Die Messvertonung "Missa pro pueris et puellis" von Christian Matthias Heiß erklingt in dem Pontifikalamt ebenso wie Werke von u. a. Felix Mendelssohn Bartholdy und Oliver Sperling.
Im Evangelium am Ostersonntag steht natürlich die Nachricht von der Auferstehung Jesu nach seinem Kreuzestod im Zentrum.
Aus dem Evangelium zum Ostersonntag nach Johannes
Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.
Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein, er sah und glaubte. Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück. Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen.
Jesus sagte zur ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte. (Joh 20,1-18)
Homilie zum Osterfest von Bischof Dr. Peter Kohlgraf, Mainz
Frau, warum weinst du?
Das will der Mann wissen, den Maria von Magdala für den Gärtner hält. Er muss doch wissen, was geschehen ist und wer dort im Grab liegen soll. Der heilige Augustinus als einer der großen frühchristlichen Theologen hat sich darüber Gedanken gemacht. Noch stärker als die Trauer über den gewaltsamen Tod scheint die Trauer darüber zu sein, dass es noch nicht einmal mehr den Leichnam, d. h. die Erinnerung an ihren Freund, gibt. Er ist tot und endgültig weg. Daher bleibt sie am Ort des Grabes. Das Grab ist der einzige Ort, der sie noch an Jesus erinnert. Kein einziges Erinnerungszeichen bleibt zurück.
Bereits die beiden Engel im Grab hatten die gleiche Frage gestellt: „Frau, warum weinst du?“ Es gab keinen Ort der Trauer für sie, keine Hoffnung, keine berührbare Erinnerung, die sie ins Leben mitnehmen konnte. Jesus gibt sich Maria zu erkennen und sie darf ihn nicht festhalten, weil er zum Vater geht. Dort wird er immer für die Menschen da sein. Er bleibt bei den Menschen, indem er zum Vater geht.
Augustinus nennt als stärksten bleibenden Berührungspunkt zwischen dem Auferstandenen und Maria von Magdala die Liebe. Diese Frau habe eine stärkere Liebe zu Jesus gehabt als die Männer, die dann wieder vom Grab weggehen. Diese wenigen Hinweise geben uns eine Ahnung davon, dass Auferstehung nicht einfach bedeutet, ins irdische Leben zurückzukehren. Jesus lebt nicht einfach so weiter, er geht in eine neue Nähe zu den Menschen, die nur die Person ahnen kann, die ihm in Liebe und Freundschaft verbunden ist. Maria wird zur ersten Botin der Auferstehung und des neuen Lebens. Die Apostel lernen den Glauben von ihr, der Frau, die mehr lieben konnte als sie.
„Frau, warum weinst du?“ – es sind nicht nur Tränen der Trauer, sondern auch Tränen der Sehnsucht (siehe dazu Ronchi, wie unten angegeben, S. 135–150). Jesus sagt nicht einfach: „Hör auf zu weinen!“ – er will ihr zuhören, ihr nahe sein, und „teilhaben an dem, was sie durchlebt“ (ebd. 138). Er nimmt ihre Tränen, ihre Sehnsucht, ihre Freundschaft und Liebe an. Wo ein Mensch eine Sehnsucht nach Gemeinschaft, Freundschaft und dauerhafter Liebe hat, bleibt der Auferstandene mit tiefem Interesse bei ihm. Ich darf auch mich ansprechen lassen: „Warum weinst du, wen suchst du?“, du, Peter Kohlgraf, Bischof von Mainz. Ich darf diesen Freund an meiner Seite wissen. Er hat Interesse an meiner Sehnsucht nach Liebe und Freundschaft. Wir alle dürfen uns persönlich angesprochen wissen: „Menschheit, warum weinst du?“ Wie viele Tränen werden auf dieser Erde geweint, von Menschen in den Kriegsgebieten, den Hungernden, den Geflüchteten und so vielen anderen. Die Frage des Auferstandenen ist nicht zynisch gemeint, als stünde er über diesem Leid. Er will in die Geschichte der vielen Menschen eintauchen, in ihre Trauer, in ihren Schmerz und vielleicht auch in ihre bleibende Hoffnung.
„Die himmlischen Archive sind nicht gefüllt mit den Sünden der Menschen; vielmehr werden dort ihre Tränen aufbewahrt.“ (ebd. 140) Diesen schönen Gedanken finde ich in einem Buch. Gott speichert nicht unsere Sünden, sondern unsere Tränen, unsere Sehnsucht, unser Suchen nach Freundschaft, Liebe und Frieden. Am Ende wird es geschehen, wie es in der Schrift heißt: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.“ (Offb 21, 4 f.) Was sich hier im letzten Buch des Neuen Testamentes findet, ist bereits die große Friedenshoffnung des Propheten Jesaja. Das ist meine letzte und wichtigste österliche Hoffnung: Die Tränen sind gezählt, am Ende werden sie abgewischt und es wird Leben und Freude in Fülle geben. Jesaja verbindet damit sogar die Hoffnung auf einen endgültigen Frieden, an dessen Gestaltung wir alle schon jetzt mitwirken sollen.
Wer sind diese bemerkenswerten Engel im Grab, die genau die gleiche Frage stellen wie Jesus? Könnte es sein, dass wir die Aufgabe dieser Engel übernehmen sollen? Paulus fordert von seiner Gemeinde in Rom, sich mit den Fröhlichen zu freuen und mit den Weinenden zu weinen (Röm 12, 15). Es geht um mehr als um Mitleid, wobei es schon viel wäre, wenn wir Jüngerinnen und Jünger Jesu Freuden und Leiden der Menschen wahrnehmen würden. Wie der Auferstandene sollen wir die Tränen sehen, die Sehnsüchte wahrnehmen, Menschen begleiten und verstehen wollen. Wir sollen nicht weglaufen oder verurteilen. Der auferstandene Christus fragt nicht nach den Ursachen der vielen Tränen, sondern er entsendet uns, um die Ursachen der Tränen zu beseitigen – im Rahmen unserer Möglichkeiten. Das ist der tiefste Sinn, die Kirche als Sakrament zu bezeichnen, als Werkzeug, die Nähe des Auferstandenen zu vermitteln.
Das österliche Evangelium weist uns als Kirche unmissverständlich darauf hin, dass Jesus keinen x-beliebigen Verein gegründet hat, sondern eine Gemeinschaft, die sich vom Auferstandenen aus dem Grab zu den Menschen unserer Zeit senden lässt. Diese Gemeinschaft ist für all jene da, die Zuwendung benötigen, die sich nach einer Welt sehnen, in der wir die Hoffnung auf Frieden nicht aufgeben, die fähig ist, mitzufühlen, mitzufreuen und notfalls auch Tränen zu trocknen. Das können wir, mit allen Begrenzungen, denn auch unsere Leiden und Freuden sind in Christus geborgen. Ich wünsche uns allen, dass wir Menschen bleiben, die nicht weglaufen, sondern verändern, Menschen der Hoffnung und der Zuwendung.
Zum Weiterlesen: Ermes Ronchi, Die nackten Fragen des Evangeliums, München: Verlag Neue Stadt, 2. Auflage 2017, 192 Seiten.