Prinz warnt vor dem Zerbrechen des Status quo in Jerusalem

"Jerusalem ist eine moralische Verpflichtung"

Jerusalem darf nicht als Problem behandelt werden, das es zu lösen gilt. Das fordert der jordanische Prinz Hassan bin Talal, ein Befürworter des Dialogs in dieser Region. Die Stadt dürfe nicht aus dem Gleichgewicht kommen, mahnt er.

Blick auf die Altstadt von Jerusalem / © JekLi (shutterstock)
Blick auf die Altstadt von Jerusalem / © JekLi ( shutterstock )

In Jerusalem droht nach Worten des jordanischen Prinzen Hassan bin Talal ein historisches Gleichgewicht des Zusammenlebens durch Gewalt und Exklusivitätsansprüche auseinanderzubrechen. 

Diese Veränderung müsse alle beunruhigen, “denen die Integrität Jerusalems, die Heiligkeit religiöser Anlässe und die Erhaltung des gemeinsamen Raums am Herzen liegen”, schreibt der Orientalist und Philanthrop in einem Beitrag für den Think Tank “Modern Diplomacy”. Nennenswerte Versuche, die Veränderungen zu stoppen, gebe es nicht.

Papst Franziskus empfängt Prinz El Hassan Bin Talal von Jordanien am 1. Dezember 2022 im Vatikan zu einer Privataudienz. / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus empfängt Prinz El Hassan Bin Talal von Jordanien am 1. Dezember 2022 im Vatikan zu einer Privataudienz. / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )
Archivbild: Papst Franziskus empfängt Prinz El Hassan Bin Talal von Jordanien am 1. Dezember 2022 im Vatikan zu einer Privataudienz

Einst habe bei den sich die Stadt teilenden Gemeinschaften die Erkenntnis geherrscht, dass Jerusalem “ein sensibler Ort” sei, der eine Einhaltung der als “Status quo” bekannt gewordenen Regeln erfordere, so bin Talal. Zunehmend würden jedoch der Glaube politisch instrumentalisiert und heilige Stätten zu Konfrontationsschauplätzen. 

Die Stadt definiere sich mehr und mehr durch sichtbare und unsichtbare Grenzen, wie Absperrungen und diskriminierende Zugangsbestimmungen, während der gemeinsame Raum immer kleiner werde, in dem sich “alle auf Augenhöhe, in Freiheit und Würde begegnen können”.

Angst statt Vorfreude

Der als Vorreiter des Dialogs bekannte Bruder des verstorbenen jordanischen Königs Hussein machte die Entwicklungen unter anderem an der Stimmung in der Stadt vor dem islamischen Fastenmonat Ramadan fest. Aus Vorfreude würde zunehmen Angst. 

Die Zeit der Besinnung und des familiären Zusammenseins werde zunehmend mit Spannungen und Gewalt in Verbindung gebracht. Bin Talal verwies auf die Bedeutung des Tempelbergs für Muslime weltweit, die im Ramadan zusätzlich verstärkt werde. Jede Störung finde Resonanz in der muslimischen Welt.

Der Jordanier forderte eine Rückkehr zum Status quo, der basierend auf Vertrauen, Kontinuität und Respekt “den heiligen Raum vor Triumphalismus, Provokation und Entweihung” schütze. Besonders forderte er eine Rückkehr zu dem Grundsatz, dass Muslime an der heiligen Stätte beten, Nicht-Muslime den Ort besuchen könnten. Jerusalems heilige Stätten dürften nicht als Krisenherde und die Stadt nicht als ein zu lösendes Problem betrachtet werden, so der Prinz. Jerusalem sei “in erster Linie eine moralische Verpflichtung”, die von allen geteilt wird.

Interreligiöser Dialog

Der interreligiöse Dialog ist der katholischen Kirche ein wichtiges Anliegen. Sie versteht darunter alle positiven Beziehungen mit Personen und Gemeinschaften anderen Glaubens, um sich gegenseitig zu verstehen und einander zu bereichern. Im Dialog geben die Gläubigen Zeugnis von der Wahrheit ihres Glaubens im Respekt vor der religiösen Überzeugung des Anderen. So gehören Dialog und Verkündigung zusammen.

Der interreligiöse Dialog wird auf unterschiedlichen Ebenen vollzogen:

Symbolbild: Interreligiöser Dialog / © godongphoto (shutterstock)
Symbolbild: Interreligiöser Dialog / © godongphoto ( shutterstock )
Quelle:
KNA