Patriarchat dementiert Verkauf von Jerusalemer Kirchenland

Keine Hände im Spiel

Das griechisch-orthodoxe Patriarchat in Jerusalem hat erneut Berichte über Landverkäufe im Zentrum von Jerusalem dementiert. Das Patriarchat habe keinerlei Verbindung oder Beteiligung an dem Geschäft, hieß es.

Symbolbild Eine Touristin macht mit ihrem Smartphone ein Foto von Jerusalem / © Victoria Shapiro (shutterstock)
Symbolbild Eine Touristin macht mit ihrem Smartphone ein Foto von Jerusalem / © Victoria Shapiro ( shutterstock )

Das Patriarchat habe sich vor knapp zwölf Jahren von Liegenschaften im Westjerusalemer Stadtteil Rechavia getrennt, bestätigte man am Montag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). 

Hebräischsprachige Medien hatten am Sonntag berichtetet, dass 52 Hektar Kirchenland in zentralen Lagen Jerusalems in den Besitz des in New York ansässigen Luxusimmobilienunternehmens "Extell Development" des jüdisch-amerikanischen Geschäftsmanns Gary Barnett übergegangen seien, nachdem dieser die letzte Rate des umgerechnet 203 Millionen Euro hohen Kaufpreises geleistet habe.

Demnach soll es sich um den größten Landverkauf in Jerusalem in hundert Jahren handeln.

Pacht läuft im Jahr 2051 aus

Bei den Grundstücken handelt sich laut Berichten um Land in den Jerusalemer Stadtteilen Talbieh und Najot sowie im sogenannten Tal des Kreuzes. Das Patriarchat hatte es in Israels Gründungszeit an den jüdischen Nationalfonds (JNF) verpachtet, der es wiederum an rund 1.000 Jerusalemer weiterverpachtete, die dort Häuser und Wohnungen errichtet haben. Auch ein Großteil des Israel-Museums und mehrere Hotels stehen auf diesem Land. Die Pacht läuft im Jahr 2051 aus, womit das Gebiet samt Bebauung an den Besitzer zurückfällt.

Israel-Museum in Jerusalem / © Sonja Geus (DR)
Israel-Museum in Jerusalem / © Sonja Geus ( DR )

Bei einer im Jahr 2000 angestrebten vorzeitigen Verlängerung der Pachtverträge fiel der JNF zwei Betrügern zum Opfer. Ein Strafgericht hob die Vertragsverlängerung auf, das Land wurde 2011 an die Investorengruppe "Najot Komemijut" verkauft. Ein Jerusalemer Gericht verurteilte das Patriarchat nach einem komplexen Rechtsstreit zur Entschädigungszahlung von umgerechnet 11,4 Millionen Euro an den JNF.

Eines der Ziele von Extell ist laut der israelischen Wirtschaftszeitung "The Marker" eine faire Vereinbarung mit dem JNF sowie den Mietern. Ferner erwarte das Unternehmen ein großes Wachstum am israelischen Immobilienmarkt, sobald der Gazakrieg beendet sei.

Zweitgrößter Immobilienbesitzer in Israel

Das Portfolio der 1989 gegründeten Extell umfasst demnach rund 2,3 Millionen Quadratmeter weltweit, darunter einige der teuersten Wohntürme in New York. Eine Spezialität des Unternehmens sei die Entwicklung von Projekten für benachteiligte Bevölkerungsgruppen, die dem Unternehmen Steuervorteile einbringen.

Theophilos III. / © Harald Oppitz (KNA)
Theophilos III. / © Harald Oppitz ( KNA )

Das griechisch-orthodoxe Patriarchat ist nach der israelischen Regierung der zweitgrößte Immobilienbesitzer in Israel. Der Umgang der Kirche mit ihren Ländereien hat in der Vergangenheit wiederholt für Streit gesorgt. Der Vorgänger des amtierenden Patriarchen Theophilos III., Irinaios I., war 2005 nach nur vierjähriger Amtszeit über einen Skandal um undurchsichtige Landverkäufe an israelische Geschäftsleute gestürzt. Auch Theophilos III. wurden wiederholt dubiose Landverkäufe vorgeworfen.

Quelle:
KNA