Priester-Ausbilder im Bistum Münster gibt Priesterberuf auf

Entscheidung "nicht im Groll getroffen"

Ein Priester-Ausbilder aus dem Bistum Münster hängt seine Tätigkeit als Priester an den Nagel. Der stellvertretende Leiter des Priesterseminars Borromaeum werde einen Beruf außerhalb der Kirche erproben, hieß es aus dem Bistum.

 Priesterseminar in Münster
 / © Benedikt Plesker (KNA)
Priesterseminar in Münster / © Benedikt Plesker ( KNA )

Der Münsteraner Bischof Felix Genn habe den stellvertretenden Leiter des Priesterseminars Borromaeum, Subregens Holger Ungruhe, mit Ablauf des 14. August "bis auf weiteres und auf dessen eigenen Wunsch vom priesterlichen Dienst entpflichtet", wie die Diözese der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch bestätigte. "Herr Ungruhe möchte sich in einer anderen beruflichen Tätigkeit erproben."

Felix Genn, Bischof von Münster / © Harald Oppitz (KNA)
Felix Genn, Bischof von Münster / © Harald Oppitz ( KNA )

Neue Tätigkeit außerhalb der Kirche

Auf seiner Internetseite informiert das Priesterseminar darüber, dass sich der Geistliche, der auch Domvikar in Münster ist, "mit Ablauf des Sommersemesters von der Hausgemeinschaft verabschiedet" habe. Er nehme "auf eigenen Wunsch eine Tätigkeit außerhalb des kirchlichen Bereichs auf". Zuvor habe er sich bereits eine Auszeit genommen.

Das Online-Portal kirche-und-leben.de berichtete von einer persönlichen Mail des 38-Jährigen an Freunde und Bekannte, die der Redaktion vorliegt. Darin schreibe Ungruhe, er habe seine Entscheidung "nicht im Groll getroffen". Zwar werde die Kirche "momentan zu Recht kritisiert", er habe jedoch "stets Wohlwollen und Unterstützung erfahren".

Mitte Mai hatte der bisherige Verwaltungschef des Bistums Speyer, Andreas Sturm, mit seinem Rücktritt für Aufsehen gesorgt. Er schied als damaliger Generalvikar aus dem Dienst aus, um sich der altkatholischen Kirche anzuschließen. Als Begründung hatte Sturm angegeben, dass er "im Lauf der Jahre Hoffnung und Zuversicht verloren hat, dass die römisch-katholische Kirche sich wirklich wandeln kann".

Seit zwei Jahren Subregens

Ungruhe empfing laut Borromaeum im Jahr 2011 die Priesterweihe. Nach einer Tätigkeit als Kaplan in Cloppenburg arbeitete er in der Jugendseelsorge im Oldenburger Münsterland.

Ab 2019 entwickelte er ein neues Konzept für die Berufungspastoral und wechselte als Leiter der Jugendkirche nach Münster. Ab September 2020 war der gebürtige Ahauser Subregens am Borromaeum.

Voraussetzungen für die Priesterausbildung

Grundsätzlich kann jeder zum Priester geweiht werden, der männlich, katholisch und unverheiratet ist. Wenn er von Gott dazu berufen ist. Ob jemand berufen ist, entscheidet jedoch nicht der Einzelne selbst. Drei Aspekte entscheiden zusammen darüber, ob jemand tatsächlich berufen ist: die Neigung, die Eignung, und die Annahme durch die Kirche.

Symbolbild Unterricht im Priesterseminar / © Maria Irl (KNA)
Symbolbild Unterricht im Priesterseminar / © Maria Irl ( KNA )
Quelle:
KNA