschen dem Ehepaar Schneider für die schwere, vor ihnen liegende Zeit viel Kraft aus dem Glauben  und Gottes Trost und Segen."

Auch der Zentralrat der Juden hat den überraschenden Rücktritt Schneiders bedauert. "Die Nachricht und die traurigen Umstände des Rücktritts des EKD-Ratsvorsitzenden habe ich mit tiefem Schmerz und mit sehr großer persönlicher Betroffenheit zur Kenntnis genommen", sagte Zentralratspräsident Dieter Graumann am Montag in Berlin.

Graumann verwies auf die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Schneider und dem Zentralrat der Juden. Schneider sei "stets ein verlässlicher Partner und wahrer Freund" gewesen, sagte er. Der Zentralrat der Juden hatte Schneider im vergangenen Jahr mit seinem höchsten Preis, dem Leo-Baeck-Preis, ausgezeichnet.

Zugleich äußerte Graumann großes Verständnis für die Entscheidung und zollte dem evangelischen Theologen Respekt. Der Zentralrat wünsche dem Ehepaar Schneider für die kommende Zeit viel Kraft und Zuversicht. "Unsere Gedanken und Gebete werden sie begleiten", sagte Graumann.

Auch die Bundesregierung hat angesichts des vorzeitigen Ausscheidens Schneiders großen Respekt geäußert. Man begleite die Entscheidung mit allen guten Wünschen für Schneider und seine Ehefrau, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

Anne und Nikolaus Schneider sind seit 1970 verheiratet. Das Paar lernte sich im Studium kennen. Während Anne Schneider Lehrerin für Religionen und Mathematik wurde, ging Nikolaus Schneider in den Pfarrdienst. Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor. Die dritte und jüngste Tochter Meike starb 2005 im Alter von 22 Jahren an Leukämie.


Quelle:
ekir , KNA , epd , DBK , ZdK