Pilgerexpertin gibt Tipps zur Planung der Pilgerreisen

"Und irgendwann ist das schöne Leben vorbei"

Neues Jahr, neue Pilger-Ziele. Vielleicht auch das erste Pilger-Ziel. Aber was braucht es dafür? Wo kann ich mich informieren? Und wie plane ich die Pilgerreise am besten? Beate Steger schreibt Bücher darüber und teilt ihr Wissen.

Symbolbild Pilgern mit Gehhilfen / © rdonar (shutterstock)
Symbolbild Pilgern mit Gehhilfen / © rdonar ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Wenn ich im September pilgern will, sollte ich dann schon am Anfang dieses jungen Jahres 2024 planen?

Beate Steger ist Pilgerexpertin und gibt auf DOMRADIO.DE regelmäßig Tipps zu Pilgern. / © privat
Beate Steger ist Pilgerexpertin und gibt auf DOMRADIO.DE regelmäßig Tipps zu Pilgern. / © privat

Beate Steger (Pilgerexpertin und Autorin): Ich finde schon, dass man sich die Zeit reservieren sollte. Die Zeit im Kalender festmachen und markieren. Oft schieben wir Sachen auf und sagen: "Nee, nee, das mache ich nicht in diesem Monat, sondern einen Monat später." Dann wird da nie was draus. Irgendwann ist das schöne Leben vorbei und man hat gar keine Chance mehr dafür. 

DOMRADIO.DE: Umgekehrt verhält es sich mit den guten Vorsätzen so, dass die Fitnessstudios im Januar knüppelvoll und im März wieder deutlich ausgedünnt sind.

Steger: So ist es beim Pilgern auch. Deswegen ermuntere ich die Leute immer, dass sie das festmachen. Wenn sie zum Beispiel nicht alleine pilgern gehen möchten, sollten sie sich davor einen Partner suchen. Ich habe für dieses Jahr auch schon einen Plan. Ich habe schon lange den Camino Inglés machen wollen. Das ist der 100 Kilometer lange sogenannte "Englische Weg", der an der Küste im Norden von Spanien losgeht und dann runter nach Santiago. Das mache ich mit einer Freundin von mir, der Chefredakteurin vom Pilger Magazin. Das haben wir uns für den April oder den Mai fest vorgenommen.

DOMRADIO.DE: Wer anfängt zu pilgern, der muss nicht direkt den langen Jakobsweg laufen. Es gibt auch kürzere Wege. Wo kann man sich denn da am besten informieren?

Steger: Es gibt unheimlich viele Internetseiten oder Pilgerführer. Ich habe mit meinem Pilger Freund Hans-Jörg Bahmüller zum Beispiel eine Seite über den deutschen Jakobsweg. Hans-Jörg ist für die Karten und die GPS Tracks zuständig. Dafür hat er Ortstabellen angelegt, damit man genau schauen kann, wie weit es von A nach B und C ist. So kann man sich auf den verschiedenen Wegen sehr kurze Strecken aussuchen und sich die wichtigsten Fragen beantworten. Zum Beispiel: Wo gibt es Bahnhöfe, damit ich gut an und abreisen kann? Dann kann man auch nur zwei, drei Tage pilgern gehen oder sogar nur einen Tag. Das ist alles möglich. 

DOMRADIO.DE: So inspiriert man sich im Internet, mit einer App oder einer Karte. Aber kann man sich auch noch anders inspirieren lassen? 

Steger: Ich komme nicht an den vielen Outdoor-Läden vorbei. Da bin ich immer gerne. Da gehe ich rein wie in eine Buchhandlungen. Es gibt extra Pilgermessen. Gerade im Februar sind einige. In Frankfurt ist eine und in der St. Jacobi Kirche im Pilgerzentrum Hamburg. Da bin ich letztes Jahr zum Beispiel gewesen. Aber auch bei normalen Reisemessen, gibt es einen großen Bereich rund ums Pilgern. Da kann man sich wunderbar informieren. Die finden oft am Anfang des Jahres statt, wie jetzt im Januar die TMT in Stuttgart.

DOMRADIO.DE: Jetzt ist noch Januar und in dieser Zeit ist das Wetter nicht so wahnsinnig gut zum Pilgern. Im Sommer stelle ich mir das schöner vor. Gibt es auch Jahreszeiten von denen Sie sagen, dass die optimal sind?

Beate Steger

"Ich war vor langer Zeit, im März, in Spanien auf dem Jakobsweg unterwegs und da bin ich komplett abgesoffen."

Steger: Das ist abhängig davon, wo man pilgern möchte. Das Wetter können wir nicht beeinflussen, Gott sei Dank. Von daher kann da natürlich mal was schiefgehen. Ich war vor langer Zeit, im März, in Spanien auf dem Jakobsweg unterwegs und bin komplett abgesoffen. In Galicien bin ich im Schnee versunken. Die Gegend rund um Santiago ist ziemlich nass. Da ist man besser im späteren Frühjahr oder im frühen Herbst unterwegs. Die "Via de la Plata", das ist die Silberstraße in Spanien, die Richtung Santiago geht, sollte man im Sommer vermeiden, weil es da sehr heiß wird. Das ist wirklich unterschiedlich, je nachdem, wo man hingeht. Aber das Frühjahr und der Herbst sind die bevorzugten Wander-Jahreszeiten. 

DOMRADIO.DE: Wenn ich mich jetzt entschließe, Ende März pilgern zu gehen. Sollte ich dann jetzt anfangen mich ein bisschen fit zu machen und mir anständige Schuhe zulegen?

Steger: Mittlerweile geht es immer mehr von den hohen Wanderschuhen weg, weil die sehr schwer sind. Man nimmt eher niedrige Trailrunning-Schuhe. Die sind im Moment schwer im Trend. Aber ich würde trotzdem vorschlagen, um vielleicht noch den Weihnachtsspeck der Feiertage abzutrainieren, einige Wanderungen oder längere Spaziergänge zu unternehmen, um die Schuhe einzulaufen. Dann kann man auch einfach mal einen Rucksack packen und mitnehmen. Man muss nicht gleich das Originalgepäck mitnehmen, man kann auch einfach nur ein paar Bücher einpacken, um sich an das Gepäck zu gewöhnen.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

Quelle:
DR