Präses Heinrich setzt Hoffnung in neues Beteiligungsforum

Eine große Chance

Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Anna-Nicole Heinrich, setzt große Hoffnungen in das neu geschaffene Beteiligungsforum gegen sexualisierte Gewalt. Das Gremium nimmt an diesem Freitag seine Arbeit auf.

Anna-Nicole Heinrich / © Heike Lyding (epd)
Anna-Nicole Heinrich / © Heike Lyding ( epd )

"Für die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und für Maßnahmen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt ist die Beteiligung Betroffener unverzichtbar und entscheidend", sagte Heinrich dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND/Freitag).

"Im Beteiligungsforum sitzen wir alle gemeinsam an einem Tisch." Es gebe nicht mehr Beauftragtenrat und Betroffenenbeirat, sondern ein gemeinsames Forum, "das verbindlich an allen Entscheidungen zum Umgang mit sexualisierter Gewalt mitwirkt". Das sei eine große Chance.

Gremium nimmt Arbeit auf

Das neu geschaffene Beteiligungsforum der EKD nimmt am Freitag seine Arbeit auf. Ziel ist es, dass Betroffene sexualisierter Gewalt künftig mit über den Umgang mit Missbrauchsfällen entscheiden. In dem Beteiligungsforum beraten Betroffene, Bischöfe und weitere kirchliche Beauftragte gemeinsam.

Ein Stuhl steht in einer dunklen Kirche am 28. September 2021 in Köln. Symbolfoto: Missbrauchsaufklärung / © Harald Oppitz (KNA)
Ein Stuhl steht in einer dunklen Kirche am 28. September 2021 in Köln. Symbolfoto: Missbrauchsaufklärung / © Harald Oppitz ( KNA )

Dem Forum gehören acht Betroffene sowie neun Vertreter und Vertreterinnen der institutionellen Seite an, darunter leitende Geistliche und Juristen sowie die Präses der EKD-Synode, Heinrich. Für einen Beschluss des Gremiums wird nach EKD-Angaben künftig sowohl eine Mehrheit unter den Betroffenen als auch unter den kirchlichen Vertretern notwendig sein.

Betroffene äußern sich zuversichtlich

Auch der Sprecher der acht Betroffenen-Vertreter, Detlev Zander, äußerte sich zuversichtlich. "Wir sind nicht mehr beratend dabei, sondern gestaltend", sagte er dem RND. "Wir erarbeiten Vorlagen, über die die Kirchenkonferenz, die Synode und der Rat der EKD entscheiden müssen."

Symbolbild Missbrauch: Teddybär in einer Kirchenbank / © Harald Oppitz (KNA)
Symbolbild Missbrauch: Teddybär in einer Kirchenbank / © Harald Oppitz ( KNA )

Jetzt säßen alle Entscheidungsträger zusammen. "Die EKD musste Macht und Deutungshoheit abgeben." Das Beteiligungsforum könne ein Meilenstein werden und "künftig als Blaupause dienen".

Eine frühere Form zur Beteiligung Betroffener bei der Aufarbeitung und Prävention von Missbrauch in der evangelischen Kirche war gescheitert, unter anderem weil die Betroffenen kritisiert hatten, nicht auf Augenhöhe mitreden und mitentscheiden zu können. Ein zunächst gegründeter zwölfköpfiger Betroffenenbeirat wurde im vergangenen Jahr aufgelöst. Seitdem hatte die EKD nach einer neuen Form gesucht.

Evangelische Kirche in Deutschland

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist die Gemeinschaft der 20 evangelischen Landeskirchen in der Bundesrepublik mit derzeit 20,7 Millionen Protestanten. Wichtigste Leitungsgremien sind die EKD-Synode mit 120 Mitgliedern, die Kirchenkonferenz mit Vertretern der Landeskirchen sowie der aus 15 ehrenamtlichen Mitgliedern bestehende Rat. Ratsvorsitzende ist Annette Kurschus. Sitz des EKD-Kirchenamtes ist Hannover.

Festgottesdienst auf dem Evangelischen Kirchentag 2019 / © Harald Oppitz (KNA)
Festgottesdienst auf dem Evangelischen Kirchentag 2019 / © Harald Oppitz ( KNA )

 

Quelle:
epd