Papst Leo XIV. hat der italienischen Tageszeitung "La Repubblica" zum 50-jährigen Bestehen gratuliert.
In einem Brief an Chefredakteur Mario Orfeo betont der Papst, dass die 1975 gegründete Zeitung ihren Hauptsitz in Rom hat und damit "im Bistum des Papstes". Er lobt ihre unabhängige Berichterstattung und erklärt, dass diese Freiheit auch für die Kirchenberichterstattung gelte. Die Zeitung veröffentlichte den Brief am Donnerstag.
Wörtlich schreibt der Papst: "Das ist der Sinn der Pressefreiheit, dass sie bei aller Unterschiedlichkeit der Meinungen, der Standpunkte und der Kulturen immer transparent und korrekt handeln muss und damit jene Möglichkeit zur Auseinandersetzung schafft, die, sofern sie nicht feindselig ist, zum Gemeinwohl und zur Einheit der Menschheit beiträgt."
Berichterstattung ohne Vorurteile
Weiter schreibt der Papst: "Der Dialog überwindet den Konflikt und ist die Grundlage für Frieden. Ich wünsche euch, dass ihr immer eine freie und dialogorientierte Kommunikation aufbaut, die inspiriert ist von der Wahrheit und ohne Vorurteile ist."
Pressefreiheit und Pluralismus der Meinungen sind Anliegen, die der Papst aus den USA bereits mehrere Male betont hat. So sagte er vier Tage nach seiner Wahl: "Wir rufen alle dazu auf, das kostbare Gut der Rede- und Pressefreiheit zu schützen." Weiter sagte er: "Nur informierte Menschen können freie Entscheidungen treffen."
Gegen die Verengung des Diskurses
Am 9. Januar hatte er in seiner ersten Neujahrsansprache an die beim Vatikan akkreditierten Diplomaten gesagt: "Es ist bedauerlich festzustellen, dass insbesondere im Westen der Raum für echte Meinungsfreiheit immer mehr eingeschränkt wird". Es entwickle sich eine "neue Sprache mit orwellschem Beigeschmack".
In ihrem "Bestreben, immer inklusiver zu sein", führe sie dazu, "diejenigen auszuschließen, die sich nicht den Ideologien anpassen, von denen sie beseelt ist". Dies führe dann auch zu Einschränkungen der Gewissensfreiheit und betreffe zum Beispiel Ärzte, die sich weigerten, Abtreibungen vorzunehmen.
Der Gründungsdirektor von "La Repubblica", Eugenio Scalfari (1924–2022), sorgte im Pontifikat von Franziskus für Aufsehen, indem er nach langen Treffen mit dem Papst ohne Aufzeichnungen darüber berichtete und dabei einige Inhalte verzerrt wiedergab. Die einst auflagenstärkste Tageszeitung Italiens steht derzeit vor einem Verkauf an die griechische Antenna-Gruppe.