Ausgehend von der Bergpredigt erklärte Papst Leo XIV. beim Angelus am Sonntag: "Die Erfüllung des Gesetzes ist die Liebe, in ihr findet es zu seinem tiefsten Sinn und seiner letzten Bestimmung."
"Wahre Bedeutung der Gebote"
Jesus lade in der Bergpredigt dazu ein, "in die Neuheit des Reiches Gottes einzutreten", und dazu offenbare er "die wahre Bedeutung der Gebote", sagte der Papst vor den Pilgern und Besuchern auf dem Petersplatz. Die Gebote dienten nicht dazu, "einem äußerlichen religiösen Bedürfnis nachzukommen, um sich vor Gott gerechtfertigt zu fühlen, sondern dazu, uns in eine Liebesbeziehung mit Gott und unseren Brüdern und Schwestern eintreten zu lassen".
Im Evangelium von diesem Sonntag spricht Jesus drei klassische Fragen der Moral an - das fünfte, das sechste und das achte der zehn Gebote: "Du sollst nicht töten", "Du sollst nicht die Ehe brechen", "Du sollst nicht lügen". Jesus sagt in allen drei Fällen, dass es nicht genug ist, diese Gebote einzuhalten, die "zu den Alten gesagt worden" sind.
Die "größere Gerechtigkeit", um die es in Wirklichkeit gehe, beschränke sich nicht auf die Einhaltung von Vorschriften, so Papst Leo, sondern sie öffne für die Liebe und fordere zu konkreten Schritten im Alltag heraus. Darin zeige sich der Unterschied zwischen einer formalen religiösen Gerechtigkeit und der Gerechtigkeit des Reiches Gottes.
Das Gesetz sei der Anfang eines Weges zu einem tieferen Verständnis Gottes und seines Plans für die Geschichte. Es habe als "Erzieher, der uns zu ihm geführt hat" gedient, zitierte Leo XIV. den heiligen Paulus. Nun sei Gott selbst in Christus gegenwärtig geworden und habe den Menschen eine neue Beziehung eröffnet - als Söhne und Töchter des Vaters und als Brüder und Schwestern untereinander.
"Jesus lehrt uns, dass wahre Gerechtigkeit Liebe ist"
Wörtlich sagte der Papst: "Brüder und Schwestern, Jesus lehrt uns, dass wahre Gerechtigkeit Liebe ist und dass wir in jedem Gebot des Gesetzes ein Erfordernis der Liebe erkennen müssen." Diese Sichtweise betreffe konkrete Lebensbereiche. Es genüge nicht, einen Menschen nicht physisch zu töten, wenn Worte verletzten oder die Würde missachtet werde. Ebenso reiche formale Treue in der Ehe nicht aus, wenn gegenseitige Zuwendung, Zuhören, Achtung und Fürsorge fehlten.
Das Evangelium vermittle eine klare Orientierung für das christliche Leben. "Es reicht nicht aus, ein Mindestmaß an Gerechtigkeit zu üben, sondern es bedarf einer großen Liebe", sagte Leo XIV. Diese Liebe werde durch die Kraft Gottes möglich und führe zu einer neuen Haltung gegenüber Gott und den Mitmenschen.