Papst kritisiert Missachtung der Familie und ruft zu Frieden und Klimaschutz auf

Für die Zukunft der Gesellschaft

In seiner Neujahrsansprache an Diplomaten im Vatikan forderte Papst Franziskus "wirksame politische Fördermaßnahmen zugunsten der Familie". Zudem rief er zur Deeskalation im Nahen Osten und dem Einsatz für den Klimaschutz auf.

 (DR)

Papst Franziskus stellt für dieses Jahr unter anderem Menschenrechte, Migration und Frieden in Nahost in den Mittelpunkt der Vatikandiplomatie. Beim traditionellen Neujahrsempfang für Diplomaten, die beim Heiligen Stuhl akkreditiert sind, beklagte er am Montag weltweite Verletzungen der Allgemeinen Menschenrechtserklärung, die vor 70 Jahren verabschiedet worden war.

Mit Blick auf die Flüchtlingspolitik warnte der Papst davor, "alteingesessene Ängste zu schüren". Migrationsbewegungen prägten seit jeher die Menschheitsgeschichte. Überdies gehöre die Freiheit, das eigene Land zu verlassen und wieder dorthin zurückzukehren, zu den Grundrechten. Wenn die katholische Kirche von Menschenrechten spreche, bedeute das für sie vor allem, immer wieder auf die zentrale Würde des Menschen, der von Gott gewollt sei, hinzuweisen.

Frieden für Korea und im Nahen Osten

Bei der Begegnung mit dem diplomatischen Corps mahnte das katholische Kirchenoberhaupt zudem Friedensbemühungen für die koreanische Halbinsel und im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern an. Mit Blick auf die international kritisierte Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die US-Regierung erinnerte der Papst an UN-Resolutionen, wonach der Status Jerusalems weiter offen ist. Eine politische Lösung für zwei unabhängige Staaten innerhalb international anerkannter Grenzen sei dringender denn je.

Franziskus forderte die internationale Gemeinschaft überdies auf, die Friedensbemühungen für Syrien fortzusetzen und damit eine Grundlage für die Rückkehr der Flüchtlinge vor allem aus den Nachbarländern zu legen. Besorgt äußerte er sich auch über die sich zuspitzende politische und humanitäre Krise in Venezuela.

Familien fördern und schützen

Papst Franziskus hat westliche Gesellschaften dafür kritisiert, dass sie die Familie "als eine veraltete Institution" betrachteten. "Der Stabilität eines endgültigen Projekts zieht man heute flüchtige Bindungen vor", sagte das Kirchenoberhaupt am Montag in seiner Neujahrsansprache an Diplomaten im Vatikan.

Es sei daher dringlich, "wirksame politische Fördermaßnahmen zugunsten der Familie" zu ergreifen. Denn ohne diese werde es "keine Gesellschaft geben, die den Herausforderungen der Zukunft gewachsen ist". Die Familie sei "die Gemeinschaft der treuen und unauflöslichen Liebe, die Mann und Frau eint", so Franziskus.

Deeskalation im Israel-Konflikt

Zudem rief Papst Franziskus zur Deeskalation in Israel und Palästina auf. Es gelte, jede Initiative zu prüfen, um eine Zuspitzung der Konfrontation zu vermeiden, sagte er am Montag im Vatikan in seiner Neujahrsansprache vor den beim Heiligen Stuhl akkreditierten Botschaftern. Zugleich bekräftigte er "die gemeinsame Verpflichtung zur Achtung des Status quo von Jerusalem" und verlangte die Beachtung der betreffenden Resolutionen der Vereinten Nationen.

Nach 70 Jahren Auseinandersetzungen sei es dringlicher denn je, eine politische Lösung für zwei unabhängige Staaten innerhalb international anerkannter Grenzen zu finden. "Selbst unter Schwierigkeiten bleibt der Wille zum Dialog und zur Wiederaufnahme der Verhandlungen der Königsweg, um endlich zu einer friedlichen Koexistenz der beiden Völker zu gelangen", so Franziskus.

Einhaltung des Klimaabkommens

Papst Franziskus ermahnte in seiner Rede die Regierungen weltweit zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens. Auch wenn die Natur "von sich aus grausam" sein könne, gebe es eine wesentliche Verantwortung des Menschen. Der Klimawandel mit dem globalen Temperaturanstieg und dessen zerstörerische Folgen seien "auch Folgen des menschlichen Handelns", sagte er.

Franziskus nannte die Sorge um den Planeten "eine besonders dringende Pflicht" für Staaten und für jeden einzelnen. Die heute Lebenden müssten gemeinsam Verantwortung dafür übernehmen, den kommenden Generationen eine schönere und lebenswertere Welt zu hinterlassen.

"Dafür müssen wir daran arbeiten, im Licht der 2015 in Paris getroffenen Verpflichtungen die Abgasemissionen, die für die Atmosphäre schädlich sind als auch der menschlichen Gesundheit schaden, zu reduzieren", sagte er.

Klimaschutz wie mittelalterliche Kathedralen

Die Aufgabe des Klimaschutzes verglich der Papst mit dem Bau der mittelalterlichen Kathedralen in Europa. Deren Baumeister hätten gewusst, dass sie die Vollendung ihres Werkes nicht erleben würden, so Franziskus. Dennoch hätten sich die Erbauer als Teil eines Projekts verstanden, das ihren Kinder zugutekommen sollte und das von diesen wiederum weitergebaut werden würde.

"Jeder Mann und jede Frau dieser Erde - und besonders wer Regierungsverantwortung trägt - soll diesen Geist des Dienens und der generationsübergreifenden Solidarität pflegen", sagte der Papst.

Quelle:
KNA , epd
Mehr zum Thema