Papst stellt Ukraine unter den Schutz der Gottesmutter

"Unter deinen Schutz und Schirm"

Mit einem besonderen Gebet möchte Papst Franziskus am Freitag die Menschheit und vor allem Russland und die Ukraine der Gottesmutter Maria weihen. Vatikan-Experte Ulrich Nersinger erklärt, was hinter der Friedensinitiative steckt.

Papst Franziskus / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Papst Paul VI. gab auf dem II. Vatikanischen Konzil (1962-1965) feierlich bekannt: "Zur Ehre der Jungfrau und zu unserem Trost erklären Wir die heiligste Maria zur Mutter der Kirche, nämlich des ganzen Gottesvolkes, sowohl der Gläubigen als auch deren Hirten." Das damalige Oberhaupt der katholischen Kirche war zutiefst marianisch geprägt, der Maria auszeichnende Titel "Mater Ecclesiae" für ihn eine Selbstverständlichkeit!

Salus populi Romani / © Stefano Spaziani (KNA)
Salus populi Romani / © Stefano Spaziani ( KNA )

Auch der jetzige Heilige Vater sieht sich und die Kirche dem mütterlichen Schutz Mariens anvertraut. Eine besondere Verehrung hegt er für das Salus Populi Romani, das "Heil des römischen Volkes". Das Muttergottesbild, das in der römischen Erzbasilika S. Maria Maggiore verwahrt wird, sucht er vor und nach jeder Reise auf. Dort bittet er darum, im Herzen der Mutter des Herrn einen Platz zu finden. Es verwundert daher nicht, dass er in dem unseligen Krieg, der im Osten Europas tobt, der Gottesmutter auch Russland und die Ukraine ans Herz legt.

Ein "Akt der Weltkirche"

Wenn Papst Franziskus am Hochfest der Verkündigung des Herrn die beiden Länder dem Unbefleckten Herzen Mariens weiht, tut er nichts anderes. In einem Schreiben, mit dem der Papst die Bischöfe der Welt dazu einlädt, die Weihe mitzuvollziehen, sieht er diese als "einen Akt der Weltkirche" an, die "in diesem Augenblick durch die Mutter Jesu, die auch unsere Mutter ist, den Schmerzensschrei aller, die leiden und ein Ende der Gewalt herbeisehnen, vor Gott trägt. Zugleich vertraut sie die Zukunft der Menschen der Königin des Friedens an".

Ulrich Nersinger trifft Papst Franziskus / © privat (privat)
Ulrich Nersinger trifft Papst Franziskus / © privat ( privat )

Der Papst wird die Weihe nach einer Bußfeier im Petersdom vornehmen. In seinem Gebet bezieht sich Franziskus auf die Sündenhaftigkeit des Menschen und das Unbefleckte, reine, sündenfreie Herz der Muttergottes: "Im Elend der Sünde, in unserer Erschöpfung und Hinfälligkeit, in der geheimnisvollen Ungerechtigkeit des Bösen und des Krieges erinnerst du, heilige Mutter, uns daran, dass Gott uns nicht verlässt, sondern stets mit Liebe auf uns schaut, mit dem Wunsch, uns zu vergeben und uns aufzurichten. Er selbst hat dich uns geschenkt und der Kirche und der ganzen Menschheit in deinem Unbefleckten Herzen eine Zuflucht geschaffen. Aufgrund der Liebe Gottes bist du bei uns und auch durch die schwierigsten Momente der Geschichte geleitest du uns voll Zärtlichkeit."

Weihe zeitgleich auch in Fatima

Im Namen des Heiligen Vaters wird Kardinal Krajewski, der Almosengeber des Papstes, zeitgleich im portugiesischen Wallfahrtsort Fatima die Weihe vollziehen. Damit wird ein historischer Bezug gesetzt. Fatima gilt als Ort berühmter Marienerscheinungen, die drei Kindern im Jahre 1917 zuteilwurden. Die dortigen Geschehnisse werden mit einer Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens in Verbindung gebracht. Eines der Seherkinder berichtete, dass die Gottesmutter diese gefordert habe und versprach: "Wenn meine Bitten erfüllt werden, wird sich Russland bekehren, und es wird Frieden herrschen."

In seinem heutigen Weihegebet wird der Papst nicht ausdrücklich auf Fatima eingehen. Es gilt für ihn, den Eintritt in einen seit Jahrzehnten immer wieder aufflammenden Diskurs über die sogenannten "Geheimnisse", die Prophezeiungen der Erscheinungen zu vermeiden. Er wünscht kein magisches Verständnis der Weihe. Und auch, wenn die Kirche die Erscheinungen für echt anerkannt hat, so kann doch kein Katholik auf sie verpflichtet werden.

Entscheidend ist, dass man sein Vertrauen auf das fürsorgende und vor Gott eintretende Herz der Mater Ecclesiae setzt. "Sub tuum praesidium confugimus ... Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir" beginnt das älteste Mariengebet der Kirche. Und seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts erbitten Gläubige im deutschen Sprachraum von der Muttergottes mit kindlicher Zuversicht: "Maria, breit den Mantel aus, mach Schirm und Schild für uns daraus!"

Information der Redaktion: DOMRADIO.DE überträgt am Freitag, 25.03.2022, um 17.00 Uhr die Weihe von Russland, Ukraine und des Erzbistums Köln an das Unbefleckte Herz Mariens live im Internet. Ebenso überträgt DOMRADIO.DE ab 17.00 aus dem Vatikan die Bußfeier im Petersdom mit der Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens im Internet live.

Brief des Papstes zur Weihe an das Unbefleckte Herz Marias

In einem Bußgottesdienst am Freitag im Petersdom bittet Papst Franziskus noch einmal um Frieden in der Ukraine. Mit einem besonderen Gebet möchte er die Menschheit und vor allem Russland und die Ukraine der Gottesmutter Maria weihen. Dazu bittet der Papst alle katholischen Bischöfe weltweit, sich mit ihrer Diözese dieser Aktion anzuschließen. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) dokumentiert den Brief im offiziellen Wortlaut.

"Schreiben von Papst Franziskus zum Akt der Weihe an das Unbefleckte Herz Marias

Lieber Bruder,

Papst Franziskus am Schreibtisch / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Autor/in:
Ulrich Nersinger
Quelle:
DR