Papst nimmt Rücktritt von Bambergs Erzbischof Schick an

Bamberg braucht einen neuen Erzbischof

Überraschung aus Rom: Papst Franziskus hat den Rücktritt des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick angenommen. Als Begründung führte Schick selbst an, er wolle bevorstehende wichtige Entscheidungen einem jüngeren Nachfolger überlassen.

Ludwig Schick ist als Erzbischof von Bamberg zurückgetreten / © Angelika Zinzow (KNA)
Ludwig Schick ist als Erzbischof von Bamberg zurückgetreten / © Angelika Zinzow ( KNA )

Über Rücktrittsangebote der Kardinäle Marx und Woelki wurde lange und heftig debattiert, doch dann wurden sie abgelehnt oder sind weiter in der Schwebe. Aus Bamberg war nichts zu hören - bis heute. Damit sind nach dem gesundheitlich bedingten Rücktritt des Paderborner Erzbischofs Hans-Josef Becker (74) zwei der sieben deutschen Erzbistümer und der insgesamt 27 katholischen Bistümer ohne Bischof.

In einem Brief an die Menschen im Erzbistum Bamberg wies Schick auf bevorstehende Personalentscheidungen im Erzbistum sowie auf die Umsetzung der Reformbeschlüsse des Synodalen Wegs und des weltweiten synodalen Prozesses hin.

Offenbar keine gesundheitlichen Gründe

Auf Anfrage sagte ein Sprecher des Erzbistums, dass Schick nicht aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund der Debatte um die Missbrauchstaten des früheren Pfarrers einer oberfränkischen Gemeinde zurückgetreten sei. In dem Ort war bekanntgeworden, dass der 2005 verstorbene Geistliche seit 1963 immer wieder zum Täter wurde. Schick hatte mehrfach für das Vorgehen früherer Bistumsleitungen in dem Fall um Vergebung gebeten. Er selbst habe erst nach dem Tod des Pfarrers von den Vorwürfen erfahren.

Aus "Vernunft und Verantwortung"

Normalerweise bieten Bischöfe dem Papst ihren Rücktritt mit 75 Jahren an. Schick erklärte in seinem Brief, schon im ersten Quartal hätten ihn "Vernunft und Verantwortung" zur Überzeugung kommen lassen, den Rücktritt anzubieten. Papst Franziskus habe ihn zunächst gebeten, weiter im Amt zu bleiben: "Nach nochmaligem Vortragen meiner Gründe hat er meiner Bitte Ende September dann entsprochen."

Seit 20 Jahren im Bischofsamt

Im September wurde in Bamberg die Amtseinführung Schicks als Bamberger Erzbischof vor 20 Jahren gefeiert. Vor seiner Zeit in Bamberg war er ab 1995 Generalvikar und ab 1998 auch Weihbischof im Bistum Fulda. Zuvor schon lehrte er ab 1981 Kirchenrecht an der Theologischen Fakultät Fulda und am Katholischen Seminar der Philipps-Universität Marburg. In der Deutschen Bischofskonferenz hatte er von 2006 an 15 Jahre lang das wichtige Amt des Vorsitzenden der Kommission Weltkirche inne.

Bätzing dankt für unermüdliches Engagement

Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) / © Harald Oppitz (KNA)
Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) / © Harald Oppitz ( KNA )

In einer ersten Reaktion würdigte der Bischofskonferenz-Vorsitzende, Bischof Georg Bätzing, Schicks Einsatz in dieser Funktion. "Du bist dahin gegangen, wo sonst niemand hinreist: in Krisengebiete der Welt, an Orte, wo das Elend zum Greifen nahe ist. In entlegensten Gegenden, wo kaum ein Besucher hinkommt, warst Du zu Hause. Kein Weg war Dir zu weit, kein Land zu gefährlich und kein Schlafmangel zu viel." Er habe den Menschen die Solidarität aus Deutschland vermittelt. "Mit offenen Ohren hast Du vom Elend der Verfolgten und Entrechteten gehört und mit Deinen Möglichkeiten versucht, etwas zum Frieden beizutragen."

Innerhalb der Bischofskonferenz, aber auch international seien Verständigung und Versöhnung Anliegen von Schick gewesen. Er habe sich "engagiert eingebracht, Debatten wesentlich mitgeprägt und warst unsere sichere Instanz in allen Fragen des kirchlichen Rechts", so Bätzing. In seiner Funktion als Vorsitzender der Maximilian-Kolbe Stiftung habe der Erzbischof die Erinnerung an die Schrecken von Auschwitz und die Verantwortung der nachfolgenden Generationen wachgehalten. Als Co-Vorsitzender der deutsch-polnischen Kontaktgruppe sei es Schick bei oft nicht einfachen Diskussionen gelungen, Brücken der Verständigung zu bauen.

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising / © Julia Steinbrecht (KNA)
Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Marx von Rücktritt überrascht

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx zeigte sich laut Mitteilung seiner Pressestelle "überrascht" von dem Rücktritt. Schicks Engagement habe "vor allem den Menschen an den Rändern gegolten, die Mangel, Not und Verzweiflung erleben mussten. Das Evangelium dort zu verkünden und Wirklichkeit werden zu lassen, indem diesen Menschen Hilfe und Unterstützung zukam, war sein Anliegen", so der Erzbischof von München und Freising. Marx ist auch Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz, also der Konferenz der bayerischen katholischen Bischöfe.

Söder drückt via Twitter Bedauern aus

Markus Söder / © Michael Matthey (dpa)
Markus Söder / © Michael Matthey ( dpa )

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bedauerte Schicks Rücktritt via Twitter: "Wie schade: Erzbischof Ludwig Schick ist ein großartiger Theologe", schrieb Söder bei dem Kurznachrichtendienst:

"Die Bayerische Bischofskonferenz verliert mit ihm eine wichtige und ausgleichende Stimme aus Franken." Schick habe das Erzbistum Bamberg "hervorragend geführt, war nah bei den Menschen, zukunftsorientiert und demütig". Als Erzbischof sei er ein verlässlicher und vertrauensvoller Partner der Staatsregierung gewesen. "Wir werden ihn als Bischof sehr vermissen."

Bambergs Oberbürgermeister würdigt fruchtbare Zusammenarbeit

Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) teilte mit, Schick habe "das Erzbistum Bamberg in seinen 20 Amtsjahren vielfältig geprägt und zu einer modernen Diözese weiterentwickelt. In einer schwierigen Zeit für die katholische Kirche hat er diese Aufgabe mit viel Nähe zu den Gläubigen und großer Herzenswärme erfüllt." Starke ergänzte, Schicks "herausragende Persönlichkeit wird in der Bevölkerung hochgeschätzt, und sein seelsorgerisches Wirken war für unsere Stadt enorm wichtig". Zahlreiche Projekte seien unter Schick durch das Erzbistum realisiert worden und hätten so "zur nachhaltigen Attraktivität der Stadt Bamberg" beigetragen.

Verdienste im Bistum Bamberg

In seiner 20-jährigen Amtszeit hatte Schick in Bamberg mit einem teils harten Sparkurs den Diözesanhaushalt saniert. Zudem wurden im Zuge von Strukturreformen neue Seelsorgebereiche gebildet und die Verwaltung neu aufgestellt, außerdem die Beschlüsse des Bamberger Pastoralgesprächs umgesetzt. Er selbst verwies zudem auf die Sanierung vieler Gebäude, darunter das Bamberger Priesterseminar, das Jugendhaus Burg Feuerstein, die Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg sowie die Bildungshäuser Vierzehnheiligen und alle Schulen in katholischer Trägerschaft.

Erzbischof Ludwig Schick

Erzbischof Dr. Ludwig Schick wurde 1949 in Marburg geboren. 1998 erfolgte die Ernennung zum Weihbischof in Fulda, bereits vier Jahre später ernannte Papst Johannes Paul II. Ludwig Schick zum Erzbischof von Bamberg.

Von 2006 bis 2021 war Erzbischof Schick Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. Er war außerdem Mitglied der Pastoralkommission und Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Männerseelsorge.

Am 1.11.2022 hat Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch des Bamberger Erzbischofs angenommen. (KNA)

Erzbischof Ludwig Schick / © Harald Oppitz (KNA)
Erzbischof Ludwig Schick / © Harald Oppitz ( KNA )

 

Autor/in:
Christian Wölfel
Quelle:
KNA