Pastoralreferent: Kirche kann sich Leidenschaft vom Fußball abschauen

"Mehr Mut zur Leidenschaft"

Vom Fußballgott hält er nichts. Von der Seelsorge am Spielfeldrand dagegen viel. Thorsten Kapperer ist Kicker und Theologe. Und wünscht sich in der Kirche die Begeisterung des Stadions. 

 (DR)

Thorsten Kapperer trifft man am Montagmorgen auf dem Fußballplatz: gelbe Schuhe, schwarzes Trikot, Spielernummer 6. Auf dem Sportplatz der DJK Augsburg-Lechhausen geht es um den Titel "Bayerischer Klerusmeister". Kapperer spielt für das Bistum Würzburg gegen die sechs anderen bayerischen Bistümer. Der Pastoralreferent soll als Stürmer Tore schießen. Und nebenher erklärt er noch, was Kirche vom Fußball lernen kann. Denn darüber hat er promoviert.

Kirche kann von Begeisterung im Stadion lernen

"Leidenschaft und Fußball. Ein pastoral-theologisches Lernfeld" heißt die Arbeit. Seine These: Von der Leidenschaft auf dem Platz könnte die Kirche etwas mehr gebrauchen. "Ich sehe mich als Anwalt für dieses Thema", sagt Kapperer in der Pause zwischen dem Match gegen Augsburg (3 zu 2 verloren) und dem torlosen Unentschieden gegen Bamberg.

Fußball sei ein "riesen Ding" in der Gesellschaft. "Im Stadion pulsiert es." So eine Leidenschaft gebe es bei Kirche meist nur noch beim Weltjugendtag oder einem Papstbesuch. Doch auch vor Ort stünden viele kirchlich Interessierte am Sonntag am Fußballplatz. "Warum geht da nicht auch mal der Pfarrer hin", fragt der 37-Jährige und fordert "mehr Mut zur Leidenschaft".

Doch im Studium merkte Kapperer schnell, dass das nicht so einfach sein könne. Das Interesse am Thema sei bei den Kommilitonen überschaubar gewesen. "Dass man da am Montag die Ergebnisse vom Wochenende diskutiert, das gab es nicht so." Es müsse aber nicht immer Fußball sein. Warum könne nicht etwa ein Pfarrer seine Begeisterung für die indianische Lebensart in die Pastoral einbringen, fragt Kapperer.

Mannschaftssitzung ehrlicher als kirchliches Gremium

Der Pastoralreferent selbst ist nicht nur Zuschauer, er spielt auch selbst im Verein, derzeit in der zweiten Mannschaft von Germania Karsbach in Unterfranken, seinem derzeitigen Einsatzort. Schon vorher habe er immer gekickt. "Da wirst Du als Mensch wahrgenommen, der Kappi halt – mein Spitzname." In der Kabine oder unter der Dusche werde schon mal auch über Kirche geredet. "Und in der Mannschaftssitzung geht es ehrlicher zu als in mancher Sitzung kirchlicher Gremien."

Selbst auf dem Platz könne der kirchliche Kicker Farbe bekennen, nämlich durch Fair Play, findet der Pastoralreferent. "Auch wenn dann die Mitspieler sagen: Du spielst zu brav, zu fromm." Beim Kick der Bistümer in Augsburg geht es jedenfalls gesittet zu. Die einzige Gelbe Karte für die Würzburger gibt es für ein Foul im Strafraum. Das Turnier ist nur noch auf dem Papier die Meisterschaft der Kleriker.

Längst sind neben Priestern und Diakonen auch weitere Berufsgruppen wie Pastoral- oder Gemeindereferenten dabei. Selbst EDV-Abteilungen stellen Spieler ab. Fußball erzählt an diesem Morgen in Augsburg eben auch etwas über Kirche. Pastoralreferent Kapperer dagegen sucht nach den anderen Beziehungen.

Kritische Elemente: Fangewalt, Kommerz, Leistungsdruck

Vom Fußball lernen könne man auch in der Sprache. Wie etwa erkläre man einfach, dass das Heilige dogmatisch verschiedene Facetten habe, etwas sei, dass gleichermaßen erschrecke und fasziniere. Der Theologe ist hier schnell beim Fußball, konkret beim entscheidenden Tor von Mario Götze im WM-Finale von 2014 gegen Argentinien. "Es war in einem Moment für Deutschland und seine Fans das Tor zur Weltmeisterschaft, Argentinien dagegen am Boden."

Würzburg ist bei der Klerusmeisterschaft schon in der Vorrunde raus. Eine weitere Niederlage gegen das Erzbistum München und Freising besiegelte das Ende. Zeit, um auch über die Grenzen der Parallelen nachzudenken. Klar habe die Fanbegeisterung auch religiöse Züge. Aber in existenziellen Fragen etwa bete man dann doch nicht ein Trikot um Hilfe an, sagt Kapperer.

Außerdem gebe es auch die kritischen Elemente beim Fußball: Kommerz, Leistungsdruck oder Fangewalt. All das hat er ebenfalls durchleuchtet, und zwar so, dass man nicht Theologe sein muss, um es zu verstehen. Im Herbst erscheint im Würzburger Echter-Verlag das Buch "Tooooor". 24 Adventsimpulse für Fußballfreunde hat Kapperer dafür geschrieben und so die Leidenschaft für Fußball und Kirche zwischen zwei Buchdeckel gepackt.

Christian Wölfel

Quelle:
KNA
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