Evangelische Kirche startet Beteiligungsformat zu Missbrauch

"Dazu haben wir uns verpflichtet"

Die Evangelische Kirche in Deutschland will künftig bei allen Entscheidungen zum Umgang mit Missbrauchsfällen Betroffene einbeziehen. Dazu wird das Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt zum 1. Juli seine Arbeit aufnehmen.

Annette Kurschus / © Sina Schuldt (dpa)
Annette Kurschus / © Sina Schuldt ( dpa )

Das teilte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Dienstag in Hannover mit. Das Gremium werde eigene Impulse setzen und Beschlussvorschläge erarbeiten, die dann in Rat, Kirchenkonferenz oder Synode eingebracht werden.

Die Mitwirkung des Forums sei verbindlich: "Jede kirchenpolitische Entscheidung zum Umgang mit sexualisierter Gewalt erfolgt durch Partizipation Betroffener im Rahmen des Beteiligungsforums", erklärte die EKD. Das neue Beteiligungsforum setze sich aus Mitgliedern des ehemaligen Betroffenenbeirates und kirchlichen Beauftragten zusammen.

Kurschus spricht von unverzichtbarem Schritt

Der Sprecher der Gruppe der Betroffenen im Beteiligungsforum, Detlev Zander, betonte: "Die EKD hat damit ihre Deutungshoheit aufgegeben. Die Betroffenen haben jetzt die Möglichkeit konkret ihre Belange einzubringen, Maßnahmen mitzugestalten, und die Wirksamkeit zu überwachen."

"Die direkte Beteiligung von Betroffenen für die Aufarbeitung und den Schutz vor sexualisierter Gewalt ist für die evangelische Kirche unverzichtbar", sagte die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus. Mit der Einsetzung des Beteiligungsforums sei ein entscheidender Schritt gelungen, weg von einem beratenden Beiratsmodell, hin zu einer konkreten und verbindlichen Mitwirkung von Betroffenen. "Dazu haben wir uns mit der Einsetzung verpflichtet", so Kurschus.

Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist die Gemeinschaft der 20 evangelischen Landeskirchen in der Bundesrepublik mit rund 21 Millionen Protestanten. Wichtigste Leitungsgremien sind die EKD-Synode mit 120 Mitgliedern, die Kirchenkonferenz mit Vertretern der Landeskirchen sowie der aus 15 ehrenamtlichen Mitgliedern bestehende Rat. Ratsvorsitzende ist Anette Kurschus, die zuletzt Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen war. Die EKD wurde 1945 als Zusammenschluss lutherischer, reformierter und unierter Landeskirchen ins Leben gerufen.

Martin Luther Denkmal auf dem Marktplatz in Wittenberg / © Martin Jehnichen (KNA)
Martin Luther Denkmal auf dem Marktplatz in Wittenberg / © Martin Jehnichen ( KNA )

Quelle:
KNA