DOMRADIO.DE: Was ist Karneval für Sie?
Alex Vesper (Bläck Fööss, Schlagzeug und Gesang): Karneval ist die außergewöhnlichste Zeit des Jahres. Was in dieser Stadt ab dem 11.11. – mit kurzer Unterbrechung in der Weihnachtszeit – los ist, ist unbeschreiblich. Das gibt es auch sonst nicht nochmal.
DOMRADIO.DE: Das Karnevalssessionsmotto lautet "Mer dun et för Kölle", also "Wir machen es für Köln". Dabei geht es ums Ehrenamt. Was bedeutet Ehrenamt für Sie?
Vesper: Das ist ein ganz wichtiger Pfeiler der Gesellschaft. In der Session wird oft gefragt, wer sich denn ehrenamtlich engagiert. Da sieht man bei vielen Leuten im Karnevalssaal die Hände hochgehen. Gerade für den Karneval ist das eine wichtige Säule. Ohne Ehrenamtliche ginge da nichts.
DOMRADIO.DE: Die Bläck Fööss spielen regelmäßig Benefizkonzerte. Gibt es ein Konzert, von dem Sie sagen, dass es besonders im Kopf geblieben ist?
Vesper: Wir geben viele Benefizkonzerte. Wir spielen in Seniorenheimen, wir spielen in Pfarrgemeinden, wir spielen in Krankenhäusern. Ich würde Unrecht tun, eines davon hervorzuheben. Es ist egal, ob alt, jung, krank, klein, groß oder ob in der Kinderpsychiatrie. Ich habe nach jedem Gig etwas für mich mitgenommen. Denn ich sehe da, dass wir Freude bereitet haben und dass wir genau das Richtige gemacht haben.
DOMRADIO.DE: Fühlt sich solch ein Auftritt anders an als auf einer großen Bühne?
Vesper: Natürlich, man geht dort mit einer anderen Erwartungshaltung rein. Man wird oft unheimlich zuvorkommend behandelt und freut sich sehr, dass man da ist. Das ist im Karneval manchmal nicht gang und gäbe. Dort jedoch wird man herzlich empfangen und man sieht an den strahlenden Gesichtern der Menschen sofort eine Rückmeldung. Das macht großen Spaß.
DOMRADIO.DE: Sie sind viel in Köln unterwegs. Ist Ihnen dabei ein Ehrenamt untergekommen, das besonders unter dem Radar läuft?
Vesper: Ich bin nicht besonders sportlich. Wenn ich aber sehe, wie viel beispielsweise beim Fußball mit Schiedsrichter, Trikotwart oder durch Fahrgemeinschaften unentgeltlich in Bewegung gesetzt wird, dann finde ich das großartig. Ebenfalls, wenn ich sehe, wie sich Bürger zusammenschließen und die Stadt sauber machen, oder wenn sich Gemeinschaften bilden, die sich um Kinder kümmern. Zu tun gibt es ohne Ende.
DOMRADIO.DE: Vor ein paar Monaten haben Sie zu 777 Jahre Kölner Dom und 77 Jahre 1. FC Köln im Dom gespielt. Mit "Dreimol Sibbe" hat Ihre Band dem Dom gar ein Lied gewidmet. Was bedeutet der Kölner Dom für Sie?
Vesper: Wenn ich vom Bahnhof komme und dort entlanglaufe oder wenn ich über den Rhein zum Büro gehe, dann bleibe ich immer nochmal kurz stehen. Ich schaue hoch und fasse es nicht, was das für ein imposantes Bauwerk ist. Dass wir da spielen durften, ist eine Riesenehre. Es war ein ganz besonderer Tag für uns alle.
DOMRADIO.DE: Welches Hobby machen Sie am liebsten, wenn Sie trotz Auftritten dazu kommen?
Vesper: Schlagzeugspielen. Mein Beruf ist Musiker, mein Hobby ist Schlagzeugspielen. Ich liebe das über alles.
Das Interview führte Moritz Mayer.