Papst Leo XIV. veröffentlicht politische Texte für den Kreuzweg

"Ich trage all dieses Leid im Gebet mit"

Die Meditationen zum diesjährigen Kreuzweg am Kolosseum in Rom beschäftigen sich mit den vielen verschiedenen Formen des Leids, denen Menschen weltweit ausgesetzt sind. Papst Leo XIV. wird das hölzerne Kreuz persönlich tragen.

Ein großes beleuchtetes Kreuz vor dem Kolosseum beim Kreuzweg an Karfreitag in Rom am 29. März 2024 / © Lola Gomez/CNS photo (KNA)
Ein großes beleuchtetes Kreuz vor dem Kolosseum beim Kreuzweg an Karfreitag in Rom am 29. März 2024 / © Lola Gomez/CNS photo ( KNA )

Am Karfreitag veröffentlichte der Vatikan die Meditationen der 14 Kreuzwegstationen, die am Abend vorgetragen werden. Verfasst hat sie in diesem Jahr der Franziskaner Francesco Patton, der lange eine kirchliche Führungsposition im Nahen Osten innehatte. Er ergänzt die Bibeltexte zum Leiden und Sterben Jesu mit Auszügen aus den Schriften seines Ordensgründers, des heiligen Franz von Assisi. 

Franziskanerbruder Francesco Patton vor dem Salvatorkloster in Jerusalem / © Hadas Parush (KNA)
Franziskanerbruder Francesco Patton vor dem Salvatorkloster in Jerusalem / © Hadas Parush ( KNA )

Die Meditationen bauen Brücken in die heutige Zeit, erinnern an menschliches Leid und enthalten Forderungen nach mehr Respekt vor der Menschenwürde. 

Mächtige müssen Rechenschaft ablegen 

So müsse jede Obrigkeit für die von ihr ausgeübte Macht Rechenschaft ablegen: die Macht zu richten, aber auch die Macht, einen Krieg zu beginnen oder zu beenden. Oder die Macht, die Wirtschaft zu nutzen, um Völker zu unterdrücken oder sie aus dem Elend zu befreien, die Macht, die Menschenwürde mit Füßen zu treten oder sie zu schützen. 

Papst Leo XIV.

"Auch ich trage all dieses Leid im Gebet und möchte alle Menschen guten Willens einladen, gemeinsam diesen Weg zu gehen und zu suchen, wie auch wir Friedensbotschafter sein können."

In seinen Texten erinnert er an die Mütter, die heute mit ansehen müssten, wie ihre Kinder verhaftet, gefoltert, verurteilt und getötet werden. Seit Jahrhunderten weinten Frauen um sich selbst und um ihre Kinder, "die etwa während einer Demonstration abgeführt und inhaftiert werden, die deportiert werden aufgrund einer Politik, die kein Mitleid kennt, die auf verzweifelten Reisen der Hoffnung Schiffbruch erleiden, die in Kriegsgebieten niedergemetzelt werden, die in Vernichtungslagern ausgelöscht werden". Er klagt die Verwüstung der Kriege an, Massaker und Völkermorde, den Zynismus herrischer Menschen und Gleichgültigkeit.

Menschenwürde auch nach dem Tod 

Er verurteilt den fehlenden Respekt vor der Menschenwürde von autoritären Regimen, die Gefangene zwängen, halbnackt in einer kahlen Zelle oder auf einem Hof auszuharren; von Folterern, Vergewaltigern und Missbrauchstätern, aber auch von der Unterhaltungsindustrie, "wenn sie Nacktheit zur Schau stellt, um ein paar Zuschauer mehr zu gewinnen". 

Er betont, dass die menschliche Würde auch nach dem Tod fortbestehe: "Es sollte niemals Leichname geben, die nicht herausgegeben und nicht beerdigt werden", fordert er. "Die Mütter, Verwandten und Freunde von Verurteilten sollten niemals gezwungen sein, sich vor der Obrigkeit zu demütigen, um die geschundenen Überreste eines Angehörigen zurückzuerhalten." 

Ein Leichnam dürfe niemals verhöhnt, versteckt, vernichtet, nicht zurückgegeben werden oder ohne reguläre Bestattung verbleiben. Dies gelte ebenso für "Verbrecher". 

Gebet für Respekt und Mitgefühl 

Patton ruft zum Gebet auf für jeden vorverurteilten Menschen, für Arme, für Frauen, die als Opfer von Menschenhandel versklavt wurden, und für Kinder, die ihrer Kindheit beraubt wurden. Er bittet um Respekt, Mitleid, Mitgefühl, ein neues Gefühl für Scham, und die Kraft, die Würde jedes Menschen zu verteidigen. 

Die Texte werden ab circa 21 Uhr an den 14 Kreuzwegstationen am römischen Kolosseum vorgetragen. Papst Leo XIV. wird über den gesamten Weg das hölzerne Kreuz tragen. "Auch ich trage all dieses Leid im Gebet und möchte alle Menschen guten Willens einladen, gemeinsam diesen Weg zu gehen und zu suchen, wie auch wir Friedensbotschafter sein können", begründete er seine Entscheidung. 

Quelle:
KNA