Wie der Vatikan mitgeteilt hat, traf das Kirchenoberhaupt den Präsidenten der Internationalen Vereinigung der Exorzisten (AIE), Karel Orlita (56), sowie dessen Stellvertreter Francesco Bamonte (66) zu einer Privataudienz. Über Gesprächsinhalte wurde zunächst nichts bekannt.
Den Weltverband der Exorzisten gibt es seit 1994, im Jahr 2014 erkannte der Vatikan den Zusammenschluss offiziell an. Eigenen Angaben zufolge zählt der AIE rund 900 aktive Exorzisten und 130 Hilfsexorzisten. Gründer der Associazione Internazionale Esorcisti war der 2016 verstorbene Priester Gabriele Amorth. Dessen Leben lieferte die Vorlage für den Horrorfilm "Der Exorzist des Papstes" (2023). Der tschechische Priester Orlita steht seit 2023 an der Spitze des Verbands. Sein Vize Bamonte bekleidete das Amt zuvor über zwei Amtszeiten.
Befreiung von der Macht des Bösen
Unter Exorzismus wird die rituelle Vertreibung böser Mächte und Geister aus Menschen, anderen Lebewesen oder Gegenständen verstanden. Solche Praktiken gibt es in vielen Kulturen, sie sollen der ganzheitlichen Reinigung und Heilung dienen. Die katholische Kirche versteht darunter eine Bitte an Gott, den Menschen von der Macht des Bösen zu befreien.
Laut vatikanischen Richtlinien muss ein Exorzist zunächst prüfen, ob wirklich ein Fall von Besessenheit vorliegt. Um böse Mächte zu vertreiben, spricht der Priester unter anderem Gebete und Segensformeln - gegebenenfalls berät er sich auch mit Medizinern und Psychiatern. Der 1999 vom Vatikan etablierte "Große Exorzismus" ist ein einstündiges und fast vollständig in lateinischer Sprache vorgetragenes Gebet. Das Ritual wird immer von zwei Priestern durchgeführt.