Prälat Jüsten zur Konstituierung des Bundestages

Soziales in den Mittelpunkt rücken

Der Leiter des katholischen Büros in Berlin, Prälat Karl Jüsten, hat an diesem Dienstag vor den Abgeordneten des künftigen Bundestags gepredigt. Wichtig sei für die Kirche auch in Zukunft, bei sozialen Fragen fraktionsübergreifend Gehör zu finden.

Der Bundestagssaal / © Markus Nowak (KNA)
Der Bundestagssaal / © Markus Nowak ( KNA )

domradio.de: Sie arbeiten ja an der Verbindungsstelle der Deutschen Bischofskonferenz zur Politik. Was ist Ihnen denn thematisch besonders wichtig in diesem Gottesdienst?

Prälat Karl Jüsten (Leiter des katholischen Büros in Berlin): Mein erster Gedanke ist natürlich bei den neugewählten Abgeordneten, denn die haben eine sehr wichtige Aufgabe. Deshalb ist es wichtig, dass wir für sie beten, damit sie ihr Amt gut ausführen - zum Wohle unseres Volkes, zum Wohle der Menschen, die hier bei uns leben. Das zweite ist, dass wir denjenigen danken, die das in der vergangenen Legislaturperiode gemacht haben. Ich finde, von den Ergebnissen her kann sich die letzte Legislaturperiode auch sehen lassen. Und dann will ich natürlich den Neugewählten auch gratulieren und Gottes Segen wünschen.

domradio.de: Ein ganz großes Thema ist auch der Umgang mit der AfD. Mehr als 10.000 Menschen haben in Berlin demonstriert - einen symbolischen Schutzring um das Parlament gebildet. Wie gehen Sie mit diesem Thema um?

Jüsten: Heute morgen sind sie natürlich selbstverständlich zum Gottesdienst eingeladen - da schließen wir Kirchen ja keinen Menschen aus. Es haben auch einige zugesagt, zu kommen.

Die nächste Frage, die sich dann heute stellen wird: Wie wird es bei der Konstitutierung des neuen Bundestags sein? Da gibt es ja jetzt schon Streit im Vorfeld: Wer wird Präsident, wer wird Vizepräsident, wer wählt wo wie wen? Das finde ich aber alles ganz normal. In einer Demokratie, wo Wahlämter zu vergeben sind, dürfen auch Abgeordnete sagen: Den oder die möchte ich nicht wählen. Also, diese Aufregung, die da im Vorfeld erzeugt wird, kann ich ehrlich gesagt nicht ganz verstehen. Es wird sich sicher auch in den Reihen der AfD jemand finden, der die Mehrheit aller Stimmen im Deutschen Bundestag hinter sich vereinigt. Problematisch fände ich es, wenn sie ein Amt verweigert bekommen würden. Und das sehe ich nicht.

domradio.de: Sie beobachten ja für die deutschen Bischöfe auch Gesetzgebungsvorhaben des Bundes, sind ganz nah dran an den politischen Entscheidungen. Glauben Sie denn, Sie werden als Kirche in diesem Bundestag Gehör finden?

Jüsten: Ja. Wir haben ja gute Anliegen. Und, wenn unsere Anliegen gut sind, finden wir über die Fraktionsgrenzen hinweg in der Regel bei allen offene Ohren für unsere Anliegen. Entscheidend ist natürlich immer, dass man bei der Mehrheit Gehör findet. Es zeichnet sich ja im Augenblick ab, dass wir eine Jamaika-Koalition bekommen.

Es ist natürlich ein bisschen mühsamer, wenn wir Gespräche mit drei Fraktionen führen müssen, statt mit zwei. Aber, da wir gute Kontakte in alle Fraktionen hinein haben, glaube ich, dass das auch gelingen wird. Inhaltlich wird man natürlich sehen, was die Koalition möchte. Wir sind ja immer sehr stark an den sozialen Fragen interessiert. Und da wollen wir gucken, ob wir bei der künftigen Regierung auch unsere Anliegen anbringen können.

Das Interview führte Verena Tröster.


Prälat Karl Jüsten (KNA)
Prälat Karl Jüsten / ( KNA )
Quelle:
DR