Beim Mittagsgebet erstmals wieder Gläubige auf dem Petersplatz

Papst Franziskus mit Beifall begrüßt

Beim Mittagsgebet erinnerte Papst Franziskus an den Gedenktag für die Kirche in China, an den katholischen Mediensonntag und er lud zu einem "Laudato-si"-Aktionsjahr ein. Erstmals waren wieder Gläubige auf dem Petersplatz. 

Papst Franziskus spricht einen Segen aus – zum ersten Mal seit Monaten wieder mit Gläubigen auf dem Petersplatz / © Andrew Medichini/AP (dpa)
Papst Franziskus spricht einen Segen aus – zum ersten Mal seit Monaten wieder mit Gläubigen auf dem Petersplatz / © Andrew Medichini/AP ( dpa )

Erstmals seit dem 8. März konnten wieder Gläubige auf den Petersplatz gelangen. Wie der Petersdom ist der Platz seit vergangenen Montag weitgehend geöffnet. Zwar hielt Franziskus seine Ansprache wie in den Wochen des Lockdown in der Apostolischen Bibliothek, diese wurde aber wieder auf Großbildschirme auf dem Platz übertragen. Dort hielten sich schätzungsweise 200 Menschen auf, viele mit Mundschutz und in gebührendem Abstand.

In seiner Ansprache erinnerte der Papst an den Gedenktag für die Kirche in China am 24. März sowie an den an diesem Sonntag vielerorts begangenen katholischen Mediensonntag. Anschließend begab sich der Papst an das Fenster im dritten Stock des Apostolischen Palastes und wurde dort von den Gläubigen mit Beifall begrüßt. Dabei segnete der Papst die Menschen noch einmal.

Papst sendet Solidaritätsadresse an Chinas Katholiken

Ein besonder Gruß ging an die Katholiken in China. Sie seien integraler Teil der ganzen Weltkirche, die "eure Hoffnungen teilt und euch in den Prüfungen des Lebens unterstützt", so das Kirchenoberhaupt beim Mittagsgebet im Vatikan. Anlass seiner Grußadresse ist der Termin der traditionellen Wallfahrt zur Madonna von Sheshan in Shanghai, die in diesem Jahr Pandemie-bedingt ausfällt.

Zugleich forderte Franziskus Gläubige wie Bischöfe und Priester auf, "stark im Glauben und fest in geschwisterlicher Einheit" zu sein und damit "freudige Zeugen und Förderer der Nächstenliebe und der Hoffnung sowie gute Bürger»" Auf konkrete, aktuelle Entwicklungen in China ging der Papst nicht ein.

Papst Benedikt XVI. (2005-2013) hatte 2007 in seinem Brief an die chinesischen Katholiken den 24. Mai zum liturgischen Gedenktag der Allerseligsten Jungfrau Maria, "Hilfe der Christen", im Marienheiligtum von Sheshan erklärt. Das Datum ist zugleich weltweiter Gebetstag für die Kirche in China.

Konstruktive Berichte helfen, uns besser zu verstehen 

Anlässlich des katholischen Mediensonntags, der in vielen Ländern an diesem Sonntag begangen wird, hat Papst Franziskus an die Bedeutung konstruktiver Erzählungen und Berichte erinnert. Der Tag solle ein Anlass sein, im persönlichen wie im öffentlichen Bereich "konstruktive Geschichten zu erzählen und auszutauschen".

Auf diese Weise lernten Menschen "zu verstehen, dass wir alle Teil einer Geschichte sind, die größer ist als wir selbst". Der Zukunft könne man hoffnungsvoller entgegensehen, wenn man sich als Geschwister ernsthaft umeinander kümmere. In Deutschland wird der "Welttag der sozialen Kommunikationsmittel" am zweiten Sonntag im September begangen.

Papst will Besuch in Region Acerra bei Neapel nachholen

Der Papst will seinen geplanten Besuch in der von Umweltschäden stark betroffenen Region Acerra bei Neapel nachholen. Heute habe er eigentlich nach Acerra gehen sollen, um das Engagement derjenigen zu unterstützen, die sich "gegen das Drama der Umweltverschmutzung im sogenannten 'Land der Feuer' einsetzen", sagte das Kirchenoberhaupt bei seinem Mittagsgebet.

Die nordöstlich von Neapel gelegene Gegend um Acerra ist in Italien berüchtigt, weil dort seit Jahren teils giftiger Müll illegal entsorgt und verbrannt wird. Das Geschäft wird größtenteils von der Camorra betrieben; vielen Menschen bringt es jedoch mehr ein als der traditionelle Obst- und Gemüseanbau.

Wegen der Pandemie war der Papstbesuch, der vom Vatikan nie offiziell bestätigt wurde, verschoben worden. Er richte jedoch der gesamten Diözesangemeinschaft Grüße, Segen und Ermutigung aus. "Ich werde kommen, ganz sicher", sagte Franziskus.

Franziskus lädt zu einem "Laudato-si"-Aktionsjahr ein

Zum fünften Jahrestag der Veröffentlichung seiner Enzyklika "Laudato si" ("Sei gepriesen") hat Papst Franziskus dazu aufgerufen, deren Anliegen im kommenden Jahr zu vertiefen und umzusetzen. Ein solches "Laudato-si"-Jahr solle sich an eine bereits begangene Aktionswoche anschließen, so das Kirchenoberhaupt gegen Ende seines Mittagsgebetes am Sonntag im Vatikan. Das von der vatikanischen Behörde für menschliche Entwicklung angeregte Jahr soll bis zum 24. Mai 2021 gehen.

Franziskus lud dazu "alle Menschen guten Willens" ein, sich anzuschließen und sich gemeinsam um "unser gemeinsames Haus und um unsere schwächeren Brüder und Schwestern zu kümmern". Gleichzeitig lud er dazu ein, ein diesem Aktionsjahr gewidmetes Gebet zu beten.

Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) dokumentiert das Gebet in eigener Übersetzung:

Liebevoller Gott,

Schöpfer des Himmels, der Erde und all dessen, was sie bergen.

Öffne unseren Geist und rühre unsere Herzen, damit wir ein Teil sein können deiner Schöpfung, deines Geschenks.

Sei in diesen schwierigen Zeiten den Bedürftigen nahe, besonders den Ärmsten und Schwächsten.

Hilf uns, kreative Solidarität zu beweisen, um die Folgen dieser globalen Pandemie anzugehen.

Lass uns mutig werden, die umwälzenden Veränderungen anzugehen, um das gemeinsame Wohl aller zu suchen.

Dass wir mehr als je zuvor spüren, wie wir untereinander verbunden und voneinander abhängig sind.

Tu dies auf eine Art und Weise, so dass wir in der Lage sind, den Schrei der Erde und den Schrei der Armen zu hören und zu antworten.

So können die derzeitigen Leiden zum Geburtsschmerz einer Welt werden, die geschwisterlicher und nachhaltiger ist.

Unter dem liebevollen Blick Marias, der Trösterin, bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn.

Amen

Um dem Anliegen seines auch außerkirchlich beachteten Rundschreibens noch einmal Nachdruck zu verleihen, hatte Franziskus im März mit einer Videobotschaft zunächst zu einer Aktionswoche vom 16. bis 24. Mai eingeladen. Dies solle eine "globale Kampagne" zum Jahrestag von "Laudato si" werden.

Wegen der Corona-Pandemie fielen jedoch zahlreiche geplante Veranstaltungen aus, unter anderem ein internationales Treffen mit mehreren Hundert Jungunternehmern zum Thema nachhaltiger Wirtschaft in Assisi. Daher weitete das federführende vatikanische "Dikasterium für ganzheitliche menschliche Entwicklung" die Aktionswoche zu einem Aktionsjahr aus.

Nonnen und Gläubige bei der Live-Übertragung des Angelus-Gebetes auf dem Petersplatz / © Andrew Medichini (dpa)
Nonnen und Gläubige bei der Live-Übertragung des Angelus-Gebetes auf dem Petersplatz / © Andrew Medichini ( dpa )
Papst Franziskus spricht im Apostolischen Palast das Gebet "Regina Coeli" / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus spricht im Apostolischen Palast das Gebet "Regina Coeli" / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )
Papst Franziskus beim Mittagsgebet: Zum ersten Mal seit Monaten versammelten sich Gläubige auf dem Petersplatz / © AP (dpa)
Papst Franziskus beim Mittagsgebet: Zum ersten Mal seit Monaten versammelten sich Gläubige auf dem Petersplatz / © AP ( dpa )
Quelle:
KNA