Papst Leo XIV. hat zwölf römischen Priestern die Füße gewaschen. Den traditionellen Ritus vollzog der Papst während der Heiligen Messe am Donnerstagabend in der Lateranbasilika in Rom. "Lasst uns angesichts einer Menschheit, die aufgrund vieler Arten von Brutalität in die Knie gezwungen ist, auch selbst niederknien als Brüder und Schwestern der Bedrückten", sagte das Kirchenoberhaupt zuvor in seiner Predigt.
Die Geste der Fußwaschung an Gründonnerstag erinnert an das letzte Abendmahl, vor dem laut biblischen Berichten Jesus den Jüngern die Füße gewaschen hat. Mit seiner Geste reinige Jesus nicht nur "unser Gottesbild von der Idolatrie und den Lästerungen, die es beschmutzt haben", sagte Leo über den Ritus. Er reinige auch "unser Bild vom Menschen, der sich mächtig wähnt, wenn er herrscht, der siegen will, indem er seinesgleichen tötet, der sich für groß hält, wenn er gefürchtet wird."
Abkehr von Franziskus
Elf der Priester, denen er die Füße wusch und küsste, hatte Leo im vergangenen Jahr selbst geweiht. Damit kehrte Leo an seinem ersten Osterfest als Papst zu einer früheren Auslegung des Brauchs zurück.
Sein Vorgänger Franziskus, der am Ostermontag des vergangenen Jahres im Alter von 88 Jahren verstarb, hatte die Waschung nicht wie bis zu seinem Pontifikat (2013-2025) üblich an Priestern vollzogen, sondern an Migranten und Strafgefangenen, darunter auch Frauen.
Papst will Kreuz selbst tragen
Am Karfreitag beim Kreuzweg am Kolosseum in Rom will Leo das Kreuz an allen 14 Stationen selbst tragen - ein Novum. Der Papst sei "ein geistlicher Führer in der heutigen Welt, eine Stimme, die sagt, dass Christus auch heute noch leidet. Und auch ich trage all dieses Leid in meinen Gebeten mit", sagte Leo zu diesem unüblichen Vorhaben.
Die Texte für die Meditationen über den Leidensweg Jesu hat der italienische Pater Francesco Patton verfasst. Der Inhalt wird nach Vatikanangaben an Karfreitag gegen Mittag veröffentlicht. Patton war von 2016 bis 2025 Kustos des Heiligen Landes und lebt aktuell in Jordanien.
Am Karfreitag wurde Jesus zum Tode verurteilt und gekreuzigt. Der Kreuzweg zeichnet die letzten Stationen seines Leidenswegs nach. An Ostern wird dann seine Auferstehung gefeiert.
"Urbi et Orbi" an Ostern erstmals von Papst Leo XIV.
Der erste US-Amerikaner als Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken wird am Sonntag vor zehntausenden Gläubigen zum ersten Mal an Ostern den traditionellen Segen "Urbi et Orbi" ("Der Stadt und dem Erdkreis") spenden.