Papst und Anglikaner-Primas Welby rufen zur Einheit auf

"Symphonie der Menschheit"

Am Grab des Apostels Paulus in Rom hat Papst Franziskus an die Einheit der Christen appelliert. Die könne nur erreicht werden, wenn Kirchen und Gemeinschaften aufhörten, vor allem die eigenen Interessen zu verfolgen.

Justin Welby (l.) und Papst Franziskus / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Justin Welby (l.) und Papst Franziskus / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Papst Franziskus hat zur Einheit der christlichen Kirchen und aller Menschen auf der Welt aufgerufen. "Jeder Getaufte gehört
demselben Leib Christi an", predigte der Papst am Donnerstagabend in der römischen Basilika Sankt Paul vor den Mauern: "Ja, mehr noch, jeder Mensch auf der Welt ist mein Bruder oder meine Schwester und wir alle bilden die "Symphonie der Menschheit", deren Erstgeborener und Erlöser Christus ist." 

Papst: Mache ich mich selbst zum Nächsten?

Franziskus sagte, die Frage sei nicht "Wer ist mein Nächster?", sondern "Mache ich mich selbst zum Nächsten?". Diese Frage gelte auch für Gemeinschaften und Kirchen. Blieben diese verbarrikadiert in der Verteidigung der eigenen Interessen, eifersüchtige Hüter ihrer Autonomie und gefangen im Berechnen des eigenen Vorteils, sei dies Untreue gegenüber der Frohen Botschaft. Im Bemühen um die Einheit müssten eigene Interessen aufgegeben und die Initiative Gott überlassen werden.

Erzbischof Welby: Hass und Wut trenne die Menschen

Die Vesper am Grab des Apostels Paulus, an der auch Vertreter anderer christlicher Kirchen teilnahmen, schloss die Gebetswoche für die Einheit der Christen ab.

Papst Franziskus begrüßt Justin Welby, anglikanischer Erzbischof von Canterbury im Vatikan. / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus begrüßt Justin Welby, anglikanischer Erzbischof von Canterbury im Vatikan. / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Der anglikanische Erzbischof Justin Welby, Ehrenoberhaupt der anglikanischen Weltgemeinschaft, warnte davor, dass Hass und Wut die Menschen trennten. Die Kirche Jesus Christus sei jedoch dazu berufen, frei zu sein, weil sie "in der Liebe ist". Am Ende des Gottesdienstes sendeten Franziskus und Welby anglikanisch-katholische Bischofspaare aus, Zeugen der Einheit der Christen zu sein.

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen führt jedes Jahr die Christen aller Konfessionen zu Gottesdienst und Begegnung zusammen. Auf der nördlichen Welthalbkugel findet sie traditionell vom 18. bis 25. Januar statt, während die Kirchen auf der südlichen Welthalbkugel die Gebetswoche oft zu Pfingsten feiern. 

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen wird weltweit ökumenisch gefeiert, in der nördlichen Hemisphäre zwischen dem 18. und 25. Januar, in der südlichen Hemisphäre zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Ihre Ursprünge gehen bis in das 19. Jahrhundert zurück. Seit 1968 werden die Gebetstexte für die Woche vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen herausgegeben. Erarbeitet werden sie jeweils von ökumenischen Vorbereitungsgruppen aus wechselnden Ländern. (KNA/23.01.2022)

Eine betende Frau / © Halinskyi Max (shutterstock)
Quelle:
KNA