In Jerusalem droht nach Worten des jordanischen Prinzen Hassan bin Talal ein historisches Gleichgewicht des Zusammenlebens durch Gewalt und Exklusivitätsansprüche auseinanderzubrechen.
Diese Veränderung müsse alle beunruhigen, “denen die Integrität Jerusalems, die Heiligkeit religiöser Anlässe und die Erhaltung des gemeinsamen Raums am Herzen liegen”, schreibt der Orientalist und Philanthrop in einem Beitrag für den Think Tank “Modern Diplomacy”. Nennenswerte Versuche, die Veränderungen zu stoppen, gebe es nicht.
Einst habe bei den sich die Stadt teilenden Gemeinschaften die Erkenntnis geherrscht, dass Jerusalem “ein sensibler Ort” sei, der eine Einhaltung der als “Status quo” bekannt gewordenen Regeln erfordere, so bin Talal. Zunehmend würden jedoch der Glaube politisch instrumentalisiert und heilige Stätten zu Konfrontationsschauplätzen.
Die Stadt definiere sich mehr und mehr durch sichtbare und unsichtbare Grenzen, wie Absperrungen und diskriminierende Zugangsbestimmungen, während der gemeinsame Raum immer kleiner werde, in dem sich “alle auf Augenhöhe, in Freiheit und Würde begegnen können”.
Angst statt Vorfreude
Der als Vorreiter des Dialogs bekannte Bruder des verstorbenen jordanischen Königs Hussein machte die Entwicklungen unter anderem an der Stimmung in der Stadt vor dem islamischen Fastenmonat Ramadan fest. Aus Vorfreude würde zunehmen Angst.
Die Zeit der Besinnung und des familiären Zusammenseins werde zunehmend mit Spannungen und Gewalt in Verbindung gebracht. Bin Talal verwies auf die Bedeutung des Tempelbergs für Muslime weltweit, die im Ramadan zusätzlich verstärkt werde. Jede Störung finde Resonanz in der muslimischen Welt.
Der Jordanier forderte eine Rückkehr zum Status quo, der basierend auf Vertrauen, Kontinuität und Respekt “den heiligen Raum vor Triumphalismus, Provokation und Entweihung” schütze. Besonders forderte er eine Rückkehr zu dem Grundsatz, dass Muslime an der heiligen Stätte beten, Nicht-Muslime den Ort besuchen könnten. Jerusalems heilige Stätten dürften nicht als Krisenherde und die Stadt nicht als ein zu lösendes Problem betrachtet werden, so der Prinz. Jerusalem sei “in erster Linie eine moralische Verpflichtung”, die von allen geteilt wird.