Ramelow setzt wegen der Lage in Thüringen auf Gottvertrauen

Wieder mit der Kirche versöhnt

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow ist nach eigenen Worten auch wegen eines persönlichen Schicksalsschlages wieder in die Kirche eingetreten. Als junger Mann sei er zunächst aus der evangelischen Kirche ausgetreten.

Bodo Ramelow / © Martin Schutt (dpa)
Bodo Ramelow / © Martin Schutt ( dpa )

Dies habe er getan, weil er "mit der Obrigkeit über Kreuz" gelegen habe, sagte der 68-Jährige. ."Mit der Amtskirche wollte ich damals nichts mehr zu tun haben."

Den Glauben habe er allerdings nicht verloren, und sich 1990 wieder mit der Kirche versöhnt. Damals habe er als Gewerkschaftssekretär in Erfurt angefangen. Dort sei eine Kirche gewesen, von der er geglaubt habe, dass er sie verloren habe. "Dazu kam eine persönliche Krise, mein Sohn war an Krebs erkrankt, da lernt man beten. Er hat es glücklicherweise gut überstanden."

Probleme sind menschengemacht

Auch angesichts der Situation vor der Landtagswahl in Thüringen im Herbst setze er auf Gottvertrauen, betonte Ramelow. "Thüringen ist ein unglaublich starkes Land. Diese Stärke besteht in materiellem, aber auch geistigem Reichtum. Wir haben menschengemachte Probleme, die können auch von Menschen wieder gelöst werden. Das meine ich mit Gottvertrauen."

Er halte nichts davon, Katastrophenstimmung zu verbreiten. "Es ärgert mich, wie gerade versucht wird, Deutschland kaputt zu reden, und in Thüringen erlebe ich das auch", so Ramelow. 

Mit Blick auf die hohen Zustimmungswerte für die AfD in seinem Bundesland sagte der Ministerpräsident, dass nach der Wahl einiges vorstellbar sei. "Rein rechnerisch auch eine Regierungsmehrheit aus CDU, Linken und dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Aber viel wichtiger, und das stimmt mich froh: Die AfD ist wieder unter 30 Prozent gesunken." 

Mehrheitsgesellschaft in die Pflicht nehmen

Er selbst lege sich derzeit nicht auf Modelle nach der Landtagswahl fest, sagte Ramelow. "Ich will aber die 70 Prozent jenseits der AfD politisch in die Pflicht nehmen. Wir sind die Mehrheit. Der Ehrgeiz muss sein, dass es eine handlungsfähige Regierung nach dem 1.

September gibt, mit einer eigenen Parlamentsmehrheit, die der AfD entgegentritt und den Bürgern zeigt: Wir lösen die Probleme." Der Verfassungsschutz stuft den Thüringer AfD-Landesverband als gesichert rechtsextremistisch ein.

Quelle:
KNA