Politiker Laschet hält "Fastenpredigt" in Maria Laach

"Die Gesellschaft erwartet mehr von Kirche"

Während der Fastenzeit halten Prominente in der Benediktinerabtei Maria Laach die traditionellen "Fastenpredigten", so auch am 28. Februar der CDU-Politiker Armin Laschet. Die Vorbereitung darauf unterscheidet sich zu normalen Reden.

Armin Laschet / © Guido Kirchner (dpa)
Armin Laschet / © Guido Kirchner ( dpa )

DOMRADIO.DE: Was bedeutet es Ihnen, in einer Klosterkirche zu predigen?

Armin Laschet (CDU-Politiker und früherer NRW-Ministerpräsident): Die "Fastenpredigt" ist eine alte Tradition, bei der nicht diejenigen predigen, die immer predigen, sondern bei der man externe Gäste, wie Nicht-Theologen, Politiker, Schriftsteller, Philosophen und viele andere einlädt. 

Das in Maria Laach, der wichtigen Benediktinerabtei, die unsere Region auch weit über die Landesgrenzen hinweg geprägt hat, zu machen, ist eine ganz besondere Rede für mich, die man nicht alle Tage hält.

Armin Laschet

"Eine Fastenpredigt zu halten, ist etwas anspruchsvoller als über Wärmepumpen zu reden."

DOMRADIO.DE: Was ist der Unterschied zu einer Bundestagsrede?

Laschet: Über Politik reden wir ständig. Aber eine "Fastenpredigt" zu halten, einen biblischen Text zu nehmen und den auf die heutige Zeit zu übersetzen, ist etwas anspruchsvoller, als über Wärmepumpen zu reden.

DOMRADIO.DE: In einer Kirche eine Predigt zu halten, ist etwas ganz Besonderes. Sind Sie da besonders nervös? Ich meine, Sie haben ja schon hunderte Reden gehalten...

Abtei Maria Laach / © Elena Kharichkina (shutterstock)

Laschet: Ich habe immer wieder auch mal in Kirchen gesprochen. Eine Predigt darf es ja nach dem katholischen Verständnis nicht sein, sondern nur eine Ansprache. Predigen dürfen nur Priester.

Ich habe das in Mönchengladbach-Rheydt öfters gemacht. Dort gibt es einen sehr engagierten Pfarrer, der immer wieder auch Politiker einlädt zu sprechen. Ich hab' das im Münsteraner Dom gemacht.

Ja, es ist etwas Besonderes. Man bereitet sich anders vor und man weiß auch, dass man an einem besonderen Ort ist.

DOMRADIO.DE: Sie sind katholisch. Viele sprechen von einer Krise der Demokratie. Was kann die Religion und auch die Kirche leisten, um Demokratie zu stabilisieren?

Armin Laschet

"Da würde ich mir eine stärkere Stimme der Kirche wünschen."

Laschet: Die Kirche sollte sich wieder stärker in große gesellschaftliche Fragen einbringen. Die Menschen suchen Orientierung. Das ist etwas, was mir beim Zustand unserer Kirche im Moment fehlt. Man beschäftigt sich sehr viel mit internen Dingen. Beim Missbrauchsskandal ist das auch richtig. Dass wir nur noch über die Frage diskutieren, ob der Zölibat richtig ist oder nicht und wie der Synodale Weg funktionieren kann, ist alles schön und gut, aber die Gesellschaft erwartet von der Kirche mehr. 

Sie erwartet ein Wort, das die Werte des Christentums spiegelt. Denn die sind das Beste, was man der Welt eigentlich anbieten kann: der Respekt vor dem anderen und die Nächstenliebe. Da würde ich mir eine stärkere Stimme der Kirche wünschen.

Das Interview führte Johannes Schröer.

Fastenzeit

Die 40-tägige christliche Fastenzeit beginnt Aschermittwoch und endet am Gründonnerstag vor Ostern. Seit dem 5. Jahrhundert rückte während der Vorbereitung auf Ostern das Fasten in den Mittelpunkt. Da an Sonntagen nicht gefastet werden sollte und sie deshalb nicht als Fastentage gezählt werden, wurde der Beginn der Fastenzeit offenbar im sechsten oder siebten Jahrhundert vom sechsten Sonntag vor Ostern auf den vorhergehenden Mittwoch, den Aschermittwoch, vorverlegt.

Fastenzeit / © Tomasetti (DR)
Fastenzeit / © Tomasetti ( DR )
Quelle:
DR