Priestermangel laut Zulehner nicht entscheidend für Zukunft

"Bewährte Personen" aus der Mitte der Gemeinde

Die Zukunft der Kirche wird sich nach den Worten des Wiener Theologen Paul Zulehner "nicht am Priestermangel entscheiden". Er glaubt, dass es neue Modelle der Berufung aus der Gemeinde heraus mit "personae probatae" geben wird.

Paul Zulehner / © Lukas Ilgner (KNA)
Paul Zulehner / © Lukas Ilgner ( KNA )

Das Priesteramt habe insofern Zukunft, als es weiterhin "Bestellte" brauche, die dafür einstehen, dass eine Gemeinde in der "Treue zum Evangelium" bleibe und als "Nachfolgegemeinschaft im Verbund mit der Kirche bleibt", so der Wiener Theologen Paul Zulehner in einem Gastbeitrag in der Linzer "KirchenZeitung". Für diesen "Dienst der Spurtreuesicherung" und auch der "prophetischen Widerrede" brauche es "Ordinierte".

In der Linie einer synodalen Kirche

Zugleich müsse die Frage gestellt werden, woher diese "Bestellten" kommen, so der Pastoraltheologe. Hier zeigte sich Zulehner zuversichtlich, dass künftig Modelle der Berufung aus den Gemeinden selbst heraus immer bedeutender würden.

Seine Vision: "Gläubige Gemeinden werden künftig 'personae probatae' ('Bewährte Personen', Anm. d. Red.) aufspüren: Personen, die mit dem Evangelium randvoll sowie im Gemeindeleben erfahren sind: Frauen wie Männer. Ausreichend vielen wird die Kirche die Hand auflegen."

In der Linie einer synodalen Kirche

Eine solche Ordination führe nicht zu einer höheren Würde oder bediene keinen Klerikalismus, sondern stehe ganz in der Linie einer synodalen Kirche: "Ordinierte handeln synodal, nicht klerikal", so Zulehner.

An diesen neuen Ordinierten werde es liegen, der "Jesusbewegung" neue Fahrt zu verleihen und Menschen um sich zu sammeln. Als "untaugliche Begriffe" bezeichnete Zulehner in diesem Kontext die übliche Unterscheidung von Priestern und Laien.

"Besser ist es, von 'Hinzugefügten' und darunter 'Ordinierten' zu sprechen. 'Laien' als Mitglied des Volkes Gottes sind sie alle." Vorstehen würden die aus einer Gemeinde hervorgebrachten Ordinierten "nur faktisch, nicht zwingend", so Zulehners Vision weiter: "Immer ist es die ganze Gemeinde, welche die Liturgien feiert und der im wünschenswerten Normalfall ein Ordinierter vorsteht."

Zahlen und Fakten zur Priesterausbildung in Deutschland

Nach Angaben des Katholisch-Theologischen Fakultätentags bestehen in Deutschland insgesamt 18 Theologische Fakultäten beziehungsweise Fachbereiche an staatlichen Universitäten oder in kirchlicher Trägerschaft. Dazu kommen 33 Institute für Katholische Theologie zur Ausbildung von Religionslehrern an staatlichen Hochschulen.

Symbolbild Unterricht im Priesterseminar / © Maria Irl (KNA)

Quelle:
KNA