Kommentar zur neuen Läuteordnung im Kölner Dom

"Prüft alles und behaltet das Gute!"

Ist der "Dicke Pitter", die Petersglocke des Kölner Doms, in Gefahr? Medien berichten, dass die größte Domglocke geschont werden und weniger läuten soll. Dahinter steckt ein größeres Konzept, das in großen Teilen sinnvoll ist, aber nicht ganz.

DOMRADIO.DE-Redakteur Jan Hendrik Stens (DR)
DOMRADIO.DE-Redakteur Jan Hendrik Stens / ( DR )

"Prüft alles und behaltet das Gute!" – Diese Mahnung des Apostels Paulus an die Gemeinde in Thessalonich kann auf vieles übertragen werden, auch auf eine Läuteordnung. Glocken in unterschiedlichen Kombinationen passend zum jeweiligen liturgischen Anlass einzusetzen, hat eine gute Tradition und bereichert in akustischer Weise das Kirchenjahr. Aber auch eine Läuteordnung muss ab und zu auf den Prüfstand gestellt werden, da sich Abläufe in der Gottesdienstordnung ändern, manches sich bewährt oder eben auch nicht bewährt hat.

Der Kölner Dom hat seine Läuteordnung zuletzt 1980 grundlegend neugefasst. Seitdem hat es jedoch immer wieder Änderungen und Ergänzungen gegeben, die allerdings eher geräuschlos umgesetzt wurden, wie auch die zum 1. Januar dieses Jahres in Kraft getretene Neufassung, über die am Freitag erstmals offiziell der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete. Diese berücksichtigt die reichhaltigen Kombinationsmöglichkeiten, die das Domgeläut gerade mit den kleineren Domglocken seit der Ergänzung durch die Josephsglocke bereits im Jahr 1990 hat. Neu ist aber auch die stärkere Einbeziehung der drei Glocken im Vierungsturm, die bislang vorwiegend getrennt vom Hauptgeläut im Südwestturm erklungen sind. Es wird vom Standort des Hörers abhängen, wie sehr sich beide Geläute nun akustisch zusammenfügen.

Der "Pitter" soll geschont werden

Ein nicht unwesentlicher Grund für die neue Läuteordnung des Kölner Domes ist allerdings der Wunsch, die Petersglocke mehr zu schonen, welche bereits einmal wegen unsachgemäßen Umgangs gesprungen war und geschweißt werden musste. Glocken sind Gebrauchsgegenstände, deren Nutzung mit einem gewissen Verschleiß einhergeht.

Da als maximale Schonung des Bestands eine schlichte Nicht-Nutzung die Alternative wäre, gilt es, hier die richtige Balance zwischen Nutzung und Schonung zu finden, zumal die Freunde des Kölner Domgeläuts weiterhin nicht nur ihre Petersglocke regelmäßig hören möchten. Ein erster – sogar der wichtigste – Schritt ist bereits mit dem Einbau eines leichteren Klöppels gemacht, nachdem der Vorgänger gebrochen war. Weitere Möglichkeiten sind eine Reduzierung der Einsätze sowie der Läutedauer. Von beidem macht die neue Läuteordnung Gebrauch.

Kürzer und seltener

Während die Verkürzung des Vorläutens von zehn auf fünf Minuten für den Hörer verkraftbar ist, schmerzt die neue Regel, nach der die Petersglocke abgeschaltet werden soll, sobald sich das Plenum aufgebaut hat, doch sehr. Musikalisch wird auf diese Weise dem Domgeläut nach kurzer Zeit der Boden unter den Füßen weggezogen. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Punkt der ansonsten recht gelungenen Überarbeitung der Läuteordnung noch einmal überdacht wird.

Alternativen, die Läutezeit der Petersglocke zu verkürzen, gibt es genug: Eine wäre, das Plenum mit der kleinsten Glocke zu beginnen und die Petersglocke als letzte hinzutreten zu lassen. Dies käme zwar in der jahrzehntelangen Läutepraxis am Kölner Dom – bei den großen Läuteanlässen wird immer von groß nach klein eingeschaltet – einer akustischen Revolution gleich, ließe aber gerade in der Phase des Anläutens die kleineren Domglocken besser zur Geltung kommen und das Hinzutreten der Petersglocke zum Höhepunkt werden.

Jan Hendrik Stens

Zum Autor: Jan Hendrik Stens ist Redakteur bei DOMRADIO.DE und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Glockenmuseums e.V.

Jan Hendrik Stens / © Gerd Lödige (DR)
Jan Hendrik Stens / © Gerd Lödige ( DR )
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